Schlafprobleme

Schlafstörungen – welcher Arzt kann dir helfen?

Schlafstörungen – welcher Arzt kann dir helfen?

Schlafstörungen sind eine echte Gefahr für deine Gesundheit. Wenn du darunter leidest oder den Verdacht hast, solltest du professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Doch wo genau suchst du Rat bei Schlafstörungen – welcher Arzt kann in diesem Fall helfen? Dein Hausarzt, aber auch verschiedene Fachärzte. Unser Artikel klärt auf.

Schlafstörungen: Eine Frau liegt wach im Bett.
Manchmal kann bei Schlafstörungen nur noch eine Fachperson helfen. Bild: iStock

Laut DAK-Gesundheitsreport schlafen 80 Prozent der Erwerbstätigen schlecht. Diese Zahl ist beängstigend, denn sie zeigt, dass Schlafstörungen inzwischen vielmehr geworden sind, als eine Randerscheinung. Probleme mit dem Schlaf haben sich zu einer regelrechten Volkskrankheit entwickelt.

Allerdings rechnen Ärzte nicht jede Nacht ohne Schlaf direkt zu einer Schlafstörung. Für diese Erkrankung kennt die Medizin ganz bestimmte Regeln, die Diplom-Psychologe Dr. Hans-Günter Weeß einen Absatz weiter unten erklärt. Für eine schwere Schlafstörung gibt es einen speziellen Begriff – die Insomnie. Schlafstörungen sowie verschiedene Schlafprobleme solltest du nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Wie erkenne ich eine Schlafstörung?

Dazu muss man zunächst einmal wissen: Nicht jedes Schlafproblem ist eine Schlafstörung. „Viele Menschen haben einen fragilen Schlaf. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man mal besser, mal schlechter schläft“, beruhigt Hans-Günter Weeß, Leiter des Interdisziplinären Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster. Nach seiner Schätzung betrifft dies rund 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland.

Eine medizinisch diagnostizierbare Schlafstörung liegt laut Hans-Günter Weeß dann vor, „wenn an mindestens drei Nächten in der Woche über einen Zeitraum von insgesamt vier Wochen der Schlaf nachts so gestört ist, dass es auch am Tage zu Einschränkungen kommt“. Diese Einschränkungen gehen weit über etwas Müdigkeit, wie man sie eben nach einer schlechten Nacht empfindet, hinaus. Es kann beispielsweise zu Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen sowie Gereiztheit kommen. Auch gesundheitliche Auswirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen sind möglich.

Auf den Punkt gebracht: Wenn du mehr als dreimal pro Woche so schlecht schläfst, dass du deshalb tagsüber Probleme hast, solltest du wachsam sein. Dauert das mehr als einen Monat, solltest du einen Arzt aufsuchen. Da man sich hinsichtlich Häufigkeit und Dauer von Schlafproblemen leicht täuschen kann, lohnt es sich, ein Schlaftagebuch zu führen. So kannst du genau nachvollziehen, wann du wie geschlafen hast.

Gilt eine Schlafstörung als Erkrankung?

Schlafstörungen sind nur ein Oberbegriff für eine ganze Reihe von Erkrankungen. Mediziner unterscheiden dabei zwischen Störungen beim Einschlafen und Durchschlafstörungen. Zu den Erkrankungen die zu Schwierigkeiten beim Einschlafen führen, gehören beispielsweise:

  • Restless Legs Syndrom
  • Borderline Syndrom
  • Depressionen
  • Panikattacken
  • Parasomnien
  • Generell körperliche Schmerzen (welche durch weitere körperliche Erkrankungen verursacht werden)

Auch die Ursachen für Durchschlafstörungen sind sehr unterschiedlich. Dazu gehören beispielsweise:

  • starkes Schnarchen mit Atemaussetzern (Schlafapnoe)
  • nächtlicher Harndrang (Nykturie)
  • Parkinson
  • Epilepsie
  • Verschiedene hormonelle Erkrankungen (Schilddrüsen-, Nieren- und Krebserkrankungen)

