Schlafprobleme

Pavor Nocturnus (Nachtschreck): Ursachen, Symptome und Behandlung

Pavor Nocturnus (Nachtschreck): Ursachen, Symptome und Behandlung

Der Nachtschreck, auch Pavor Nocturnus oder Nachtangst genannt, ist eine Aufwachstörung, bei der die betroffene Person schnell und verängstigt aus dem Schlaf schreckt. Woran du einen Nachtschreck erkennen kannst, was die Ursachen sind und was du dagegen tun kannst, erfährst du hier.

Nachtschreck: Schlaflose Frau liegt im Bett und bedeckt ihr Gesicht mit den Händen.
Der sogenannte Nachtschreck ist eine Schlafstörung, die im ersten Drittel der Nacht, meist ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen, auftritt. Bild: iStock

Was ist ein Nachtschreck?

Der Nachtschreck ist kein Albtraum, sondern wird – wie Schlafwandeln, Reden im Schlaf oder Schlaflähmung – als Parasomnie bezeichnet und stellt ein unerwünschtes Ereignis während des Schlafs dar. Eine Episode eines Pavor Nocturnus, in der die Betroffenen abrupt und verängstigt aus dem Schlaf erwachen, dauert in der Regel einige Sekunden bis 10 Minuten, in seltenen Fällen auch länger. Hauptsächlich sind Kinder und Jugendliche betroffen, gelegentlich tritt die Schlafstörung jedoch auch bei Erwachsenen auf.

Ursachen eines Pavor Nocturnus

Die genauen Ursachen sind bislang noch unbekannt. Verschiedene Faktoren aber, wie Schlafentzug, extreme Müdigkeit, Stress, Störungen des Schlafrhythmus, Fieber, Reisen, Schlafunterbrechungen oder Zeiten emotionaler Anspannung können zum Nachtschreck beitragen. Auch wenn das nächtliche Phänomen beängstigend ist, stellt es normalerweise keinen Grund zur Sorge dar. Sollten die Schlafstörungen jedoch anhalten und in Verbindung mit Schlafwandeln oder anderen Störungen auftreten, dann sollten Sie zum Arzt gehen.

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Symptome eines Nachtschrecks

An diesen Anzeichen kannst du einen Nachtschreck erkennen.

1. Taucht im ersten Drittel der Nacht auf

Die Angst-Episoden kommen in der Regel zwei bis drei Stunden nach dem Einschlafen sowie im ersten Drittel oder in der ersten Hälfte der Nacht vor, selten während des Mittagsschlafs. Dabei dauern die meisten nächtlichen Anfälle etwa 10 Minuten, bei manchen Menschen können sie aber auch bis zu 30 oder 40 Minuten anhalten. Häufig schlafen die betroffenen Personen nach einem Nachtschreck schnell wieder ein.

2. Starke Angst

Meistens beginnt der Pavor Nocturnuns damit, dass die betroffenen Personen hochschrecken und sich im Bett aufsetzen, oft begleitet von Anzeichen einer starken Angst, wie heftigem Weinen, Schreien oder Wimmern. Es folgen eine ausgeprägte Unruhe, intensives Schwitzen und Desorientierung. Dies wird in der Regel von anderen Symptomen begleitet, wie schnellem Herzschlag und erhöhtem Puls, schneller Atmung, Erröten der Haut, Schwitzen, erweiterten Pupillen und Anspannung der Muskeln.

3. Keine Erinnerung an den Traum

Anders als bei einem klassischen Albtraum ist die Erinnerung an den Traum beim Pavor Nocturnus nicht oder kaum vorhanden und die gesamte Episode kann am Morgen vergessen sein. Da die meisten nächtlichen Angstzustände während des NREM-Schlafs (Non-Rapid-Eye-Movement) auftreten – dem Zustand zwischen Wachsein und Tiefschlaf – ist es unwahrscheinlich, dass man während der Episode aufwacht oder sich daran erinnert, was passiert ist. Im Vergleich zu Kindern ist es bei Erwachsenen jedoch wahrscheinlicher, dass sie in jeder Phase des Schlafzyklus von einer Nachtangst geplagt werden können. Daher erinnern sie sich auch eher an Traumfragmente, die sie während des Schreckens hatten.

