Schlafprobleme

Morbus Parkinson: Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit

Morbus Parkinson: Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit

Morbus Parkinson – auch Parkinson-Krankheit genannt – ist eine Erkrankung des Gehirns, bei dem die betroffene Person unter Muskelsteife, Bewegungsarmut und einem Ruhetremor leidet. Auch Schlafstörungen und eine exzessive Tagesmüdigkeit gehören zu den häufigsten Symptomen.

Alte Frau leidet unter Morbus Parkinson und kann nicht schlafen.
Wer unter Morbus Parkinson leidet, kämpft häufig mit dem Schlaf. Bild: iStock/janiecbros

Morbus Parkinson gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Allein in Deutschland sind mehr als 400.000 Menschen an der Parkinson-Krankheit erkrankt. Die Krankheit wurde 1817 vom englischen Arzt James Parkinson beschrieben und benannt.

Morbus Parkinson hat viele Namen. Die bekanntesten Namen sind noch Parkinson-Krankheit, Idiopathisches Parkinson-Syndrom, Parkinsonsche Krankheit und aus älterer Zeit Schüttelkrankheit, Paralysis agitans, Schüttellähmung und Zitterlähmung.

Was ist Morbus Parkinson?

Bei dem Parkinson-Syndrom handelt es sich um eine Erkrankung des Nervensystems. Das Durchschnittsalter bei Diagnosestellung beträgt 60 Jahre. Rund drei Prozent aller 80-Jährigen leiden unter Morbus Parkinson. Allerdings ist Parkinson nicht nur eine Erkrankung älterer Menschen. Rund zehn Prozent der Erkrankten bekommen ihre Diagnose vor dem 40. Lebensjahr gestellt.

Bei Morbus Parkinson stirbt die Kernregion des Gehirns – die sogenannte schwarze Substanz oder auch die Substantia nigra – aus unbekannten Gründen beschleunigt ab. Sind mehr als 60 Prozent des Areals abgestorben, treten die bekannten Parkinson-Symptome auf. Das Parkinson-Syndrom ist nicht heilbar. Mit den richtigen Medikamenten und Therapien ist aber ein langes und (den Umständen entsprechend) beschwerdefreies Leben möglich.

Die drei Formen von Morbus Parkinson

Drei Formen der Parkinson-Krankheit können auftreten: das idiopathische oder primäre Parkinson-Syndrom (IPS), das Sekundäre Parkinson-Syndrom (SPS) und das Atypische Parkinson-Syndrom (PSP).

  • Das idiopathische Parkinson-Syndrom: Macht circa 75 Prozent aller Parkinson-Syndrome aus. Man unterteilt IPS in drei verschiedene Typen. Den Typ mit eingeschränkter Beweglichkeit, den Typ mit vorherrschendem Zittern und den Typ mit gleich ausgeprägter Bewegungsstörung und Zittern.
  • Das Sekundäre Parkinson-Syndrom: Ist eher selten und wird durch Medikamente, Vergiftungen oder verschiedene Erkrankungen (nicht neurologisch) ausgelöst. Hierbei besteht eine Störung der Wirkung von Dopamin in den Basalganglien (Hirnregionen, die für Bewegungsabläufe verantwortlich sind).
  • Das Atypische Parkinson-Syndrom: Entsteht aufgrund verschiedener anderer neurologischer Erkrankungen. Strenggenommen handelt es sich dabei nicht um eine Form des Morbus-Parkinson. Deswegen setzt sich auch die Abkürzung PSP aus einer anderen Bezeichnung zusammen: Progressive supranukleäre Blickparese.

Welche Ursache hat Morbus Parkinson?

Beim idiopathischen Parkinson-Syndrom ist die Ursache für den raschen Abbau der schwarzen Substanz unbekannt, wodurch sich der Begriff idiopathisch ergibt, der so viel wie „Ursache unbekannt“ oder „unbekannter Ursache“ bedeutet. Bekannt ist nur, dass die schwarze Substanz wesentlich schneller als gewöhnlich abgebaut wird.

In der schwarzen Substanz befinden sich bestimmte Nervenzellen, die für die Produktion des Botenstoffs Dopamin verantwortlich sind. Dopamin wird für die Bewegungssteuerung benötigt. Durch Morbus Parkinson kommt es zu solch einem Dopamin-Mangel, dass es zur Beeinträchtigung der Bewegungssteuerung kommt.

Welche Symptome treten beim Parkinson-Syndrom auf?

