Schlafprobleme

Schlafstörungen – welcher Arzt kann dir helfen?

Schlafstörungen – welcher Arzt kann dir helfen?

Eine Schlafstörung ist eine echte Gefahr für deine Gesundheit. Wenn du darunter leidest oder den Verdacht hast, solltest du professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Doch wo genau suchst du Rat bei Schlafstörungen – welcher Arzt kann in diesem Fall helfen? Dein Hausarzt, aber auch verschiedene Fachärzte.

Um Schlafstörungen in den Griff zu bekommen, ist professionelle Hilfe vom Arzt oder einer Ärztin manchmal unumgänglich.
Um Schlafstörungen in den Griff zu bekommen, ist professionelle Hilfe vom Arzt oder einer Ärztin manchmal unumgänglich. Bild: Pexels

Wie erkennst du eine Schlafstörung?

Dazu muss man zunächst einmal wissen: Nicht jedes Schlafproblem ist eine Schlafstörung. „Viele Menschen haben einen fragilen Schlaf. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man mal besser, mal schlechter schläft“, beruhigt Hans-Günter Weeß, Leiter des Interdisziplinären Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster. Nach seiner Schätzung betrifft dies rund 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland.

Eine medizinisch diagnostizierbare Schlafstörung liegt laut Hans-Günter Weeß dann vor, „wenn an mindestens drei Nächten in der Woche über einen Zeitraum von insgesamt vier Wochen der Schlaf nachts so gestört ist, dass es auch am Tage zu Einschränkungen kommt“. Diese Einschränkungen gehen weit über etwas Müdigkeit, wie man sie eben nach einer schlechten Nacht empfindet, hinaus. Es kann beispielsweise zu Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen sowie Gereiztheit kommen. Auch gesundheitliche Auswirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen sind möglich.

Auf den Punkt gebracht: Wenn du mehr als dreimal pro Woche so schlecht schläfst, dass du deshalb tagsüber Probleme hast, solltest du wachsam sein. Dauert das mehr als einen Monat, solltest du einen Arzt aufsuchen. Da man sich hinsichtlich Häufigkeit und Dauer von Schlafproblemen leicht täuschen kann, lohnt es sich, ein Schlaftagebuch zu führen. So kannst du genau nachvollziehen, wann du wie geschlafen hast.

Schlafstörungen – welcher Arzt behandelt sie?

Vermutlich hast du schon von Schlafmedizinern gehört. Das sind logischerweise Ärzte, die sich mit dem Schlaf auseinandersetzen. Was vielleicht nicht jedem klar ist: Die Schlafmedizin ist keine Facharztausbildung, sondern eine Zusatzbezeichnung. Diese wiederum dürfen nur bestimmte Fachärzte führen.

„Die Zusatzbezeichnung Schlafmedizin können Fachärzte für HNO-Heilkunde, Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Allgemeinmedizin und Kinderheilkunde erwerben“, erläutert Joachim Maurer, Leiter der Sektion für Schlafmedizin am Universitätsklinikum Mannheim. „Zum Schlafmediziner sollte man, wenn man entweder ohne Grund nicht schlafen kann, trotz ausreichendem oder viel Schlaf am Tage schläfrig und müde ist oder nachts aufhört zu atmen beziehungsweise laut und unregelmäßig schnarcht.“

Damit deutet Joachim Maurer bereits an, wie vielschichtig die Problematik ist. Insgesamt gibt es 80 verschiedene Arten von Schlafstörungen. Dies erklärt die unterschiedlichen Fachrichtungen, die sich mit Schlafmedizin befassen. Zu den häufigsten diagnostizierbaren Schlafstörungen zählen Insomnien, Schlafapnoe und Restless Legs-Syndrom, RLS.

Brauche ich einen Schlafmediziner?

Zunächst einmal nicht. Wenn du deinem Hausarzt vertraust, ist er deine erste Anlaufstelle. Durch viele Fragen wird er oder sie sich deinem speziellen Problem annähern – und das auch ganz ohne zwangsläufig die Zusatzbezeichnung Schlafmedizin zu führen. „Es kann der Arzt helfen, der sich das Problem genau anhört“, gibt sich Holger Hein, Vorsitzender der Norddeutschen Vereinigung für Schlafmedizin (NVSM), überzeugt. Ärzte, die sich mit der Thematik auseinandersetzen und engagiert nach einer Lösung suchen, finden in der Regel auch eine. Die kann auch so aussehen, dass sie ihre Patienten an Spezialisten verweisen. „Die Ärzte müssen sich untereinander austauschen“, betont Holger Hein.

„Schlafapnoe ist zum Beispiel eigentlich ein Fall für HNO-Ärzte und Pneumologen“, so Holger Hein weiter. „Aber auch Neurologen befassen sich damit“, obwohl dies nicht gerade direkt in ihr Fachgebiet fällt. Der richtige Arzt ist derjenige, der intensiv Ursachenforschung betreibt und bei dem sich der Patient gut aufgehoben fühlt. Hein: „Letztlich hängt es auch von der Chemie zwischen Arzt und Patient ab.“ Die muss stimmen.

Diplom-Psychologe Dr. Hans-Günter Weeß ist als Somnologe im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), leitet die Akademie für Schlafmedizin (AfS) sowie das Interdisziplinäre Schlafzentrum des Pfalzklinikums, doziert an der Hochschule und ist Autor zahlreicher Fachbücher, u. a. von „Schlaf wirkt Wunder“.

Prof. Dr. med. Joachim Maurer leitet die Sektion Schlafmedizin am Universitätsklinikum Mannheim und ist Vorsitzender des Verbandes der Somnologen Baden-Württemberg. Sein Schwerpunkt ist die Behandlung von Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen, die mit den Standardtherapien nicht erfolgreich behandelt werden können. Er ist ein Hauptautor des Buches “Praxis der Schlafmedizin und gehört zu den Top-Ärzten der Focus-Liste für die Themen „Schlafmedizin“, „Schlafchirurgie“ und „Sinusitis“. 

Dr. med. Holger Hein ist Internist, Pneumologe und Schlafmediziner mit einer Facharztpraxis in Reinbek und Schlaflabor in Geesthacht. Er ist Vorsitzender der Norddeutschen Vereinigung für Schlafmedizin, Leiter der Hilfsmittelkommission der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, und CME-Mitherausgeber der Zeitschrift SOMNOLOGIE.

Häufig gestellte Fragen zu „Schlafstörungen – welcher Arzt?“

Welcher Arzt ist zuständig bei Schlafstörungen?

Zuständig ist der Arzt, der sich mit dem Schlafproblem auseinandersetzt. Die kann ein ausgewiesener Schlafmediziner sein, aber auch einfach der Hausarzt. Die Zusatzbezeichnung Schlafmedizin können folgende Fachärzte führen: HNO-Heilkunde, Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Allgemeinmedizin und Kinderheilkunde.

Baby hat Schlafstörungen – welcher Arzt?

Erste Anlaufstelle ist der Kinderarzt, der den Säugling bereits kennt und normalerweise behandelt. Bei schweren Schlafstörungen empfiehlt sich vielleicht zusätzlich der Besuch bei einem Kinderarzt mit Zusatzbezeichnung Schlafmedizin.

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