Schlafprobleme

Nachtschreck oder Albtraum? So erkennst du den Unterschied

Nachtschreck oder Albtraum? So erkennst du den Unterschied

Nachtschreck und Albträume werden häufig als ein und dasselbe Phänomen angesehen – dabei
handelt es sich um zwei völlig unterschiedliche Erscheinungen. Woran du die Unterschiede
erkennst, warum sie auftreten und wie du sie verhindern kannst, erfährt du in unserem Artikel. 

Albträume und Nachtangst weisen einige Gemeinsamkeiten auf, sind jedoch unterschiedliche Sachverhalte. Bild: iStock

Albträume sind unheilvolle und beunruhigende Träume, die häufig mit negativen Gefühlen wie Angst, Wut, Ekel oder Furcht verbunden sind. Auch wenn ein Nachtschreck wie ein besonders schlimmer Traum auftritt, handelt es sich bei diesem Phänomen tatsächlich um eine Schlafstörung, die in ihrem weiteren Verlauf deutlich dramatischer wirkt. Diese nächtlichen Angstzustände gehen in der Regel mit extremem Stress einher und können sehr beängstigend sein – auch für anwesende Schlafpartner.

Obwohl sich Albträume und Nachtangst ähneln, handelt es sich um zwei völlig verschiedene Sachverhalte. Wie du den Unterschied erkennen kannst und welche Ursachen maßgebend sind, erklären wir in diesem Artikel.

Was ist ein Nachtschreck? 

Ein Nachtschreck, auch als Pavor Nocturnus, Schlafterror oder Nachtangst bezeichnet, mag auf den
ersten Blick wie ein Albtraum erscheinen, ist aber in der Regel wesentlich intensiver. Die betroffene Person erwacht plötzlich und sehr schreckhaft aus ihrem Tiefschlaf – häufig mit einem gellenden Schrei – und zeigt Anzeichen intensiver Furcht oder Angst.

Eine einzelne Episode eines Pavor Nocturnus dauert zumeist einige Sekunden bis hin zu zehn Minuten, in seltenen Fällen auch länger. Der Nachtschreck tritt vorwiegend in der ersten Nachthälfte (während des NREM-Schlafs) auf, oft sogar kurz nach dem Einschlafen. 

Die verschiedenen Schlafphasen

Während wir schlafen, durchläuft unser Gehirn vier Schlafphasen. Der gesamte Schlafzyklus wiederholt sich mehrmals pro Nacht und dauert zwischen 90 und 120 Minuten an.

  1. Einschlafphase (Augen sind geschlossen und es ist leicht die Person aufzuwecken.)
  2. Leichtschlafphase (Der Herzschlag verlangsamt sich und die Körpertemperatur sinkt, da der Körper sich auf den Tiefschlaf vorbereitet.)
  3. Tiefschlafphase (In dieser Phase ist es schwierig, eine Person zu wecken. Nach dem Aufwecken fühlt man sich einige Minuten lang verwirrt.)
  4. REM-Phase oder auch Traumphase (Beginnt in der Regel innerhalb von 90 Minuten nach dem Einschlafen. Es kommt zu hoher Aktivität des Gehirns und intensiven Träumen.)

Die ersten drei Phasen werden als NREM-Schlaf (Non-Rapid-Eye Movement) bezeichnet, in der der Schläfer zu verlangsamter Atmung, Muskelaktivität, Herzschlag sowie langsameren Gehirnströmen neigt. Die vierte Phase ist der REM-Schlaf (Rapid Eye Movement). Hier nimmt die Gehirnaktivität wieder zu, die Augen bewegen sich schnell, und Puls, Blutdruck und Atmung beschleunigen sich. In dieser Zeit träumen wir am meisten.

Betroffene zeigen ausgeprägte Anzeichen von Angst 

Meistens beginnt ein nächtlicher Anfall damit, dass die Betroffenen mit einem lauten,
angstbesetzten Schrei
hochschrecken und sich im Bett aufsetzen. Ihr Gesichtsausdruck ist von
Angst geprägt und häufig begleitet von heftigem Weinen, Schreien oder Wimmern. Diese Angst
kann womöglich das Ausmaß einer Panik erreichen. In einigen Fällen springen die Leidtragenden
sogar aus dem Bett oder laufen aus dem Zimmer.

