Schlafprobleme

Multiple Sklerose und Fatigue: Woher kommt die Müdigkeit?

Multiple Sklerose und Fatigue: Woher kommt die Müdigkeit?

Wer unter Multipler Sklerose leidet, hat häufig mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Energiemangel zu kämpfen. Woher kommen diese Symptome und wieso leiden so viele Multiple-Sklerose-Erkrankte an Fatigue? Unser Artikel klärt auf.

Frau leidet an Multiple Sklerose und sitzt erschöpft auf dem Sofa.
Multiple Sklerose tritt bei Betroffenen bereits zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Bild: iStock/fizkes

Chronische Müdigkeit und Abgeschlagenheit gehören zu den häufigsten Symptomen bei Multiple Sklerose. Bereits im ersten Jahr der Erkrankung leiden über 30 Prozent der Betroffenen an Fatigue. Müdigkeit und Erschöpfung nehmen dann in den folgenden Jahren zu. Nach 30 Jahren mit Multipler Sklerose sind beinahe 60 Prozent von chronischer Müdigkeit und Abgeschlagenheit betroffen.

Frauen leiden dabei durchschnittlich etwas häufiger an Fatigue als Männer, allerdings liegen die beiden Werte nah beieinander. Wichtig ist ebenfalls, dass fast doppelt so viele MS-Erkrankte durch chronischer Fatigue im Beruf eingeschränkt sind wie Betroffene ohne Multiple Sklerose (knapp 75 Prozent gegenüber circa 40 Prozent). Woher kommt die dauerhafte Müdigkeit? Wir klären auf, doch zunächst:

Was ist Multiple Sklerose?

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Betroffen sind das gesamte Gehirn, das Rückenmark und die Augen. Bei der Erkrankung werden Nervenfasern im Gehirn, im Rückenmark und in den Augen nach und nach angegriffen und zerstört. Die Ursache der Erkrankung ist noch unbekannt, Forschende vermuten aber, dass es sich bei MS um eine Autoimmunreaktion handelt.

Die ersten Symptome von Multiple Sklerose treten meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahres auf. Aber auch Kinder und Menschen nach dem 45. Lebensjahr können betroffen sein. Weltweit leiden ungefähr zwei Millionen Menschen an Multipler Sklerose, davon zwischen 120.000 und 150.000 in Deutschland. Jährlich erkranken zwischen 3,5 und 5 pro 100.000 Einwohner.

Welche Formen von multipler Sklerose gibt es?

Ärzte unterscheiden zwischen vier verschiedenen Mustern der multiplen Sklerose:

  1. Schub- und Remissions-Muster: Schübe (Verschlimmerung) und Remissionen (Verbesserung oder bleibt stabil) wechseln sich ab. Eine Remissionsphase kann Monate oder sogar Jahre dauern. Ein Schub kann durch eine Krankheit ausgelöst werden, aber auch völlig spontan auftreten.
  2. Primär-progredientes Muster: Bei diesem Muster schreitet die Erkrankung nach und nach ohne Schübe oder Verbesserung stetig fort. Manchmal kann es zu Phasen kommen, in denen die Krankheit stabil bleibt.
  3. Sekundär-progredientes Muster: Hierbei handelt es sich um ein Muster, bei dem sich Schübe mit Remissionen abwechseln, aber im Verlauf der Erkrankung dann in ein stetiges Fortschreiten wechselt.
  4. Progredientes Rückfallmuster: Ein seltenes Muster, bei dem die Krankheit stetig fortschreitet und immer wieder in plötzlichen, heftigen Schüben verschlimmert.

Unterschied: Fatigue und Chronisches Fatigue-Syndrom

Mit Fatigue ist in der Medizin Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Energiemangel gemeint. Diese Müdigkeit kann durch vieles ausgelöst werden. Es gibt schwerwiegende Erkrankungen als Ursache für eine Tagesmüdigkeit, wie beispielsweise Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Daneben können noch andere Leiden und Erkrankungen Schuld an einer Fatigue haben. Sehr häufig tritt eine Tagesmüdigkeit bei einer Schlafapnoe und bei Parasomnien auf, beispielsweise bei:

Beim chronischen Fatigue-Syndrom sind die Ursachen für eine exzessive Tagesmüdigkeit und Abgeschlagenheit unbekannt. Die Erkrankung stellt die Medizin zur Zeit noch vor ein Rätsel. Willst du mehr über die Erkrankung wissen? Dann lies unseren Artikel über das Chronische Fatigue-Syndrom.

