Schlafprobleme

Kann nächtliches Zähneknirschen gefährlich werden?

Kann nächtliches Zähneknirschen gefährlich werden?

Nächtliches Zähneknirschen ist ein bekanntes Phänomen. Aber kann das Reiben der Zähne ernsthaft gefährlich werden? Unser Artikel geht der Frage auf den Grund und erklärt, woran man erkennen kann, dass man nachts mit den Zähnen reibt.

Zähneknirschen: Frau hält sich vor Zahnschmerzen die Wange.
Zähneknirschen ist unangenehm, aber kann es auch gefährlich werden? Bild: fotolia

Zähneknirschen – Fachausdruck Bruxismus – ist gerade bei Kleinkindern weit verbreitet. Etwa die Hälfte aller Babys knirscht ab dem zehnten Lebensmonat mit den Zähnen. Bei Babys und Kleinkindern ist das kein Grund zur Sorge. Durch diese Funktion werden die Zähne quasi aufeinander abgestimmt. Spätestens mit dem Verlust der Milchzähne ist es dann meist auch vorbei mit dem Knirschen der Zähne.

Was sich bei Kleinkindern mit der Zeit von selbst erledigt, sorgt bei Erwachsenen für berechtigte Sorge. Hier kann das Knirschen mit den Zähnen unangenehme bis ernsthafte Folgen haben. Der Grund ist simpel: Während Kinder noch eine heranwachsenden Kiefermuskulatur besitzen, kriegen die Zähne von Erwachsenen die volle Kraft des Kiefers ab. Und der Kaumuskel ist der stärkste Muskel unseres Körpers.

Was geschieht beim Zähneknirschen?

Beim nächtlichen Zähneknirschen drücken wir unsere Zähne im Schlaf wiederholt aufeinander. Jeder fünfte Mensch in Deutschland ist von Zähneknirschen betroffen. Ob nun tagsüber (Wachbruxismus) oder im Schlaf (Schlafbruxismus). Bei Bruxismus wird zwischen zwei unterschiedlichen Arten der Kaumuskulatur-Aktivität unterschieden:

  • Phasischer Bruxismus: Hierbei verläuft die Kieferaktivität rhythmisch in kurzen Intervallen.
  • Tonischer Bruxismus: Der Kiefermuskel drückt die Zähne über einen längeren Zeitraum aufeinander.

Übrigens: Das Zähneknirschen selbst, wird nicht als Krankheit angesehen, obwohl es ernsthafte Konsequenzen für Zähne, Kiefergelenke und die Muskulatur haben kann. Welche Folgen Bruxismus haben kann, wird weiter unten geklärt.

Welche Ursachen hat Bruxismus?

Bruxismus kann ganz verschiedene Ursachen haben. Meist ist das Aneinanderreiben der Zähne ein Symptom einer anderen Erkrankung – sei es psychisch oder körperlich. Deshalb wird es auch nicht als eigene Krankheit angesehen. Gründe für Zähneknirschen können sein:

  • Stress: 50 Prozent aller Betroffenen knirschen zeitweise oder chronisch mit den Zähnen, wenn sie unter Druck stehen oder beruflich oder privat überfordert sind.
  • Alkohol: Wenn du glaubt, es gäbe nach übermäßigem Alkoholkonsum keine Muskelkontraktion, dann hast du dich geirrt, Alkohol kann das Zähneknirschen begünstigen. Unser Artikel zeigt, auf welche Weise Alkohol unseren Schlaf gefährden kann.
  • Medikamente: Hier trifft das Gleiche zu wie bei Alkohol. Auch der übermäßige Gebrauch von Medikamenten kann ein Reiben der Zähne auslösen.
  • Fehlerhafter Biss: Der Zusammenbiss kann durch viele verschiedene Faktoren gestört werden. Sei es durch eine falsch sitzende Prothese, eine schlechte Krone oder durch eine Zahnfehlstellung. Dadurch kann es zum Knirschen der Zähne kommen. Unternimmst du hier nichts, kann es zusätzlich noch zu einer dauerhaften Fehlstellung deines Kiefers kommen.
  • Diverse Erkrankungen: Manchmal können auch andere Erkrankungen Schuld am Zähneknirschen sein. Darunter fallen Krankheiten wie Schlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom, Parkinson-Syndrom oder Epilepsie.
  • Schlafstörungen: Auch wer unter Schlafstörungen leidet, presst oft die Zähne aufeinander. Grund dafür ist häufig die Anspannung der Betroffenen, nicht einschlafen zu können.

