Schlafprobleme

Schlafstörung: Wie Alkohol den Schlaf gefährden kann

Schlafstörung: Wie Alkohol den Schlaf gefährden kann

Es ist allseits bekannt und richtig, wenn es heißt: Alkohol macht müde. Allerdings wäre als falsch zu behaupten, er würde auch für einen guten Schlaf sorgen. Wie genau Alkohol wirkt und wie er Schlafstörungen hervorrufen kann, zeigt unser Artikel.

Bei Schlafstörungen ist Alkohol keine gute Lösung – er macht zwar müde, beschwert uns aber eine unruhige Nacht.
Alkohol ist sehr gesellig, wirkt sich aber negativ auf die Schlafqualität aus und kann sogar Schlafstörungen begünstigen. Bild: Unsplash

Schlafstörung: Wie Alkohol den Schlaf gefährden kann

Die Aussage, ein Glas Wein am Tag sei gesund, wird oft diskutiert. Studienergebnisse geben darauf keine eindeutig positive Antwort. Es kommt stark auf das Alter der Person, die konsumierte Menge, soziodemographische Gegebenheiten und genetische Eigenschaften an. Eine klarere Antwort gibt es jedoch auf die Frage, ob Alkohol dabei hilft, besser schlafen zu können. Die Antwort ist: nein. Denn Alkohol ist keinesfalls förderlich bei Schlafstörungen. Aber warum nicht, wo man doch nach drei Gläsern Rotwein bleierne Augenlider bekommt?

Alkoholkonsum beschert eine unruhige Nacht

Unser Schlaf lässt sich grob in Non-REM-Phasen und REM-Phasen einteilen. REM ist die Abkürzung der englischen Bezeichnung „Rapid Eye Movement“, zu Deutsch „schnelle Augenbewegungen“. In dieser Phase träumen wir sehr intensiv und unsere Augäpfel bewegen sich unter den geschlossenen Lidern schnell hin und her. Gehen wir ohne Alkoholeinfluss ins Bett, durchläuft der Körper verschiedene Phasen: Einschlafphase, Leichtschlafphase, Tiefschlafphase und REM-Schlafphase. Diese Phasen wechseln sich über die Nacht hinweg immer wieder untereinander ab.

Wie Alkohol Schlafstörungen auslösen kann

Gehen wir aber mit drei oder vier Gläsern Wein ins Bett, verhält es sich etwas anders. „Die sedierende und muskelentspannende Wirkung des Alkohols lässt einen leichter einschlafen, jedoch unterdrückt dieser auch den wichtigen REM-Schlaf und verstärkt Schnarchen und eine obstruktive Schlafapnoe“ erklärt Joachim Maurer, Leiter der Sektion für Schlafmedizin am Universitätsklinikum Mannheim und Vorsitzender des Verbandes der Somnologen Baden-Württemberg. Wer also beschwipst ins Bett geht, schläft zwar schneller ein, aber nicht erholsam durch. Die Folgen, die Joachim Maurer, aber auch andere Forscher beschreiben, bestätigen das. 

Bei einer obstruktiven Schlafapnoe kommt es im Schlaf gehäuft zu Atemaussetzern und einer Verringerung des Luftaustausches. Das hat häufig unregelmäßiges und lautes Schnarchen zur Folge und lässt uns weniger ausgeruht aufwachen. Weniger Ruhe finden wir auch, wenn sich durch den Alkohol die REM-Schlafphasen verkürzen. Dies kann am nächsten Tag zu Konzentrations- und Gedächtnisschwächen führen. 

Außerdem sorgt Alkohol dafür, dass sich die Schlafphasen in der zweiten Nachthälfte häufiger abwechseln und wir öfter wach werden, wenn auch nur kurz. „Zusätzlich regt Alkohol die Urinproduktion an, sodass man (in der zweiten Nachthälfte) schlechter schläft und häufiger auf die Toilette muss“, so Joachim Maurer. Wird Alkohol regelmäßiger und in größeren Mengen konsumiert, kann es zu ernstzunehmenden Schlafstörungen kommen, da der Körper im Schlaf bestimmte Entzugserscheinungen durchlebt. Neben Alkohol können übrigens auch diese Lebensmittel Schlafstörungen verursachen.

Frauen sind stärker betroffen als Männer

Die schädlichen Auswirkungen von Alkohol auf den Schlaf sind bei Frauen sogar noch stärker ausgeprägt als bei Männern. Der Grund dafür ist derselbe, der auch dafür sorgt, dass Frauen im Schnitt schneller betrunken werden als Männer. Die Blutalkoholkonzentration ist bei gleicher Menge Alkohol im weiblichen Körper um ein Fünftel höher als im männlichen. Das erklärt sich durch einen höheren Fettgehalt und geringere Körperflüssigkeit, die Frauen für die Verarbeitung zur Verfügung stehen. Demnach braucht der weibliche Körper auch länger zum Abbau des Alkohols. 

Was, wenn ich nach Alkoholkonsum nicht schlafen kann?

Du liegst nachts wach und kannst nicht schlafen? Dein Körper beginnt den Alkohol abzubauen. Du musst häufiger zur Toilette, wälzt dich hin und her, fühlst dich müde, kannst aber nicht schlafen. Wenn du nun nach Müdemachern suchst, gibt es ein klares No-Go, das du vermeiden solltest. „Auf keinen Fall noch Schlafmittel dazu nehmen!“, warnt Professor Maurer. Durch den Alkohol kann sich die Wirkung der beruhigenden Medizin gefährlich verstärken. „Besser ist es, viel Wasser zu trinken, um die negativen Effekte des Alkohols abzumildern.“ Zur Vorbeugung – und vor allem, wenn bereits Schlafstörungen bekannt sind – empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vier bis sechs Stunden vor dem Schlafengehen keinen Alkohol mehr zu trinken. Außerdem können in diesem Fall auch bewährte Hausmittel zum Einschlafen Abhilfe schaffen.

Alkohol sollte demnach nie zum Einschlafen oder als Einschlafhilfe genutzt werden, da man lediglich zum Beginn der Nacht etwas davon hat. Spätestens ab der zweiten Nachthälfte kehrt sich die beruhigende und entspannende Wirkung in das Gegenteil um und beschert unruhige Stunden und einen zerstreuten Morgen. 

Prof. Dr. med. Joachim Maurer leitet die Sektion Schlafmedizin am Universitätsklinikum Mannheim und ist Vorsitzender des Verbandes der Somnologen Baden-Württemberg. Sein Schwerpunkt ist die Behandlung von Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen, die mit den Standardtherapien nicht erfolgreich behandelt werden können. Er ist ein Hauptautor des Buches “Praxis der Schlafmedizin und gehört zu den Top-Ärzten der Focus-Liste für die Themen „Schlafmedizin“, „Schlafchirurgie“ und „Sinusitis“. 

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