Schlafprobleme

Schlafwandeln bei Erwachsenen: Was steckt dahinter?

Schlafwandeln bei Erwachsenen: Was steckt dahinter?

Schlafwandler begeben sich nicht nur in komische, sondern oft auch in ziemlich gefährliche Situationen. Doch was sind die Auslöser für das Schlafwandeln bei Erwachsenen und wie bekommt man es in den Griff? Unser Artikel klärt auf.

Schlafwandeln bei Erwachsenen kann in gefährlichen Situationen enden. Bild: iStock/Liudmila Chernetska

Bei Kindern ist Schlafwandeln (Somnambulismus) normal und tritt relativ häufig auf (laut Schlafmedizin circa 30 Prozent). Bei Erwachsenen ist es dagegen eher selten (circa ein bis drei Prozent). Das Gefährliche am Schlafwandeln bei Erwachsenen ist, dass die schlafwandelnde Person von den nächtlichen Streifzügen nichts mitbekommt, da sie keine Erinnerung daran hat. Oft sind es die Menschen mit denen die Betroffenen zusammenleben, die dann auf das Problem aufmerksam machen. Zum Beispiel der Partner oder die Partnerin der schlafwandelnden Person.

Die Situationen, die wir beim nächtlichen Wandeln durchleben, sind oft ziemlich sonderbar. Die eine schlafwandelnde Person fängt an zu putzen, die andere gönnt sich einen kleinen Mitternachtssnack oder steht einfach nur verwirrt vor dem Bett. So amüsant das vielleicht auch klingen mag. Schlafwandeln kann auch gefährlich werden. Etwa dann, wenn Türen und Fenster im Schlaf geöffnet werden und der Betroffene oder die Betroffene davon nichts merkt. Um Schlimmeres zu verhindern, sollte das Schlafwandeln bei Erwachsenen also nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Was ist Schlafwandeln?

Obwohl vom Schlafwandeln vor allem Kinder betroffen sind, leiden auch einige Erwachsene unter dem Phänomen. Bei Somnambulismus handelt es sich aus medizinischer Sicht um eine Parasomnie. Parasomnien sind Verhaltensauffälligkeiten während des Einschlafens, im Schlaf und während des Aufwachens. Beispielsweise fallen auch das Reden im Schlaf (Somniloquie), die Schlafparalyse und Einschlafzuckungen in den Bereich der Parasomnien.

Schlafwandeln bei Erwachsenen ist häufig dann gefährlich, wenn es in wiederholenden Episoden kommt, von denen der Betroffene oder die Betroffene nichts bemerken. Sie verlassen das Bett, irren umher, ohne sich darüber bewusst zu sein. Somnambulismus mag für Außenstehende oft etwas Amüsantes haben, kann jedoch auch gefährlich werden, wenn der Autoschüssel herumliegt oder der Schlafwandler anfängt, den Herd zu benutzen.

Schlafwandeln bei Erwachsenen: Was passiert im Gehirn?

So bekannt Schlafwandeln bei Erwachsenen auch ist, tatsächlich ist nur sehr wenig über das Phänomen bekannt. Forscherinnen und Forscher vermuten jedoch, dass eine fehlende Balance zwischen den verschiedenen Gehirnarealen für das Phänomen verantwortlich ist.

Oft genügt ein simpler Reiz, z.B. ein lautes Geräusch oder eine volle Blase. Die Betroffenen wachen dann nur halb aus ihrem Tiefschlaf auf. Dabei werde Schaltkreise im Gehirn aktiviert, die bestimmte Bewegungsabläufe steuern. Das Großhirn ruht jedoch. Aus diesem Grund führen Schlafwandlerinnen und Schlafwandler ihre Handlungen unbewusst und unkontrolliert aus.

Warum ist Schlafwandeln bei Kindern nicht gefährlich?

