Schlafprobleme

Schlafstörungen – Therapie der ersten Wahl

Schlafstörungen – Therapie der ersten Wahl

Medikamente kommen zwar auch zum Einsatz bei Schlafstörungen – Therapie der ersten Wahl jedoch ist die kognitive Verhaltenstherapie. Die ist bei Insomnien nicht nur mindestens ebenso wirksam, sondern bietet gegenüber der medikamentösen Behandlung einen entscheidenden Vorteil.

Medikamente kommen zwar auch zum Einsatz bei Schlafstörungen – Therapie der ersten Wahl jedoch ist die kognitive Verhaltenstherapie. Die ist bei Insomnien nicht nur mindestens ebenso wirksam, sondern bietet gegenüber der medikamentösen Behandlung einen entscheidenden Vorteil.
Bei Schlafstörungen kann auch die kognitive Verhaltenstherapie helfen. Bild: Unsplash

Welche Schlafstörungen betrifft das?

Es geht um die Insomnie beziehungsweise Ein- und Durchschlafstörungen, die häufig auch mit Psychopharmaka behandelt werden. Diese mindern zwar die Symptome, haben jedoch das Risiko, dauerhaft abhängig zu machen. Eine Gefahr, die bei einer nicht-medikamentösen Behandlung nicht besteht.

Alfred Wiater, Kinder- und Jugendarzt mit Zusatzbezeichnung Schlafmedizin, betont daher: „Therapie der Wahl bei chronischer Insomnie ist die kognitive Verhaltenstherapie.“ Das funktioniert für Erwachsene, aber „auch bei Kindern gelten verhaltenstherapeutische Maßnahmen unter Einbeziehung der Eltern.“

Schlafstörungen – Therapie mit Medikamenten?

Medikamente sollten nach Ansicht von Alfred Wiater bei Insomnien am besten überhaupt keine Anwendung finden. „Wenn erforderlich“, schränkt der Schlafmediziner ein, „dann möglichst nur für einen Zeitraum von drei Wochen“.

Digitale Hilfsmittel zur Therapie-Unterstützung

Stattdessen befürwortet er den Einsatz von digitalen Hilfsmitteln als Unterstützung der nicht-medikamentösen Behandlung. „Seit kurzem gibt es eine DiGA zur kognitiven Verhaltenstherapie“, informiert Alfred Wiater. Die Abkürzung DiGA steht für „Digitale Gesundheitsanwendungen“. Dabei handelt es sich um Medizinprodukte, die digital funktionieren, vorwiegend Apps. Sobald das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die Anwendung in sein DiGA-Verzeichnis aufnimmt, dürfen sie zur Behandlung eingesetzt werden.

Im konkreten Fall geht es um somnio, die als App jeder Arzt verordnen kann. Mit dieser App lernen die Nutzer unter anderem, einem individuell abgestimmten Schlaf-Wach-Rhythmus zu folgen.

Wie funktioniert die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnien?

„Man macht die Patienten zu ihrer eigenen Schlaftablette“, bringt Diplom-Psychologe und Somnologe Hans-Günter Weeß die Vorgehensweise auf den Punkt. „Wir befähigen sie dazu, wieder in die schlafförderliche Entspannung zu kommen.“ Denn genau die ist den Betroffenen abhandengekommen – häufig schrittweise über Jahre hinweg.

„Da geht es darum, wieder das richtige Verhalten, die richtige innere Haltung zu lernen“, führt Hans-Günter Weeß weiter aus. „Man muss wieder lernen, abzuschalten, sich zu entpflichten, das Gedankenkarussell zu stoppen und vor allem nicht mehr um den Schlaf zu ringen. Menschen mit Schlafstörungen fokussieren sich immer mehr auf ihr Problem, bemühen sich immer stärker zu schlafen und verstärken damit ihr Schlafproblem.“

Teufelskreis druchbrechen

Folglich beginnt eine Behandlung in der Regel damit, diesen Teufelskreis mit Informationen zu durchbrechen. Vielen hilft es bereits zu erfahren, dass es vollkommen normal ist, nicht immer durchgängig acht Stunden zu schlafen sowie hin und wieder nachts aufzuwachen. Damit lässt sich etwas Druck nehmen, was bei leichteren Fällen bereits Erfolge zeigen kann.

Mit dem Einhalten der Schlafhygiene-Regeln können diese Patienten meistens weitere Fortschritte erreichen. Solltest du zu den Menschen mit schweren Schlafstörungen zählen, reicht dies allerdings nicht aus. Dann brauchst du eine individuelle Therapie. Dazu müssen deine Therapeuten einiges von dir wissen: ob es bereits Fälle von Schlafstörungen in der Familie gibt, wie deine Lebenssituation aussieht und ob du Krankheiten hast. Nur so können sie dir wirklich helfen.

Maßgeschneiderte Behandlung

Angepasst an diese unterschiedlichen Schweregrade arbeitet das interdisziplinäre Schlafzentrum am Pfalzklinikum unter der Leitung von Hans-Günter Weeß mit einem Stufenmodell: Am Anfang stehen Aufklärungsvideos und Selbsthilfebücher. Dann folgt ein Online-Behandlungsprogramm mit Selbst- und Wissenstests. Damit könne man vielen Menschen, die an Schlafstörungen leiden, bereits helfen.

Für alle anderen steht die nächste Stufe offen: die Vor-Ort-Seminare im Schlafzentrum. Danach kommt ein einwöchiges Programm im Schlaflabor, daran anschließend bei Bedarf ein stationäres Programm von drei Wochen. Dieses ist aber hauptsächlich für Menschen mit Begleiterkrankungen wie Schlafmittelabhängigkeit oder Depressionen erforderlich. Und auch ihnen kann oft geholfen werden, denn „Schlafstörungen sind gut behandelbar“, wie Hans-Günter Weeß versichert.

Wenn du unter Schlafstörungen leidest oder den Verdacht hast, kannst du dich zunächst einfach an deinen Hausarzt wenden. Über ihn erfährst du Behandlungsmöglichkeiten und welche Fachärzte du in deinem speziellen Fall aufsuchen solltest. Mehr zum Thema findest du hier.

Dr. med. Alfred Wiater ist Kinder- und Jugendarzt mit Zusatzbezeichnung Schlafmedizin sowie Vorstandsreferent der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) und Autor verschiedener Bücher, u. a. von „Praxishandbuch Kinderschlaf“ und „Ticken Sie richtig?“.

Diplom-Psychologe Dr. Hans-Günter Weeß ist als Somnologe im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), leitet die Akademie für Schlafmedizin (AfS) sowie das interdisziplinäre Schlafzentrum des Pfalzklinikums, doziert an der Hochschule und ist Autor zahlreicher Fachbücher, u. a. von „Schlaf wirkt Wunder“.

Quellen:

Ärzteblatt, März 2011: Schlafstörungen: Kognitive Verhaltenstherapie als Mittel der ersten Wahl

Autor Profilbild

MeinSchlaf.de