Im Anschluss folgen Symptome wie eine ausgeprägte Unruhe, intensives Schwitzen und
Desorientierung.
Ein schneller Herzschlag, erhöhter Puls (bis zu 160 Schläge pro Minute), kurze
Atmung, Erröten der Haut, erweiterte Pupillen
und eine Anspannung der Muskeln kommen ebenfalls
häufig vor. 

Nach dem Aufwachen sind die Betroffenen minutenlang verwirrt

Während eines Pavor Nocturnus reagiert die erkrankte Person kaum auf Reize von außen. Obwohl sie wach zu sein scheint, wirkt sie minutenlang verwirrt und desorientiert und ist kaum in der Lage, auf
Ansprache oder Trösten zu reagieren. Möglicherweise erkennt die Person sogar seine Vertrauten nicht. Ein derartiger Anfall vergeht in der Regel rasch und problemlos. Danach schlafen Betroffene oft schnell wieder ein. 

Keine Erinnerung an den Anfall 

Anders als bei einem klassischen Albtraum kann die gesamte Episode am Morgen danach bereits
vergessen
sein. Die Trauminhalte können entweder gar nicht oder nur bruchstückhaft erinnert
werden. Gelegentlich berichten Nachtschreck-Opfer von Angstgefühlen oder unvollständigen
Traumbildern. 

Der Nachtschreck ist eine Form der Schlafstörung (Parasomnie)

Ein Nachtschreck tritt häufig in Verbindung mit Schlafwandeln auf. Wie Schlafwandeln wird auch der Pavor Nocturnus als Parasomnie betrachtet. Die Deutsche Hirnstiftung definiert Parasomnien als „komplexe Verhaltensauffälligkeiten, Bewegungen, Emotionen, Wahrnehmungen oder auch Aktivierungen des vegetativen Nervensystems […], die im Schlaf-Wach-Übergang oder während des Schlafes auftreten.“ Die mit den Schlafstörungen verbundenen Verhaltensweisen sind von der bewussten Wahrnehmung abgekoppelt – es gibt also keine bewusste und absichtliche Kontrolle über diese Handlungen. Weitere häufige Formen einer Parasomnie sind:

Nachtschreck bei Kindern 

Die nächtlichen Angstzustände können Menschen jeden Alters betreffen, hauptsächlich sind jedoch Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren betroffen – Jungen deutlich häufiger als Mädchen. Das liegt daran, dass sich bei Säuglingen und Kindern ein normaler Schlafzyklus erst noch entwickeln muss. Die typischen Schlafphasen sind noch nicht so stabil wie bei Erwachsenen, weshalb Kleinkinder besonders häufig in der ersten Nachthälfte zwischen den REM- und NREM-Phasen immer wieder kurz aufwachen. Die Übergangsphasen von einem ins nächste Schlafstadium sind besonders anfällig für Parasomnien. Die meisten Kinder wachsen jedoch bis zur Pubertät über den Schlafschreck hinaus.

Der Pavor Nocturnus ist eine der häufigsten Aufwachstörungen bei Kindern und tritt häufiger bei Kindern auf, in deren Familie Nachtangst oder Schlafwandeln bereits vorkommt. Ebenfalls besonders verbreitet ist dieses Phänomen vor und während der Einschulzeit. Während einer Episode lassen sich die meisten aufgeschreckten Kinder von niemandem anfassen und ihren Eltern gelingt es nur schwer, sie zu beruhigen. Kinder, die unter Nachtangst leiden, können in diesen Fällen nur schwer aufgeweckt werden und erinnern sich später oft nicht mehr an die Ereignisse. 

Was können Eltern tun?

