Schlafprobleme

Im Schlaf reden: Was steckt dahinter?

Im Schlaf reden: Was steckt dahinter?

Als Kind macht man es besonders viel, doch je älter man wird, desto seltener passiert es – Reden im Schlaf. Was sind die Ursachen dieses Phänomens? Wir haben Expertin Doktor Kathrin Frank gefragt, warum wir im Schlaf reden.

Im Schlaf reden: Mann beugt sich über seine schlafende Frau.
Stress kann im Schlaf reden auslösen. Bild: iStock

In der Fachsprache nennt man das Reden im Schlaf Somniloquie. Bei Kindern ist das Phänomen sehr häufig, lässt aber mit zunehmendem Alter nach. Erwachsene, die im Schlaf reden, sind selten, allerdings kommt es vor. Etwa fünf von 100 Personen reden regelmäßig im Schlaf.

Woran liegt es, dass manche Menschen im Schlaf reden? Kann Reden im Schlaf auch ernstere Hintergründe haben? Wir haben mit Doktor Kathrin Frank, Fachärztin für Schlafmedizin, gesprochen und nennen Ursachen und Hintergründe zur Somniloquie.

Was ist Somniloquie?

Das Reden im Schlaf ist eine recht häufig anzutreffendes Schlaf-Phänomen. Von der Medizin wird zur Somniloquie jegliche Form der Lautbildung gezählt. Dazu gehören unverständliche Vokalbildungen ebenso wie ganze gesprochene Sätze.

Im Schlaf reden ist im Kindesalter sehr weit verbreitet. Rund 50 Prozent aller Kinder reden im Schlaf. Das reicht von unverständlichem Gemurmel, bis hin zu ganzen Monologen (die meist keinen Sinn ergeben). Kinder, die viel im Schlaf reden, neigen später zum Schlafwandeln.

Reden im Schlaf: Was sind die Ursachen?

Für das Reden im Schlaf gibt es ganz verschiedene Ursachen. Dazu zählen:

  • Stress
  • Fieber
  • Alkohol- oder Drogenkonsum
  • Psychische Belastung
  • Medikamente

Es kann auch vorkommen, dass Menschen im Schlaf reden, die keine der oben genannten Ursachen aufweisen. Hier gehen Forscher davon aus, dass das Reden im Schlaf vererbt wurde. Allerdings fehlt es für diese Theorie an Studien.

Auch Träume können eine Ursache für Somniloquie sein. Das zumindest fanden Forscher in einer Studie heraus. In der Studie weckten die Wissenschaftler die Studienteilnehmer direkt auf, nachdem diese im Schlaf gesprochen hatten und fragten ob und was sie geträumt hatten. Das Ergebnis: In den meisten Fällen hatten die gesprochenen Wortfetzen einen Zusammenhang mit dem Geträumten.

Gefährlich ist im Schlaf reden übrigens nicht. Dr. Kathrin Frank sagt dazu: „Das Reden im Schlaf ist meistens unproblematisch. Wenn es häufiger vorkommt, kann die Partnerin oder der Partner allerdings gestört sein.“ Nächtliches Reden wird also eher für den Schlafpartner zum Problem als für die betroffene Person.

Im Schlaf reden: Wann wird es problematisch?

In seltenen Fällen kann das Reden im Schlaf das Symptom einer Parasomnie sein. Die häufigsten Parasomnien sind:

  • Albträume
    Ein Albtraum macht noch keine Parasomnie. Sollten Albträume aber so häufig auftreten, dass du dich schon vor dem Schlafengehen fürchtest, liegt höchstwahrscheinlich eine Parasomnie vor. Gerade bei Albträumen kann es vermehrt zu Somniloquie kommen.
  • Schlafwandeln
    Mit Schlafwandeln ist nicht nur das Verlassen des Bettes gemeint. Auch das Aufrichten und umherschauen oder das ausdruckslose Zupfen an Kissen oder Bettdecke zählt für Mediziner schon zum Schlafwandeln. Betroffene, die Schlafwandeln sind meist nicht ansprechbar. In seltenen Fällen kann es zu gewalttätigen Handlungen kommen.
  • Pavor nocturnus (Nachtschreck)
    Beim Aufschrecken im Schlaf handelt es sich um eine Parasomnie, bei der die betroffene Person häufig mit einem Schrei wach wird. „Im Rahmen der genannten Parasomnie kann es häufiger zu nächtlichem Sprechen als Begleitphänomen kommen“, meint Dr. Kathrin Frank. Im Gegensatz zum Schlafwandler, verlässt der Schläfer weder das Bett, noch nimmt er zielgerichtete Handlungen vor.
  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung
    Im Schlaf reden kann eine weitere Ursache haben: Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung. Hierbei handelt es sich um eine nächtliche Verhaltensstörung bei der die betroffene Person ihr Traumhandlungen ausführt. Mehrheitlich betrifft die Störung der REM-Phase Männer über 60 Jahre.
  • Schlafparalyse (Schlaflähmung)
    Bei der Schlafparalyse passiert genau das Gegenteil der REM-Schlaf-Verhaltensstörung. Die betroffene Person kann sich nicht bewegen, wie im Traumschlaf, ist aber wach. Bei vielen Personen löst eine erste Schlafparalyse Panik aus, da sie weder sprechen noch sich bewegen können. Grund für eine Schlafparalyse ist, dass unser Körper sich noch im Schlaf befindet, unser Verstand aber wach ist. Schlafparalysen mögen beängstigend wirken, sind gesundheitlich aber unbedenklich.
  • Bruxismus (Zähneknirschen)
    Nächtliches Zähneknirschen ist ebenfalls eine weit verbreitete Parasomnie. Hierbei drückt die betroffene Person die Zähne so stark aufeinander, dass langfristig mit Schäden an den Zähnen und den Kieferknochen gerechnet werden muss. In der Medizin wird zwischen phasischem (rhythmischem Knirschen) und tonischem (langanhaltendem Knirschen) Bruxismus unterschieden. In den „Knirsch-Pausen“ kann es dazu kommen, dass die Person im Schlaf redet.

