Schlafprobleme

Das hilft beim Restless Legs Syndrom

Das hilft beim Restless Legs Syndrom

Die Beine kribbeln oder schmerzen und Linderung schafft nur Bewegung. Kennst du das auch? Dann leidest du vielleicht am Restless Legs Syndrom (RLS). Das zählt nach Insomnie, Hypersomnie und schlafbezogenen Atmungsstörungen zu den häufigsten Schlafstörungen. Unsere Expertin erklärt, was dahintersteckt und welche Behandlungen möglich sind.

Du verspürst ein Kribbeln oder Schmerzen in den Beinen? Dahinter könnte das Restless Legs Syndrom stecken.
Du verspürst ein Kribbeln oder Schmerzen in den Beinen? Dahinter könnte das Restless Legs Syndrom stecken. Bild: Unsplash

Die „unruhigen Beine“ sind keine moderne Erscheinung, sondern finden sich in der Medizingeschichte bereits seit Mitte des 17. Jahrhunderts – wenn auch unter anderen Namen. Seit 1945 ist die Bezeichnung Restless Legs Syndrom üblich, die auf den schwedischen Neurologen Karl-Axel Ekbom zurückgeht. Solltest du einmal etwas von Wittmaack-Ekbom-Syndrom oder Willis-Ekbom-Syndrom hören, geht es ebenfalls um RLS.

Restless Legs Syndrom – Symptome und Häufigkeit

„Die Patienten und Patientinnen klagen über einem Bewegungsdrang vor allem in den Beinen, der im Sitzen oder Liegen und am Anfang gegen Abend oder nachts auftritt“, erläutert die Neurologin und Schlafmedizinerin Lucia Muntean. „Kribbeln, Schmerzen oder ein brennendes Gefühl in den Beinen begleiten die Patienten. Die Missempfindungen in den Beinen werden von Patienten unterschiedlich empfunden und beschrieben.“

Da eben jeder mit RLS-Beschwerden diese etwas anders wahrnimmt, ist das Krankheitsbild für Nicht-Betroffene nicht immer leicht vollziehbar. Und auch für Menschen, die sich fragen, ob sie eventuell selbst daran leiden. Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, denn laut der Deutschen Restless Legs Vereinigung plagen sich in den westlichen Industrieländern zwischen sieben und zehn Prozent der Bevölkerung mit RLS herum. Damit ist dieses Syndrom genauso weit verbreitet wie Migräne, nur nicht so bekannt. Meistens tritt RLS erstmals in der Lebensmitte auf, kann aber auch schon bei wesentlich jüngeren Menschen erscheinen. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Woran erkennst du, ob du selbst RLS hast?

Die oben geschilderten Symptome kennen viele Menschen aus eigener Erfahrung. Es kribbeln schon mal die Beine – auf einer langen nächtlichen Autofahrt oder abends im Kino. Deshalb alleine hast du aber noch kein Restless Legs Syndrom, das sich übrigens auch noch auf andere Körperteile erstrecken kann. Wenn du nur in sehr großen Abständen unruhige Beine hast, brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Treten häufiger Beschwerden auf, solltest du einen Arzt aufsuchen.

Zur besseren Orientierung bietet die Deutsche Restless Legs Vereinigung auf ihrer Seite einen Selbsttest an. Der gibt dir zwar keine Sicherheit, ob du wirklich RLS hast, stellt aber wichtige Fragen, die du bei einem Arztbesuch ohnehin beantworten musst.

Welche Ursachen hat das Restless Legs Syndrom?

„Die Ursache des Restless Legs Syndroms ist trotz intensiver Forschung nicht endgültig geklärt“, sagt Lucia Muntean. „Es ist eine multifaktorielle Erkrankung, wo die genetische Prädisposition, Eisenmetabolismus, Dopamin und Hypoxie eine Rolle spielen.“ Zudem kann RLS in Verbindung mit anderen Krankheiten auftreten, wie die Neurologin weiter ausführt: „Die häufigen Erkrankungen, wo ein RLS vorhanden sein kann sind: Eisenmangelanämie, chronische Niereninsuffizienz im fortgeschrittenen Stadium und Polyneuropathien.“

Mögliche Ursache für ein RLS kann auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten wie beispielsweise SSRI oder Antipsychotika sein. „Ebenso tritt RLS häufig bei schwangeren Frauen, vor allem im dritten Trimenon auf“, so Lucia Muntean.

Ab wann solltest du zum Arzt?