Häufigste Ursache für eine Störung des Schlafs: Stress

Die häufigste Ursache für eine Schlafstörung ist allerdings nicht eine Erkrankung, sondern Stress. Dieser ist oft so groß, dass das abendlichen Gedankenkarussell den Schlaf stört und sich eine echte psychische Erkrankung entwickelt. Demnach liegen psychische Ursachen mit 70 Prozent auch auf Platz eins der Ursachen für Schlafstörungen. Leidest du auch unter Probleme beim Einschlafen durch Stress? Hier ein paar Tipps, wie du das Gedankenkarussell stoppen kannst:

  1. Schreibe ein Schlaftagebuch. Das hilft dir vor dem Zubettgehen deine Gedanken zu ordnen.
  2. Praktiziere Yoga. Auch diese Übungen können dir helfen, deine Gedanken vor dem Schlaf zu beruhigen.
  3. Verbessere deine Schlafhygiene. Was das bedeutet, sagt dir unser Artikel über Schlafhygiene.
  4. Suche dir Hilfe. Ein Therapeut kann dir helfen deine Sorgen und Ängste zu bekämpfen.

Neben Stress gibt es noch andere Ursachen für Schlafstörungen (vor allem Durchschlafstörungen), die nicht auf eine Erkrankung zurückzuführen sind. Dazu zählen unter anderem:

Gerade Medikamente sind ein unterschätztes Problem. Viele Betroffene versuchen sich mit Schlafmittel oder ähnlichen Medikamenten selbst zu behandeln. Dies kann fatale Folgen haben. Deswegen gilt: Die Einnahme von Schlafmitteln oder ähnlichen Medikamenten immer mit dem Arzt oder der Ärztin absprechen.

Schlafstörungen – welcher Arzt behandelt sie?

Vermutlich hast du schon von Schlafmedizinern gehört. Das sind logischerweise Ärzte, die sich mit dem Schlaf auseinandersetzen. Was vielleicht nicht jedem klar ist: Die Schlafmedizin ist keine Facharztausbildung, sondern eine Zusatzbezeichnung. Diese wiederum dürfen nur bestimmte Fachärzte führen.

„Die Zusatzbezeichnung Schlafmedizin können Fachärzte für HNO-Heilkunde, Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Allgemeinmedizin und Kinderheilkunde erwerben“, erläutert Joachim Maurer, Leiter der Sektion für Schlafmedizin am Universitätsklinikum Mannheim. „Zum Schlafmediziner sollte man, wenn man entweder ohne Grund nicht schlafen kann, trotz ausreichendem oder viel Schlaf am Tage schläfrig und müde ist oder nachts aufhört zu atmen beziehungsweise laut und unregelmäßig schnarcht.“ Schlafmediziner arbeiten meist in einem Schlaflabor.

Damit deutet Joachim Maurer bereits an, wie vielschichtig die Problematik ist. Insgesamt gibt es 80 verschiedene Arten von Schlafstörungen. Dies erklärt die unterschiedlichen Fachrichtungen, die sich mit Schlafmedizin befassen. Zu den häufigsten diagnostizierbaren Schlafstörungen zählen, wie oben schon erwähnt, Insomnien, Schlafapnoe und das Restless Legs-Syndrom, RLS.

Übrigens: Schlafmittel sind nicht immer die Lösung

Der DAK-Gesundheitsreport zeigt auch eines: Häufig wird sich bei einer Störung des Schlafs mit Schlafmitteln selbst behandelt. Das kann schwere Folgen haben. Denn der unsachgemäße Gebrauch von Schlafmitteln – selbst den frei erhältlichen – kann im schlimmsten Fall zur Abhängigkeit und schweren organischen Schäden führen. Deswegen solltest du Schlafmittel nie ohne das Einverständnis deines behandelnden Arztes oder behandelnden Ärztin zu dir nehmen.

