Schlafprobleme

Schlafparalyse: Ursachen und Hintergründe

Schlafparalyse: Ursachen und Hintergründe

Wenn du schon einmal eine Schlafparalyse hattest, fragst du dich vermutlich, was die Ursachen dafür sein könnten. Einer der möglichen Gründe kann zu wenig Schlaf sein. Aber auch eine vererbte Veranlagung gilt als Auslöser. In unserem Artikel erfährst du mehr.

Schlafparalyse: Frau liegt bewegungslos im Bett
Bei einer Schlafparalyse hilft es, die Ursachen zu kennen. Bild: iStock

Wer bei einer Schlafparalyse (auch Schlaflähmung genannt) nicht weiß, was da genau passiert, erlebt in dieser kurzen Zeit wahrscheinlich die schrecklichsten Sekunden seines Lebens: Du bist zwar wach, kannst dich aber kein bisschen bewegen und hast unter Umständen noch Halluzinationen dazu.

Diese sind allerdings keine wirklichen Halluzinationen, wie du in unserem Schlaflexikon unter Schlafparalyse nachlesen kannst. Angst machen sie aber trotzdem. Wir haben mit Prof. Dr. med. Geert Mayer, Leiter des Schlafzentrums der Hephata-Klinik in Schwalmstadt-Treysa, gesprochen.

Schlafparalyse: Ursachen auf der Spur

Woran liegt es genau, wenn du eine Schlaflähmung bekommst? Geert Mayer verrät uns im Interview die möglichen Ursachen.

Vererbung

In manchen Familien gibt es eine vererbbare Schlafparalyse, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Und zwar auch ohne, dass dies in Verbindung mit einer Narkolepsie steht.

Narkolepsie

Bei einer Narkolepsie geraten aus Mangel an einem bestimmten Botenstoff die Wach- und Schlafphasen durcheinander. Die Folge davon ist neben Kataplexien (eine plötzlich auftretende Störung des Muskeltonus) eine ausgeprägte Tagesschläfrigkeit, in schweren Fällen bis zu unerwünschtem Einschlafen.

Eine häufige Begleiterscheinung dieser Schlafkrankheit sind Schlafparalysen. Im Gegensatz zu gesunden Menschen können Narkolepsie-Patienten eine Schlaflähmung sehr häufig erleben. Mehr zu dieser Erkrankung liest du unter Wie erkennt man die Schlafkrankheit Narkolepsie?

Schlafdefizit

Eine der möglichen Schlafparalyse-Ursachen bei gesunden Menschen, die nicht erblich vorbelastet sind, ist ein starkes Schlafdefizit. Das liegt vor, „wenn wir mehrere Nächte sehr schlecht schlafen oder deutlich weniger als normalerweise, vielleicht nur jeweils zwei, drei Stunden“, so Geert Mayer.

Da ein Schlafdefizit oft mit stressbelasteten Situationen oder Lebensphasen einhergeht, werden diese mitunter als Ursache für eine Schlafparalyse genannt. Das ist jedoch nicht ganz korrekt. Geert Mayer: „Man kann nicht sagen, dass Stress primär eine Schlafparalyse auslöst.“

Dies geschieht nur, wenn die belastende Situation dazu führt, dass du nicht zur Ruhe kommst und dadurch ein Schlafdefizit aufbaust. Stress ist damit allenfalls eine indirekte Ursache. Ähnlich verhält es sich mit Drogen- und Medikamentenmissbrauch.

Bei einer Schlafparalyse hilft Wissen

Es ist ein vergleichbares Gefühl der Hilflosigkeit wie beim Hyperventilieren. Beim ersten Mal fühlst du dich, als hätte dein letztes Stündlein geschlagen und du würdest ersticken. Wenn du dich bereits etwas auskennst, weißt du, dass du heil aus der Sache rauskommen wirst. Dadurch entspannst du, der Anfall endet früher.

Hintergrundwissen hilft auch bei einer Schlaflähmung. Dabei handelt es sich nämlich um eine Schlafstörung – eine sogenannte Parasomnie. Sie wirkt sich aber in der Regel nicht schädlich aus und dauert meistens nur etwa 30 Sekunden, in seltenen Fällen bis maximal fünf Minuten. „Das kann subjektiv erlebt allerdings extrem lang sein“, wie Geert Mayer, Leiter des Schlafzentrums der Hephata-Klinik in Schwalmstadt-Treysa, erläutert.

Weißt du, dass sich hinter der Schlafparalyse ein an sich harmloses Phänomen verbirgt, geht sie glimpflicher vonstatten. „Denn es sorgt ja diese Panik, die damit verbunden ist, dafür, dass man sich reinsteigert“, so Geert Mayer. Wer hingegen gelassen bleibt, wartet einfach ab, bis sich die Lähmung wieder löst.

Die Krux daran ist nur, dass man sich im Normalfall erst darüber informiert, wenn man bereits eine Schlafparalyse hatte. Da gesunden Menschen dieses Phänomen jedoch häufig nur ein einziges Mal widerfährt, kommt dieses hilfreiche Wissen meistens verspätet.

Achte auf deine Schlafposition

Sie ist zwar an sich kein Auslöser, aber auch die Schlafposition kann eine Schlaflähmung begünstigen. „Am häufigsten treten solche Schlaflähmungen in Rückenlage auf“, verrät Geert Mayer. Der genaue Zusammenhang zwischen dieser Liegeposition und dem Auftreten von Schlafparalysen ist allerdings bislang noch nicht erforscht.

Betroffene mit regelmäßigen Schlaflähmungen können unter Umständen die Häufigkeit reduzieren, indem sie die Rückenlage vermeiden. Wer allerdings keine Veranlagung zu Schlafparalysen hat, bekommt auch keine, nur weil er auf dem Rücken liegt. Es gibt viel mehr Rückenschläfer als Menschen, die von Schlafparalysen betroffen sind. Wenn du also gerne in Rückenlage schläfst und keinerlei Probleme hast, gibt es für dich keinen Grund, auf eine andere Schlafposition umzustellen.

Prof. Dr. med. Geert Mayer ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie mit der Zusatzbezeichnung Schlafmedizin. Er leitet das Schlafzentrum der Hephata-Klinik in Schwalmstadt-Treysa.

Quelle: „Sleep Paralysis, a Medical Condition with a Diverse Cultural Interpretation“ in NCBI, US National Library of Medicine: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6082011/

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