Ungefähr 30 Prozent aller Kinder leiden an der Schlafstörung des Schlafwandelns. Warum ist es bei Kindern nicht so gefährlich wie bei Erwachsenen? Das liegt am Gehirn. Das Gehirn von Kindern ist noch nicht völlig entwickelt, wodurch auch Verhaltensweisen im Schlaf ausgeübt werden, die normalerweise nur im Wachzustand ausgeführt werden sollen. Dazu gehört neben Somnambulismus auch das Reden im Schlaf oder auch Albträume oder der Nachtschreck. Meist verschwinden all diese Schlafstörungen mit Beginn der Pubertät.

Was sind die Ursachen von Somnambulismus

Während bei Kindern das Wandeln im Schlaf harmlos ist, sollte Somnambulismus bei Erwachsenen nicht auf die leichte Schulter genommen werden, da hinter dem Phänomen tatsächlich eine Reihe von (ernsten) Auslösern stecken können, die tiefgreifende Behandlungen oder Therapiern nach sich ziehen können. Die Gründe für Schlafwandeln bei Erwachsenen verbergen sich laut Schlafmedizin vor allem hinter folgenden Ursachen:

  • Stress
  • seelische Belastung
  • familiäre Vorbelastung
  • Alkohol
  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Fieber
  • Medikamente

„In jedem Fall sollte ein qualifizierter Arzt zurate gezogen werden, der den körperlichen und auch seelischen Ursachen für Schlafwandeln auf den Grund geht. Es könnten auch Krankheiten wie eine Epilepsie, Hirnerkrankungen oder eine psychische Krankheit dahinter stecken, die gezielt behandelt werden müssen“, so Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin für Schlafmedizin bei der Barmer, im Interview mit Barmer.de

In welcher Phase findet Somnambulismus statt?

Um zu verstehen, wann diese Schlafstörung einsetzt, muss man wissen, dass sich unser Schlaf in vier verschiedene Phasen aufteilt:

Während beispielsweise Einschlafzuckungen in der Einschlafphase auftreten und die REM-Schlaf-Verhaltensstörung – wie der Name vermuten lässt – in der REM-Phase, tritt das Schlafwandeln während des Tiefschlafs auf. Der Tiefschlaf ist eigentlich die Phase unseres Schlafs, in dem sich unser Körper besonders erholt. Anders als in der REM-Phase sind hier unsere Muskeln allerdings nicht ausgeschaltet.

Übrigens: Wir träumen nicht nur in der REM-Phase. Auch in anderen Phasen, wie beispielsweise im Tiefschlaf, träumen wir. Unser Gehirn ist allerdings nur in der REM-Phase besonders aktiv.

Schlafwandeln behandeln: Diese Möglichkeiten gibt es

Bevor Somnambulismus behandelt werden kann, solltest du mögliche Ursachen unbedingt mit deinem Arzt oder deiner Ärztin abklären und ausschließen. Meist lässt sich das Wandeln im Schlaf schon gut in den Griff bekommen, wenn Stress reduziert und seelische Belastungen aufgearbeitet bzw. geklärt werden. Neben der progressiven Muskelentspannung kannst du beispielsweise auch autogenes Training, Yoga, Atemübungen im Bett oder eine verbesserte Schlafhygiene ausprobieren, um das Schlafwandeln in den Griff zu bekommen. Greifen die Auslöser tiefer, können psychische Blockaden und Belastungen auch mithilfe einer Psychotherapie gelöst werden. Eine Behandlung mit Medikamenten gegen Schlafwandeln bei Erwachsenen gibt es hingegen nicht.

Sollte man Schlafwandler aufwecken?

Schlafwandelt dein Partner oder deine Partnerin, solltest du ihn oder sie auf keinen Fall aufwecken. Gefährlich ist es zwar nicht, der Betroffene oder die Betroffene könnte sich jedoch erschrecken und panisch werden. Auch zu Hilfsmitteln wie einem nassen Lappen solltest du niemals greifen. Hast du es mit einem Schlafwandler zu tun, begleite ihn ohne Hektik und Druck zurück ins Bett. Häufig hilft dem Schlafwandler ruhiges Zureden.

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Autor Profilbild

Isabell Stiller

Online-Redakteurin bei MeinSchlaf.de