4. Betroffene Personen sind nicht ansprechbar

Während einer Episode reagiert die betroffene Person nicht oder kaum auf Reize von außen. Obwohl die Personen wach zu sein scheinen, wirken sie verwirrt und sind kaum in der Lage, auf Ansprache, Trösten oder Wecken zu reagieren. Möglicherweise erkennen sie sogar ihre Vertrauten nicht. In dieser Phase lassen sich auch die meisten aufgeschreckten Kinder von niemandem anfassen und ihren Eltern gelingt es nur schwer, sie zu beruhigen.

Wer ist von Nachtangst betroffen?

Nachtangst bei Kindern

Nachtangst kann Menschen jeden Alters treffen, kommt aber bei Kleinkindern wesentlich häufiger als bei Jugendlichen oder Erwachsenen vor. Typischerweise leiden Kinder – überwiegend Jungen – im Alter von 4 bis 12 Jahren unter Pavor Nocturnus. Besonders verbreitet ist dieses Phänomen bei Kindern vor und während der Einschulzeit. Das liegt daran, dass sich bei Säuglingen und Kindern ein normaler Schlafzyklus erst noch entwickeln muss, weshalb Kleinkinder besonders häufig in den Übergangsphasen von einem ins nächste Schlafstadium kurz aufwachen. Kinder sind daher besonders anfällig für Parasomnien.

Nachtangst bei Erwachsenen

Obwohl die Erkrankung primär im Kindes- und Jugendalter auftritt, können auch Erwachsene unter dem nächtlichen Hochschrecken leiden — häufig im Zusammenhang einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)einer generalisierten Angststörung oder einer spezifischen Persönlichkeitsstörung.  Doch auch bei Erwachsenen, die in ihrer Kindheit unter dieser Schlafstörung litten, können die Episoden wiederkehren, häufig ausgelöst durch Stress oder Schlafentzug.

Nachtschreck: Behandlung

Eltern, deren Kind unter Nachtangst leidet, sollten ihr Kind nicht aufzuwecken, um seine Aufregung nicht noch zu steigern. In einigen Fällen können besänftigende Bemerkungen oder körperliche Berührungen beruhigend wirken. Jedoch sollten die Eltern darauf achten, dass sich das Kind nicht verletzt. 

Jugendliche und Erwachsene, die regelmäßig unter Nachtangst leiden, sollten sich an einen Facharzt oder Psychologen wenden. Dieser kann zugrundeliegende Ursachen herausfinden und die Schlafstörung behandeln.  

Albtraum oder Nachtschreck? So erkennst du den Unterschied

Ein Anfall eines Nachtschrecks fühlt sich zwar beängstigend an, die Erkrankung ist jedoch nicht mit klassischen Albträumen zu verwechseln. An diesen Anzeichen erkennst du, dass du einen Albtraum hattest: 

  1. Während eines Nachtschrecks wirkt der Betroffene stark verängstigt. Albträume sind zwar beunruhigend, lösen aber weniger intensive Angst aus.
  2. Albträume treten in der Regel später in der Nacht auf, wenn die Träume länger und lebhafter sind (REM-Phase). 
  3. Ein Albtraum dreht sich meistens um die Bedrohungen der eigenen Sicherheit, des Überlebens oder um etwas Beunruhigendes.
  4. Der Betroffene kann sich an den Albtraum erinnern.
  5. Nach dem Aufwachen ist der Betroffene sofort wach und kann sich orientieren.
  6. Der Betroffene hat Schwierigkeit, wieder einzuschlafen. 

Mehr zu diesem Thema findest du in unserem Artikel: Nachtschreck oder Albtraum? So erkennst du den Unterschied.

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Quellen:
Sleepfoundation: Night Terrors
Children’s Hospital Colorado: Night Terrors in Children
MSD Manual: Parasomnien.
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V.: Alpträume.
Alaska Sleep Clinic: Night Terrors Vs Nightmares: How to Deal with Your Terrified Child.

Autor Profilbild

Nele Jacobs

Online-Volontärin bei MeinSchlaf.de