Schlafprobleme

Optimale Schlafdauer: Wie viel Schlaf ist zu wenig?

Optimale Schlafdauer: Wie viel Schlaf ist zu wenig?

Ausreichend schlafen spielt eine entscheidende Rolle für unsere Gesundheit. Doch wie viel Schlaf brauchen wir genau? Studien belegen, dass die optimale Schlafdauer für Erwachsene zwischen sechs und acht Stunden liegt. Doch trifft das wirklich auf alle zu?

Die optimale Schlafdauer beträgt zwischen sechs und acht Stunden. Doch trifft das auch auf alle zu? Bild: Pexels

Wer genügend schläft, ist leistungsfähiger und besser gelaunt als Mitmenschen mit Schlafmangel. Letztere laufen auch viel höherer Gefahr, einen Unfall zu verursachen. Dass dem so ist, leugnet wohl kaum jemand. Doch wie lang ist die optimale Schlafdauer?

Wie viel schläft Deutschland?

Die meisten Menschen in Deutschland leben zumindest unter der Woche nach einem festen Rhythmus. Damit kommen sie nicht nur zu einer weitgehend gleichbleibenden Schlafdauer, sondern auch zu regelmäßigen Bettgeh- und Aufstehzeiten. Das bestätigt die Studie Schlaf gut, Deutschland der Techniker Krankenkasse (TK) von 2017.

Da nicht jeder sofort einschläft, sobald er im Bett liegt, ermittelte die TK auch die tatsächliche Schlafdauer: Ein Drittel der Studienteilnehmer (32 Prozent) gab sieben Stunden an, 28 Prozent kommen auf sechs Stunden. 24 Prozent schlafen weniger als sechs Stunden, 16 Prozent mindestens acht Stunden, davon zwei Prozent sogar neun Stunden und mehr.

Wie lange sollte man schlafen?

60 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen schlafen laut der TK-Studie also zwischen sechs und acht Stunden. Damit liegen sie in dem Bereich, den Schlafforscher als gesunde Schlafdauer ansehen.

Belegt wird dies eindrucksvoll durch die Mammutstudie PURE (Prospective Urban Rural Epidemiology) aus dem Jahr 2018 mit 116 632 Teilnehmern aus 21 Ländern unter Federführung der Universität im kanadischen Hamilton.

Wie das European Heart Journal aus PURE zitiert, birgt eine Schlafdauer zwischen sechs und acht Stunden die geringste Gefahr, frühzeitig zu sterben oder an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu leiden.

Optimale Schlafdauer ist individuell

Holger Hein, Internist und Vorsitzender der Norddeutschen Vereinigung für Schlafmedizin, ist skeptisch bei allgemeinen Stundenvorgaben. „Entscheidend ist das individuelle Schlafbedürfnis“, betont er. „Statistik hilft nicht bei Schlafproblemen. Der Betroffene will nicht wissen, wie lange schläft die Mehrheit?“ Er sucht vielmehr nach einer für sich passenden Lösung, die berücksichtigt, ob er eher ein Früh- oder Spättyp ist. „Es geht darum, das individuelle Schlafbedürfnis zu ermitteln“, führt Holger Hein weiter aus. „Man muss unbedingt immer den Einzelfall ansehen.“

Was passiert bei zu wenig Schlaf?

Wer für seine individuellen Bedürfnisse dauerhaft zu wenig schläft, erhöht sein Risiko für Unfälle, Herzinfarkt und -insuffizienz, Schlaganfall, Diabetes und verschiedene Infekte. Zudem macht uns Schlafmangel insgesamt unausgeglichen und kann zu ernsthaften psychischen Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen führen.

Dr. med. Holger Hein ist Internist, Pneumologe und Schlafmediziner mit einer Facharztpraxis in Reinbek und Schlaflabor in Geesthacht. Er ist Vorsitzender der Norddeutschen Vereinigung für Schlafmedizin, Leiter der Hilfsmittelkommission der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, und CME-Mitherausgeber der Zeitschrift SOMNOLOGIE.

Quellen:

Studie Schlaf gut, Deutschland der Techniker Krankenkasse

Studie PURE (Prospective Urban Rural Epidemiology) im European Heart Journal

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