Brauche ich einen Schlafmediziner?

Zunächst einmal nicht. Wenn du deinem Hausarzt vertraust, ist er deine erste Anlaufstelle. Durch viele Fragen wird er oder sie sich deinem speziellen Problem annähern – und das auch ganz ohne zwangsläufig die Zusatzbezeichnung Schlafmedizin zu führen. „Es kann der Arzt helfen, der sich das Problem genau anhört“, gibt sich Holger Hein, Vorsitzender der Norddeutschen Vereinigung für Schlafmedizin (NVSM), überzeugt. Ärzte, die sich mit der Thematik auseinandersetzen und engagiert nach einer Lösung suchen, finden in der Regel auch eine. Die kann auch so aussehen, dass sie ihre Patienten an Spezialisten verweisen. „Die Ärzte müssen sich untereinander austauschen“, betont Holger Hein.

„Schlafapnoe ist zum Beispiel eigentlich ein Fall für HNO-Ärzte und Pneumologen“, so Holger Hein weiter. „Aber auch Neurologen befassen sich damit“, obwohl dies nicht gerade direkt in ihr Fachgebiet fällt. Der richtige Arzt ist derjenige, der für eine Behandlung intensiv Ursachenforschung betreibt und bei dem sich der Patient gut aufgehoben fühlt. Hein: „Letztlich hängt es auch von der Chemie zwischen Arzt und Patient ab.“ Die muss für eine Behandlung stimmen.

Diplom-Psychologe Dr. Hans-Günter Weeß ist als Somnologe im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), leitet die Akademie für Schlafmedizin (AfS) sowie das Interdisziplinäre Schlafzentrum des Pfalzklinikums, doziert an der Hochschule und ist Autor zahlreicher Fachbücher, u. a. von „Schlaf wirkt Wunder“.

Prof. Dr. med. Joachim Maurer leitet die Sektion Schlafmedizin am Universitätsklinikum Mannheim und ist Vorsitzender des Verbandes der Somnologen Baden-Württemberg. Sein Schwerpunkt ist die Behandlung von Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen, die mit den Standardtherapien nicht erfolgreich behandelt werden können. Er ist ein Hauptautor des Buches “Praxis der Schlafmedizin und gehört zu den Top-Ärzten der Focus-Liste für die Themen „Schlafmedizin“, „Schlafchirurgie“ und „Sinusitis“. 

Dr. med. Holger Hein ist Internist, Pneumologe und Schlafmediziner mit einer Facharztpraxis in Reinbek und Schlaflabor in Geesthacht. Er ist Vorsitzender der Norddeutschen Vereinigung für Schlafmedizin, Leiter der Hilfsmittelkommission der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, und CME-Mitherausgeber der Zeitschrift SOMNOLOGIE.

Häufig gestellte Fragen zu „Schlafstörungen – welcher Arzt?“

Welcher Arzt ist zuständig bei Schlafstörungen?

Zuständig ist der Arzt, der sich mit dem Schlafproblem auseinandersetzt. Die kann ein ausgewiesener Schlafmediziner sein, aber auch einfach der Hausarzt. Die Zusatzbezeichnung Schlafmedizin können folgende Fachärzte führen: HNO-Heilkunde, Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Allgemeinmedizin und Kinderheilkunde.

Baby hat Schlafstörungen – welcher Arzt?

Erste Anlaufstelle ist der Kinderarzt, der den Säugling bereits kennt und normalerweise behandelt. Bei schweren Schlafstörungen empfiehlt sich vielleicht zusätzlich der Besuch bei einem Kinderarzt mit Zusatzbezeichnung Schlafmedizin.

Quellen:

Neurologen und Psychiater im Netz: Ursachen von Schlafstörungen.
Gesundheitsinformation: Schlafprobleme und Schlafstörungen (Insomnie).
Patienteninformation: Schlafstörung – Ursache? Was hilft?

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