Meistens gibt der Leidensdruck vor, wann es höchste Zeit ist, zum Arzt zu gehen. Du solltest es allerdings nicht allzu sehr hinauszögern. Wenn du merkst, dass dich die Beschwerden in deiner Lebensqualität einschränken, solltest du dir professionelle Hilfe suchen. Das heißt, wenn du kaum noch schlafen kannst, depressive Verstimmungen hast oder aus Angst vor RLS-Symptomen beispielsweise nicht mehr ins Kino gehst, ist es bereits sehr dringend.

Wenn du vorher noch bei keinem Spezialisten warst, gehst du am besten zu deinem Hausarzt. Er verweist dich dann an einen Neurologen, der Erfahrung mit dem Restless Legs Syndrom hat.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Anhand der Symptome beurteilt der Arzt, ob du wirklich an einem Restless Legs Syndrom leidest oder nur ähnliche Beschwerden hast. Lucia Muntean führt die fünf diagnostischen Hauptkriterien an, die erfüllt werden müssen:

  • Die Patienten/Patientinnen leiden an Bewegungsdrang in den Beinen (manchmal auch in den Armen), oft in Verbindung mit Missempfindungen.
  • Die Beschwerden treten in Ruhe (zum Beispiel im Liegen oder Sitzen) auf oder verschlimmern ich zumindest in Ruhesituationen.
  • Die Beschwerden bessern sich oder sistieren durch Bewegung.
  • Die Beschwerden nehmen abends und nachts zu.
  • Die Beschwerden können nicht alleine durch andere Erkrankungen erklärt werden.

Nur, wenn also alle Punkte auf dich zutreffen, hast du eventuell ein Restless Legs Syndrom. „In einigen Fällen ist auch eine Untersuchung im Schlaflabor notwendig, zum Beispiel wenn die Symptome atypisch sind oder wenn andere zusätzliche Schlafstörungen (zum Beispiel Schlafapnoe) vermutet werden“, ergänzt Lucia Muntean.

Manchmal kommen weitere Untersuchungen hinzu, um begleitende Krankheiten auszuschließen oder zu bestätigen. Und gar nicht so selten kommt es vor, dass Ärzte, die kaum Erfahrung mit RLS haben, dies nicht diagnostizieren. „Durchblutungsstörung“ lautet dann oft der Befund.

Wie wird das Restless Legs Syndrom behandelt?

Die schlechte Nachricht zuerst: Das Restless Legs Syndrom ist nicht heilbar. Rühren deine Beschwerden nicht von einer anderen Krankheit her, sondern allein vom RLS, musst du mit dem Restless Legs Syndrom leben. Doch jetzt die gute Nachricht: Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, wie sich die Beschwerden durch das RLS lindern lassen. Generell stehen nichtmedikamentöse und medikamentöse Therapien zur Verfügung.

„Vor Beginn einer pharmakologischen, spezifischen Behandlung ist es wichtig, Faktoren auszuschließen, die die RLS-Beschwerden verschlimmern könnten“, betont Lucia Muntean. Das bedeutet, dass du auf Koffein, Alkohol und Nikotin verzichten und Stress möglichst vermeiden solltest. Bei leichteren Beschwerden kann es bereits sehr hilfreich sein, diese Genussmittel wegzulassen und Entspannungstechniken anzuwenden. Als nichtmedikamentöse Therapien kommen unter anderem sportliche Aktivitäten, pneumatische Kompressionsverfahren und Massagen in unterschiedlichen Formen infrage.

Schwerere Fälle erfordern häufig eine medikamentöse Therapie. Zum Einsatz kommen dabei: Eisensubstitution (bei niedrigem Eisenspeicher), Dopaminagonisten, Levodopa, Alpha-2-Delta-Liganden (Pregabalin, Gabapentin) und Opiate. „Die Dosis der Medikation sollte so niedrig wie möglich sein und die für RLS zugelassene Dosierung nicht überschreiten, um das Risiko einer Augmentation zu minimieren“, warnt Lucia Muntean.

Augmentation bedeutet im Zusammenhang einer RLS-Behandlung, dass sich die Beschwerden verschlimmern, obwohl die Medikamentendosis erhöht wird. Bei Neurologen mit viel Erfahrung in der Therapie von RLS ist diese Gefahr jedoch relativ gering.

Dr. med. Lucia Muntean ist Fachärztin für Neurologie und Schlafmedizin und leitet als Oberärztin das Schlaflabor an der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel.

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