Woher kommt die Müdigkeit bei Multiple Sklerose?

Bei Fatigue durch Multiple Sklerose sind Betroffene schon nach kleinsten Arbeiten völlig ausgelaugt und Abgeschlagen. Im schlimmsten Fall sind sie nicht mehr in der Lage, sich auf den Beinen zu halten. Dabei geht es nicht soweit, dass die Betroffenen einschlafen würden, wie beispielsweise beim Sekundenschlaf. Vielmehr sind die Personen zwar absolut erschöpft, aber nicht in der Lage zu schlafen. Siehe dazu auch den Absatz: „Unterschied Tagesschläfrigkeit und Tagesmüdigkeit“ in unserem Artikel über Hypersomnie.

Was die starke Erschöpfung bei Multiple Sklerose auslöst, ist in der Wissenschaft noch nicht geklärt. Forschende und Mediziner gehen allerdings davon aus, dass die fortschreitenden Entzündungsprozesse an den Nerven für Fatigue verantwortlich sind. Diese Annahme wurde von einer Studie gestützt, bei der Forschende belegen konnten, dass sich die Fatigue mit Eintreten eines Schubs ebenfalls verschlimmerte.

Was kann man gegen Fatigue bei MS tun?

Weder Multiple Sklerose noch Fatigue ist heilbar. Als betroffene Person muss man lernen, mit der Erkrankung und ihren Symptomen zu leben. Es gibt allerdings zahlreiche therapeutische Maßnahmen, die helfen können, mit Fatigue umzugehen. Neben einer umfassenden Aufklärung der betroffenen Person über die Erkrankung und ihre Symptome ist das:

  • Eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit (mindestens zwei bis drei Liter täglich)
  • Regelmäßig kühlen (Klimaanlage, Kühlweste, kalte Getränke)
  • Regelmäßige Ruhepausen und einen strukturierten Tagesablauf
  • Achtsamkeitsbasierte Therapie (Umgang mit der Krankheit)
  • Sport (Fahrradfahren, Schwimmen oder andere Ausdauersportarten)
  • Im letzten Schritt: Medikamentöse Therapie, beispielsweise mit Amantadin oder Modafinil

Welche Symptome zeigen sich bei MS noch?

Fatigue ist bei Multiple Sklerose zwar ein sehr häufiges, aber nicht das einzige Symptom. Weitere Symptome von Multipler Sklerose können sein:

In frühem Stadium

  • Ein Prickeln, Jucken, Brennen, Schmerzen und Taubheit in Armen, Beinen, im Oberkörper und Gesicht.
  • Ein beeinträchtigter Tastsinn.
  • Eine Versteifung eines Beines oder einer Hand zusammen mit dem Verlust der Stärke oder Geschicklichkeit.
  • Getrübte oder verschwommene Sicht sowie eine Beeinträchtigung des zentralen Sehens.

Im fortgeschrittenem Stadium

  • Zittrige und unregelmäßige Bewegungen.
  • Muskelschwäche und spastische Lähmungen.
  • Eine Verlangsamung der Sprache sowie undeutliches Sprechen.
  • Häufiger und starker Harndrang mit auch unwillkürlichem Abgang von Urin.
  • Im Gegensatz dazu aber Schwierigkeiten beim Wasserlassen.
  • Unwillkürliches Lachen oder Weinen und eine Einschränkung der Denkfähigkeit.
  • Erhöhtes Risiko einer Depression.

Du möchtest noch mehr über das Thema Schlaf erfahren? Dann folge uns auf Instagram, Facebook und Pinterest.

Quellen:

Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft: Fatigue beeinflusst das Leben vieler MS-Patienten dauerhaft.
MSD Manual: Multiple Sklerose (MS).
Neurologen und Psychiater im Netz: Was ist Multiple Sklerose (MS)?

Autor Profilbild

Alexander Scherb

Senior Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de