Die Symptome von Morbus Parkinson treten nicht plötzlich auf, sondern entwickeln sich schleichend über Jahre. Dabei sind die typischen Symptome folgende:

  • Bewegungsstörungen (Akinesie): Nur langsame Bewegungen sind noch möglich. Der Gang wird zögerlich, in kleinen kurzen Schritten. Das Ingangsetzen von Bewegungen fällt zunehmend schwerer. Gleichzeitig wird auch das Stoppen von Bewegungen immer anstrengender. Besonders auffällig ist die Abnahme der Beweglichkeit der Gesichtsmuskeln und das Verschwinden der pendelnden Armbewegung beim Gehen. Im späteren Verlauf wird auch das Sprechen und Schlucken immer schwerer.
  • Muskelsteife (Rigor): Dabei handelt es sich um eine dauerhafte Versteifung der Arme, Beine und des Halses. Teilweise ist die Versteifung so stark, dass auch eine andere Person die betroffenen Gliedmaßen nicht bewegen kann. Muskelschmerzen sind häufig die Folge.
  • Zittern in Ruhe (Ruhetremor): Häufigstes Symptom bei Morbus Parkinson. Bei Bewegung wird das Zittern weniger. Am häufigsten sind die Hände vom Ruhetremor betroffen. Die Schrift wird kleiner und undeutlicher.

Weitere Symptome können sein: Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit, Verdauungsstörungen, Kreislaufprobleme, Konzentrationsstörungen und Depressionen.

Warum löst Morbus Parkinson Schlafstörungen aus?

Bei rund 60 Prozent der Parkinson-Erkrankten treten Einschlaf- und Durchschlafstörungen auf. Die Gründe für Schlafstörungen bei der Parkinson-Krankheit sind vielfältig. Die häufigsten Gründe sind:

  1. Einschlafprobleme durch aufputschende Medikamente. Im Besonderen die Wirkstoffe Selegilin und Amantadin.
  2. Unbeweglichkeit und Steifheit im späteren Verlauf der Nacht, wodurch ein Umdrehen im Bett schwerfällt oder sogar unmöglich wird. Häufig wirken die Medikamente nicht mehr. Auch Krämpfe sind nicht unüblich.
  3. Nächtlicher Harndrang. Wird in den meisten Fällen ebenfalls durch Parkinson-Medikamente ausgelöst. Aber auch die zunehmende Steifheit kann für den nächtlichen Harndrang verantwortlich sein.
  4. Restless Legs Syndrom. Tritt sehr häufig beim Einschlafen auf. Betroffene haben ein schmerzhaftes Kribbeln in den Beinen, verbunden mit einem starken Bewegungsdrang. Mehr zum Restless Legs Syndrom findest du in unserem Artikel.
  5. REM-Schlaf-Verhaltensstörung. Hierbei handelt es sich um das Ausleben von Traumerlebnissen. Die Muskeln, die in der REM-Phase normalerweise ausgeschaltet sind, führen hier die Träume aus. Dabei kann es zu Verletzungen der erkrankten Person und des Schlafpartners oder der Schlafpartnerin kommen. Zwischen 20 und 50 Prozent der Parkinson-Erkrankten leiden an einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung.

Parkinson und Tagesmüdigkeit

Durch die häufigen Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten entsteht bei vielen Erkrankten eine starke Tagesmüdigkeit. Auch Medikamente können die Schuld an der Tagesmüdigkeit tragen. Gegen Tagesmüdigkeit helfen regelmäßige Ruhezeiten, wobei ein Mittagsschlaf vermieden werden sollte, um den Schlaf-Wach-Rhythmus nicht durcheinander zu bringen. Ansonsten hilft eine Verbesserung des Nachtschlafs. Welche Möglichkeiten bestehen, klären wir in den nächsten Punkten.

Was tun bei Schlafstörungen durch Morbus Parkinson?

Glücklicherweise gibt es einige Möglichkeiten, um gegen Schlafstörungen bei Morbus Parkinson vorzugehen. Diese sind:

