Schlafprobleme

Wie erkennt man die Schlafkrankheit Narkolepsie?

Wie erkennt man die Schlafkrankheit Narkolepsie?

Nicht jeder, der sich tagsüber oft sehr müde fühlt und sogar hin und wieder einnickt, leidet an Narkolepsie. Tatsächlich kommt diese Schlafkrankheit relativ selten vor. Hegst du aber den Verdacht, dass du davon betroffen bist, solltest du mehr darüber erfahren. Was ist Narkolepsie? Woher kommt diese Erkrankung und wie wird sie behandelt?

Einfach nur müde oder steckt doch die Schlafkrankheit Narkolepsie dahinter? Diese Symptome geben Aufschluss. Bild: Pexels

Was ist Narkolepsie?

Umgangssprachlich nennt man die Narkolepsie auch häufig „Schlafkrankheit“. Das kann allerdings zu Verwechslungen mit der Schlafkrankheit (Trypanosomiasis) führen, die durch die Tsetsefliege übertragen wird. Besser ausgedrückt daher: Die Narkolepsie ist eine bestimmte Art von Schlafkrankheit.

Bei Narkolepsie entsteht ein Mangel an dem Botenstoff Orexin. Dieser regelt unsere Wach- und Schlafphasen. Wenn dieser Botenstoff nicht ausreichend vorhanden ist, kommt er seiner Aufgabe nur schlecht nach. Dies führt zu einer ausgeprägten Tageschläfrigkeit.

Zu einer Narkolepsie kommt es aufgrund einer genetischen Veranlagung, aber auch als Folge einer Erkrankung wie einem Gehirntumor. Allerdings entwickelt nicht jeder, der in dieser Hinsicht erblich vorbelastet ist, tatsächlich eine Narkolepsie.

Wann tritt die Narkolepsie auf?

„Die Krankheit kann praktisch in jedem Alter neu auftreten“, informiert Ulf Kallweit, Leiter des Zentrums für Narkolepsie, Hypersomnien und Tagesschläfrigkeit. „Bei der großen Mehrzahl der Erkrankten zeigen sich jedoch die ersten Symptome im Jugendalter, zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr.“ Erste Symptome sind eine starke Einschlafneigung und ein erhöhtes Schlafbedürfnis.

Wie erkennst du, ob du an Narkolepsie leidest?

Wenn es nachvollziehbare Gründe gibt, dass du an manchen Tagen sehr müde bist, brauchst du dir in der Regel keine Gedanken zu machen. Die Nacht durchgefeiert oder wegen der bevorstehenden Prüfung lange nicht eingeschlafen – alles Erklärung genug für Müdigkeit am folgenden Tag.

Wenn diese Tagesschläfrigkeit jedoch ohne ersichtliche Veranlassung täglich auftritt und schwer ausgeprägt ist, solltest du wachsam werden und im Zweifelsfall zum Arzt gehen. „Das Schlafbedürfnis ist ,unwiderstehlich‘ und oftmals kommt es auch zu ungewolltem Einschlafen in inadäquaten Situationen, zum Beispiel im Gespräch“, beschreibt Ulf Kallweit die Symptome.

Verlust von Muskelspannung

Unverkennbarer Hinweis auf eine Narkolepsie sind sogenannte Kataplexien. „Hierbei kommt es zu einem plötzlichen Verlust oder einer Schwäche der Muskulatur, ausgelöst durch eine Emotion“, erläutert Ulf Kallweit. „Beispielsweise führt herzhaftes Lachen zu einem Herabsinken des Kopfes, weichen Knien und gegebenenfalls auch einem Sturz, weil die Muskeln versagen.“

Diese Schwächephasen sind laut Ulf Kallweit nur sehr kurz, dauern einige Sekunden bis zu wenigen Minuten – das Ganze bei vollem Bewusstsein.

Wenn du also mitten in einem Gespräch plötzlich zusammensackst ohne etwas dagegen tun zu können, liegt die Vermutung einer Narkolepsie sehr nahe. Dieser kurzzeitige Verlust der Muskelspannung ist nämlich sehr typisch. Die Narkolepsie mit Kataplexien ist die häufigste Form der Narkolepsie.

Wie erfolgt die Diagnose?

Wenn bei dir Verdacht auf Narkolepsie besteht, wird man dir viele Fragen zu Vorerkrankungen, Schlafverhalten und Lebensumständen stellen. Ergänzend zu dieser Anamneseerhebung nehmen die Ärzte verschiedene Untersuchungen im Schlaflabor vor. „Hierbei spielt vor allem die Tagesuntersuchung, der sogenannte MSLT, mit Messung der Einschlafneigung eine wichtige Rolle“, erläutert Ulf Kallweit.

„Eine Nervenwasseruntersuchung kann in manchen Fällen erforderlich sein, um den Botenstoff Orexin zu messen“, so Kallweit. „Natürlich müssen auch andere Ursachen für die Beschwerden durch Blutuntersuchungen, MRT und so weiter ausgeschlossen werden.“

Wie wird Narkolepsie behandelt?

Als Grundlage der Behandlung üben Narkolepsie-Patientinnen und Patienten bestimmte Verhaltensmaßnahmen ein, wie beispielsweise die Einplanung von Tagesschlafzeiten. Auf diese Weise lässt sich in manchen Fällen überraschenden Schlaf-Anfällen vorbeugen.

Zudem gibt es nach Angaben von Ulf Kallweit verschiedene Behandlungsmöglichkeiten mit Medikamenten, die vor allem die Hauptsymptome der Erkrankung – Tagesschläfrigkeit und Kataplexien – verbessern. „Sehr aktuell haben wir auf europäischer Ebene neue Leitlinien zur Behandlung der Erkrankung herausgebracht“, sagt Ulf Kallweit. Weitere neue Medikamente befänden sich aktuell in klinischen Studien. „Hierbei spielen vor allem Medikamente eine wichtige Rolle, die das bei Narkolepsie fehlende Orexin ersetzen. Erste Ergebnisse waren sehr vielversprechend.“

Prof. PD Dr. Ulf Kallweit ist Facharzt für Neurologie sowie Leiter des Zentrums für Narkolepsie, Hypersomnien und Tagesschläfrigkeit an der Universität Witten/Herdecke.

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