Nächtliche Angstzustände können beängstigend sein, aber sie schaden dem Kind nicht. Eltern
sollten versuchen, besonnen zu bleiben und zu trösten, bis sich das Kind beruhigt hat. Es wird empfohlen, das Kind nicht aufzuwecken, um seine Aufregung nicht noch zu steigern. Besänftigende Bemerkungen oder in den Arm nehmen, können ebenfalls helfen. Zudem sollten die Eltern darauf achten, dass sich das Kind nicht verletzt, wenn es aus dem Bett steigen oder schlafwandeln sollte.

Nachtschreck oder epileptischer Anfall? 

In seltenen Fällen weisen Kinder mit nächtlichen epileptischen Anfällen und anschließendem Dämmerzustand, indem das Kind sehr desorientiert wirken kann, ähnliche Symptome wie nach einem Nachtschreck auf. Sollten die nächtlichen Anfälle über eine längere Zeit anhalten, sollte daher ein Arzt sicherstellen, dass es sich nicht um eine Epilepsie handelt. 

Nachtschreck bei Erwachsenen

Bei einigen Erkrankten beginnt die Störung erst im Erwachsenenalter, meist zwischen 20 und
30 Jahren
. In diesen Fällen ist der Nachtschreck häufiger bei denjenigen Menschen zu beobachten,
die unter anderweitigen psychischen Störungen leiden, wie zum Beispiel einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), einer generalisierten Angststörung oder einer spezifischen Persönlichkeitsstörung.  

Da die meisten nächtlichen Angstzustände während des NREM-Schlafs auftreten – dem Zustand zwischen Wachsein und Tiefschlaf – ist es unwahrscheinlich, dass sich Betroffene während einer Episode daran erinnern, was passiert ist. Im Vergleich zu Kindern ist es bei Erwachsenen jedoch wahrscheinlicher, dass sie in jeder Phase des Schlafzyklus von einer Nachtangst geplagt werden können. Daher erinnern sie sich auch eher an Traumfragmente, die sie während des Schreckens hatten.

Wo liegen die Ursachen eines Nachtschrecks?

Die genauen Ursachen sind bislang noch unbekannt. Neben den oben genannten Auslösern können auch verschiedene Faktoren, wie Schlafentzug, extreme Müdigkeit, Stress, Störungen des Schlafrhythmus, Fieber, Reisen, Schlafunterbrechungen oder Zeiten emotionaler Anspannung zum Nachtschreck beitragen. Auch wenn das nächtliche Phänomen beängstigend wirkt, stellt es normalerweise keinen Grund zur Sorge dar. Sollten die Schlafstörungen jedoch anhalten und in Verbindung mit Schlafwandeln oder anderen Störungen auftreten, dann sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen.

Was sind Albträume?

Albträume sind in sich geschlossene, häufig lebhafte oder realistische Träume, die in ihrem Verlauf immer verstörender werden und in den meisten Fällen zum Aufwachen aus dem Schlaf führen. Sie handeln in der Regel von einer drohenden Gefahr oder beunruhigenden Themen, die bei dem Schlafenden verschiedene Gefühle wie Hilflosigkeit oder extreme Angst, Trauer oder Verlegenheit auslösen. Typische Albtraumszenarien von Erwachsenen sind bspw. das Fallen aus großer Höhe, dramatische Verfolgungen, verhängnisvolle Lähmungen, folgenschwere Verspätungen oder gar der Tod bzw. das Verschwinden einer nahestehenden Person. 

Leidest du häufiger an Albträumen? In unserem Artikel Albträume loswerden: So schläfst du in 3 Schritten besser sagen wir dir, wie du schlechten Träume vorbeugen kannst.

Albträume treten während des REM-Schlafs auf

Gewöhnlich treten Albträume während des REM-Schlafs (Rapid Eye Movement) auf. Diese Schlafphase ist von schnellen Augenbewegungen und erhöhter Gehirnaktivität gekennzeichnet. Außerdem träumen wir alle in diesem Zustand am meisten. Die Herzfrequenz, die Atmung und der Blutdruck steigen auf Werte, die unserem Wach-Zustand ähneln. Damit wir unseren Traum jedoch nicht in die Tat umsetzen, sind die Muskeln vorübergehend gelähmt. 