  • Eine Verbesserung der Schlafhygiene: Es sollte darauf geachtet werden, dass im Schlafzimmer die richtige Schlaftemperatur herrscht. Auch regelmäßige Zubettgehzeiten können helfen. Mehr Tipps für eine bessere Schlafhygiene findest du in unserem Artikel.
  • Die richtige Ernährung: Leichtes Essen am Abend kann zu einer Verbesserung des Schlafs führen. Wichtig sind Lebensmittel mit viel Eiweiß und Ballaststoffen. Es gibt sogar schlaffördernde Lebensmittel.
  • Das Erhöhen des Dopaminspiegels: Mit einigen Tricks lässt sich der Dopaminspiegel ganz natürlich erhöhen. Beispielsweise mit Bewegung. Wer sich regelmäßig bewegt, regt die Dopamin-Produktion an. Erkrankte sollten sich aber natürlich nur in dem ihnen möglichen Rahmen bewegen. Schon ein Spaziergang ist hilfreich. Mehr Tipps findest du in unserem Artikel: „Dopaminspiegel mit diesen 5 Tricks erhöhen“.
  • Eine Gewichtsdecke: Eine Gewichtsdecke gaukelt dem Körper mit ihrem Gewicht eine Umarmung vor, was zur Ausschüttung von Serotonin und Dopamin führt. Dadurch schläft man besser und tiefer. Zudem kann sie mit ihrem Tiefendruck die Beschwerden des Restless-Legs-Syndrom mildern. Unser Artikel „Die besten Gewichtsdecken im Vergleich“ testet die beliebtesten Decken.
  • Schlafmittel: In besonders schweren Fällen können vom Arzt oder der Ärztin auch leichte Schlafmittel verschrieben werden. Stärkere Präparate sind nicht zu empfehlen. Auch pflanzliche Mittel wie Baldrian oder Lavendel bieten eine Möglichkeit.
  • Dopaminhaltige Medikamente: Studien haben gezeigt, dass Dopamin-Medikamente, welche ihren Wirkstoff über die Nacht verteilt abgeben, eine deutliche Verbesserung des Schlafqualität bewirken.
  • Medikamente, welche die einzelnen Symptome bekämpfen: Ob Restless Legs Syndrom, REM-Schlaf-Verhaltensstörung oder nächtlicher Harndrang: Betroffene können ihre Schlafqualität häufig erhöhen, wenn sie die einzelnen Symptome separat behandeln. Dafür braucht es aber eine enge Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin.

Schlafstörungen können Beschwerden verstärken

Andersherum ist es leider so, dass Schlafstörungen die Beschwerden von Morbus Parkinson verstärken können. Wer ständig müde und erschöpft ist, leidet auch häufiger unter den genannten Symptomen der Parkinson-Krankheit. Dies führt dann wiederum zu einer Verschlechterung der Schlafqualität und so fort – ein Teufelskreis setzt ein.

Schlafstörungen können die Psyche stark belasten. Laut den Neurologen und Psychiatern im Netz, entwickeln 40 bis 60 Prozent aller Parkinson-Erkrankten mindestens einmal eine Depression. Schlafstörungen sollten immer mit dem verantwortlichen Neurologen oder Neurologin besprochen werden. Die Fachperson weiß am besten, was getan werden muss, um die Schlafqualität zu verbessern. Häufig wird im ersten Schritt ein Schlaftagebuch eingeführt.

Frühzeichen der Erkrankung erkennen

Neuste Studien haben gezeigt, dass die REM-Schlaf-Verhaltensstörung ein frühes Warnsignal einer späteren Parkinson-Erkrankung sein kann. Rund 80 Prozent aller Personen, die in jungen Jahren unter einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung leiden, entwickeln im Laufe des Lebens Morbus Parkinson.

Weitere frühe Anzeichen sind:

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit trotz ausreichend Schlaf.
  • Übertriebene Gereiztheit und depressive Verstimmung.
  • Die Handschrift wird immer undeutlicher.
  • Das Gefühl von zunehmender Vergesslichkeit.

Leben und Alltag mit Morbus Parkinson

Die Parkinson-Krankheit wirkt sich auf fast alle Lebensbereiche aus. Ob Partnerschaft, Freizeit oder Beruf: Die Erkrankung verändert all diese Bereiche stark. Viele Betroffene befürchten, mit der Zeit pflegebedürftig zu werden und nicht mehr für sich selbst sorgen zu können. Sicherlich ist diese Angst begründet.

Nicht desto Trotz kann ein selbstbestimmtes und autarkes Leben gelingen. Dafür bedarf es allerdings eine intensive ärztliche Begleitung und eine Einbindung von Freunden und Familie in den Lebensalltag. Wichtig ist auch, so aktiv wie möglich zu bleiben. Zumindest so lange es die Krankheit zulässt. Es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten für Parkinson-Erkrankte, wie beispielsweise Tanzen, Sport oder andere körperliche Aktivitäten, welche die Erkrankung und ihre Symptome lindern.

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Quellen:

Neurologen und Psychiater im Netz: Was ist das Parkinson-Syndrom?
Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen: Morbus Parkinson: Hoffnung auf neue Therapien.
MSD Manual: Sekundärer und atypischer Parkinsonismus.
Gesundheitsinformation: Parkinson.
Kliniken Beelitz: Schlafstörungen und Tagesüdigkeit.
Ärzteblatt: Schlafstörungen bei Morbus Parkinson: Kontinuierlicher Dopaminagonismus bessert Symptome.
Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.: Rückgang der Parkinson-Inzidenz?

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Alexander Scherb

Senior Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de