Schlafprobleme

Müde trotz ausreichend Schlaf – was können die Gründe sein?

Müde trotz ausreichend Schlaf – was können die Gründe sein?

Für den Körper ist Schlaf unabdingbar, um die am Tag aufgebrauchten Energiereserven wieder aufzufüllen, sodass wir am nächsten Morgen erholt aufwachen. Wenn du nicht gut schläfst, leidet dein Wohlbefinden darunter. Was aber, wenn du dich oft müde trotz genug Schlaf fühlst?

Du fühlst dich trotz ausreichend Schlaf häufig immer noch müde? Das steckt dahinter!
Du fühlst dich trotz ausreichend Schlaf häufig immer noch müde? Das steckt dahinter! Bild: Pexels

Wie viel Schlaf braucht man?

Wie viel Schlaf du benötigst, ist sehr individuell. Vielleicht bist du mit den klassischen acht Stunden Schlaf pro Nacht in perfekter Form, vielleicht reichen dir weniger, vielleicht brauchst du aber auch mehr. Wie lange du schlafen musst, ändert sich im Laufe des Lebens. Kleinkinder etwa brauchen wesentlich mehr Schlaf als Ältere. Mehr zum Thema Schlafbedarf kannst du übrigens auch hier nachlesen.

Als Erwachsener kann die notwendige Schlafdauer von der Arbeit beeinflusst werden, weil du beispielsweise nach anstrengenden Tätigkeiten mehr Schlaf brauchst. Sogar die Jahreszeiten können die gefühlte ideale Schlafdauer beeinflussen. So schlafen die meisten von uns im Winter länger als im Sommer. 

Warum bist du müde trotz genug Schlaf?

„In der Schlafmedizin werden Menschen danach unterschieden, ob sie eher Frühaufsteher (sogenannte Lerchen) oder Spätaufsteher (sogenannte Eulen sind)“, erläutert Diplom-Psychologin Antariya Kaeding, die auch Menschen zur Verbesserung ihrer Schlafqualität berät. „Weicht man von seinem ,Chronotypus‘ ab, zum Beispiel aufgrund auferlegter Arbeitszeiten, kann dies trotz ausreichender Schlafdauer zu Problemen führen.“

Das heißt, selbst wenn du jede Nacht auf die von der WHO empfohlene Schlafdauer von acht Stunden kommst, kannst du dich am folgenden Morgen dennoch unausgeruht fühlen. Weil du nicht im Takt mit deiner inneren Uhr lebst. Wenn du die Möglichkeit dazu hast, solltest du deinen Tagesablauf an ihr ausrichten.

Schlafqualität als entscheidender Faktor

„Letztlich ist es nicht nur die Schlafdauer die beeinflusst, wie fit wir uns am nächsten Tag fühlen, sondern auch die Schlafqualität“, sagt Antariya Kaeding. Alkohol zum Beispiel erweckt häufig den Eindruck, dass er uns beim Einschlafen hilft, verschlechtert Studien zufolge aber die Schlafqualität.

Für eine bessere Qualität deines Schlafs kannst du einiges tun. Dazu musst du jedoch etwas Ursachenforschung betreiben.

Müde trotz genug Schlaf – mögliche Ursachen

Dass deine Schlafqualität nicht so ist, wie sie sein soll, kann verschiedene Gründe haben. Gegen die meisten davon kannst du glücklicherweise etwas unternehmen.

Äußere Faktoren

Matthew Walker macht in seinem Standardwerk „Why We Sleep“ fünf äußere Faktoren aus, die unseren Schlaf stören können: elektrisches Licht/LED-Licht, Temperaturregulierung in Wohnräumen, Koffein, Alkohol und die Arbeitszeiten.

Uns fallen zusätzlich noch Bettpartner ein, die eventuell durch Schnarchen oder andere Geräusche die Nachtruhe rauben. Außerdem spielt das Bett an sich samt Matratze, Kissen und Decke eine wichtige Rolle bei der Schlafqualität.

Seelische Probleme

Bei seelischem Stress fällt es uns besonders schwer, nachts abzuschalten. „Das Gedankenkarussell kreist in der Regel um ungelöste Situationen, Probleme beziehungsweise Konflikte“, so Antariya Kaeding. „Der Kopf versucht krampfhaft eine Lösung zu finden, damit wieder Ruhe einkehren kann.“

Die Ursachen für diese seelischen Sorgen lassen sich aber meistens nicht im Bett behandeln, sodass wir nicht oder nur schwer einschlafen können. Tun wir es dann doch, schlafen wir oft nicht besonders gut.

Organische Ursachen

Schnarchen, Schlafapnoe, Vitamin- oder Nährstoffmangel – es gibt einige mögliche körperliche Ursachen. Suche einen Arzt auf, um solche Probleme auszuschließen oder behandeln zu lassen.

Müde trotz genug Schlaf – das kannst du dagegen tun

Bei vielen Dingen können wir uns selbst helfen. Manchmal brauchen wir aber auch einen Anstoß von außen. Das trifft vor allem auf Probleme und Konflikte zu, die uns wach halten. Antariya Kaeding: „Die Frage ist, 1. wie kann ich das Problem lösen und 2. wie kann ich einschlafen, auch wenn das Problem (noch) nicht gelöst ist?“

Einige Probleme kann man aus eigener Kraft lösen, andere im Gespräch mit anderen, und bei weiteren ist es sinnvoll, professionelle Beratung oder Psychotherapie in Anspruch zu nehmen. Es ist auch eine ärztliche Abklärung nötig, um festzustellen, ob es eventuell unter anderem organische Ursachen gibt.

In der Regel lösen sich Probleme nicht von heute auf morgen, daher lohnt es sich einen Blick darauf zu werfen, wie man einschlafen kann, auch wenn das Problem (noch) nicht gelöst ist. Antariya Kaeding macht hier mit ihren Beratungs-Klientinnen und Klienten gute Erfahrungen mit körperorientierten Übungen bei der Entwicklung von Schlafritualen.

Schlafhygiene befolgen

Wer Einschlaf- und Durchschlafprobleme hat, erreicht schon allein mit konsequenter Schlafhygiene eine deutlich bessere Schlafqualität. Dazu zählen unter anderem die Ausstattung deines Betts, die Gestaltung deines Schlafzimmers und regelmäßige Zubettgeh- und Aufstehzeiten. Was du genau alles dabei beachten solltest, kannst du auch hier nachlesen.

Diplom-Psychologin Antariya Kaeding ist Coach, Trainerin und Systemische Beraterin (SG). In ihre Beratungspraxis Agentur für Klarheit kommen Menschen mit privaten und/oder beruflichen Herausforderungen, die nicht selten Auswirkungen auf den Schlaf haben. Als Angestellte am Institut für Psychologie der Universität Hamburg lehrt, berät und supervidiert sie zudem im Bereich der Psychologischen Schlüsselkompetenzen.

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