Der Betroffene ist insofern oft in der Lage, sich nach dem Aufwachen an klare Details seines Albtraums zu erinnern. Darüber hinaus kann er sich schnell orientieren und das im Geiste erlebte als Albtraum einschätzen. 

Albträume sind weit verbreitet

Gelegentliche Albträume sind weit verbreitet und können Menschen über die gesamte Lebensspanne hinweg betreffen. Besonders häufig treten sie jedoch in der Kindheit auf, insbesondere im Alter von fünf bis zehn Jahren. Obwohl die Häufigkeit im Erwachsenenalter abnimmt, berichten 50 bis 85 Prozent der Erwachsenen von gelegentlichen Albträumen. Für die meisten Menschen stellen sie keinen Grund zur Sorge dar. 

Albtraumstörung

Erst wenn Albträume das Tages- und Alltagsleben stark beeinträchtigen, immer wieder kehren oder den Betroffenen vom Ein- oder Durchschlafen abhalten, spricht man von einer Albtraumstörung. Derartige Leiden treten häufig in der zweiten Hälfte der Schlafperiode auf, wenn die REM-Schlafphasen länger andauern.

In unserem Artikel Albtraumstörung: 3 Anzeichen erfährst du, ob es sich bei deinen Träumen möglicherweise um eine Albtraumstörung handeln könnte.

Wo liegen die Ursachen von Albträumen?

Obwohl die konkreten Ursachen von Albträumen noch nicht ausreichend erforscht sind, gibt es dennoch mehrere Faktoren, die das Risiko für Albträume erhöhen. Dazu zählen: 

  • Nebenwirkung bestimmter Medikamente
  • bestimmte psychische Erkrankung, z. B. Depression
  • weitere medizinische oder schlafbezogene Erkrankungen
  • Substanzmissbrauch 
  • erschütternde Erlebnisse oder Traumata, die die Verarbeitungskapazität der Person übersteigen
  • Genetische Faktoren und Veranlagung zu Albträumen
  • Stress

So erkennst du den Unterschied zwischen Nachtschreck und Albtraum

  1. Während eines Nachtschrecks wirkt die betroffene Person stark verängstigt. Albträume sind zwar beunruhigend, lösen aber weniger intensive Angst aus.
  2. Ein Nachtschreck beginnt meist in den ersten zwei bis drei Stunden nach dem Einschlafen. Albträume hingegen treten in der Regel später in der Nacht auf, wenn die Träume länger und lebhafter sind (REM-Phase). 
  3. Ein Albtraum dreht sich meistens um die Bedrohungen der eigenen Sicherheit, des Überlebens oder um etwas Beunruhigendes.
  4. Während sich die meisten Menschen an den Albtraum erinnern können, können sich Personen, die einen Nachtschreck erleben, zwar daran erinnern, Angst gehabt zu haben, aber nicht, wovon der Traum handelte. Häufig haben sie die nächtliche Episode am nächsten Morgen vergessen. 
  5. Nach dem Aufwachen aus einem Albtraum ist der Betroffene sofort wach und kann sich orientieren. Während eines Nachtschrecks sind die Menschen, die ihn erleben, desorientiert und wirken verwirrt. 
  6. Die betroffene Person hat möglicherweise Schwierigkeiten, nach einem Albtraum wieder einzuschlafen. Nach einem Pavor Nocturnus hingegen schlafen die Betroffenen meist schnell wieder ein. 

Quellen:

MSD Manual: Parasomnien.

Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V.: Alpträume.

Alaska Sleep Clinic: Night Terrors Vs Nightmares: How to Deal with Your Terrified Child.

John Hopkins Medicine: Nightmares and Night Terrors.

National Library of Medicine: Sleep Terrors: An Updated Review.

Max-Planck-Institut: Schlafstörungen.

Quarks: Darum schlafen Kinder anders.

Autor Profilbild

Nele Jacobs

Online-Volontärin bei MeinSchlaf.de