Welche Symptome zeigen sich bei Zähneknirschen?

Da Zähneknirschen häufig nachts auftaucht, bleibt es von vielen Betroffenen lange unbemerkt. Das kann schwere Folgen für Zähne, Kiefer und Muskulatur haben. Dabei kann das Problem leicht und ohne Folgen behandelt werden, wenn es rechtzeitig entdeckt wird. Dazu musst du allerdings die Symptome erkennen. Diese können sein:

  • Kieferschmerzen
  • Kopfschmerzen im Schläfenbereich
  • Zahnschmerzen
  • Verspannungen im Kieferbereich
  • Verspannungen im Nacken und Rücken

Leidest du unter einem oder mehreren Symptomen, kann die Ursache im Zähneknirschen liegen. Beim Zusammenbiss wirken bis zu 480 Kilogramm pro Quadratzentimeter auf die Zähne und den Kiefer. Und das teils mehrere Minuten in der Nacht. Kein Wunder, dass zahlreiche Stellen in deinem Gesicht schmerzen.

Welche Folgen kann Zähneknirschen haben?

Sollte das Knirschen der Zähne nicht behandelt werden, drohen schwere Schäden an Zähnen und Kiefer.

  • Es kommt zum Abrieb der Zahnsubstanz
    Bei 480 Kilogramm pro Quadratzentimeter ist die Belastung für die Zähne enorm. Deshalb kann es auf Dauer zu einem Abrieb der Zähne kommen. Die Folge ist eine Überempfindlichkeit gegenüber Heißem oder Kaltem, Süßem oder Saurem.
  • Die Zähne werden porös
    Ebenso wie Abrieb, kann es durch den immensen Druck passieren, dass die Zähne porös werden. Dann können die Zähne zersplittern oder brechen. Im schlimmsten Fall droht dir der komplette Zahnverlust.
  • Die Gelenkscheiben im Kiefer können verrutschen
    Ebenfalls durch den Druck, der beim Zähneknirschen ausgeübt wird, kann sich der Kiefer verschieben oder sogar die Gelenkscheiben des Kiefers verrutschen. Dann lässt sich der Kiefer nur noch unter Schmerzen oder gar nicht mehr öffnen.
  • Es entstehen chronische Muskelbeschwerden
    Die Kiefermuskeln können im Laufe der Zeit unter der dauerhaften Überbelastung leiden. Das kann zu chronischen Schmerzen beim Kauen führen. Unternimmst du nichts dagegen, droht eine morgendliche Muskelversteifung, die nur mit langsamen Bewegungen gelöst werden kann.

Was kann man gegen das Knirschen tun?

Momentan gibt es keine Therapie oder Heilung bei Zähneknirschen. Trotzdem lässt sich das Leiden gut lindern. Dabei achten Ärzte vor allem auf den Schutz der Zähne, der Reduktion der Druck-Aktivität und der Linderung der Schmerzen. So zeigen Beißschienen bei regelmäßiger Nutzung gute Erfolge.

Entsteht Bruxismus durch eine Krone oder eine Zahnfüllung, kann der Zahnarzt diese einfach abschleifen oder gegen eine neue, besser sitzende ersetzen. Auch Verhaltenstherapien und psychologische Beratungen können helfen, das Aufbeißen im Schlaf zu minimieren oder gar vollständig zu beheben. Ist Zähneknirschen ein Symptom einer Erkrankung wie etwa dem Restless-Legs-Syndrom oder Schlafapnoe, gilt es in erster Linie diese Erkrankungen zu behandeln.

Quellen:

Informationsdienst Wissenschaft: Zähneknirschen ist keine Krankheit – ernste Folgen für die Gesundheit sind aber möglich.
MSD Manuals: Bruxismus.
Gesundheitsinformation: Zahn- und Kieferfehlstellungen.

Autor Profilbild

Alexander Scherb

Senior Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de