Dr. Kathrin Frank sagt dazu: „Im Rahmen der genannten Parasomnien kann es doch auch häufiger zu nächtlichem Sprechen als Begleitphänomen kommen“.

Was kann man gegen Reden im Schlaf tun?

„Das Reden im Schlaf ist meistens unproblematisch“, mein Kathrin Frank. Sollte es allerdings häufiger vorkommen, kann es passieren, dass sich der Partner oder die Partnerin davon gestört fühlt. Bei Stress oder psychischer Belastung kann es helfen, eine gewisse Schlafhygiene zu beachten. Regelmäßige Schlafenszeiten, Einschlafrituale und kein Alkoholgenuss am späten Abend können stressbedingtes nächtliches Reden minimieren oder gar ganz verhindern.

Mit folgenden Tipps kannst du dich am Abend beruhigen:

  • Ein Tagebuch schreiben
    Mit einem Tagebuch kannst du deine Gedanken schon vor dem Zubettgehen sortieren. Meist dreht sich das Gedankenkarussell danach gar nicht erst.
  • Lesen
    Ein gutes Buch hat noch jeden beruhigt. Vorausgesetzt, das Buch ist nicht zu spannend oder aufregende.
  • Ein Spaziergang unternehmen
    Ein Spaziergang senkt den Cholesterinspiegel und das trägt zu einem erholsamen Schlaf bei. Zudem beruhigt er auch die Gedanken.

Mehr darüber findest du in unserem Artikel: „Abendrituale, die den Schlaf verbessern“.

Solltest du unter einer der genannten Parasomnien leiden, solltest du einen Arzt aufsuchen. Nimm eine Parasomnie auf keinen Fall auf die leichte Schulter. Beispielsweise steht die REM-Schlaf-Verhaltensstörung im Verdacht, neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson zu begünstigen.

Interview mit Dr. Kathrin Frank

MeinSchlaf: Frau Doktor Frank, ist im Schlaf reden normal?

Dr. Frank: Grundsätzlich handelt es sich beim Reden im Schlaf nicht um eine Krankheit. Fast die Hälfte aller Erwachsenen haben schon einmal im Schlaf gesprochen oder tun dies gelegentlich.

MeinSchlaf: Welche Ursachen kann Reden im Schlaf haben?

Dr. Frank: Verstärkt oder gehäuft kann das Reden im Schlaf im Rahmen von fieberhaften Infekten auftreten, nach Alkohol- oder Drogenkonsum oder auch bei vermehrten Stressphasen.

MeinSchlaf: Was kann man dagegen tun?

Dr. Frank: Das Reden im Schlaf ist meistens unproblematisch. Wenn es häufiger vorkommt, kann die Partnerin oder der Partner allerdings gestört sein. Wenn vermehrter Stress ursächlich ist, kann über Stressreduktion und Entspannungstraining eine Verbesserung erreicht werden. Grundsätzlich ist eine gute Schlafhygiene sinnvoll, also regelmäßige Bettzeiten, das Etablieren eines Einschlafrituals, kein Alkoholgenuss am Abend. Im Schlafzimmer sollten möglichst keine elektronischen Geräte (Fernseher, Handy, Computer) betrieben werden, die Atmosphäre im Schlafzimmer sollte ruhig und angenehm sein.

MeinSchlaf: Ist Reden im Schlaf ein Anzeichen einer Parasomnie?

Dr. Frank: Das Reden im Schlaf gehört nicht zur Gruppe der „Parasomnien“. Hierzu gehört zum Beispiel das Schlafwandeln, aber auch die Nachtangst (Pavor nocturnus) und ausgeprägte Albträume. Allerdings kann es im Rahmen der genannten Parasomnien doch auch häufiger zu nächtlichem Sprechen als Begleitphänomen kommen.

Dr. Frank, danke für das Gespräch.

Dr. Kathrin Frank ist Fachärztin für Innere Medizin, Schlafmedizin, Endokrinologie und Diabetologie DDG und Leiterin des Schlaflabors in Karlsruhe (www.schlaflabor-durlach.de).

Quellen:

Kindergesundheit-Info: Von Albträumen, Nachtschreck und Schlafwandlern.
MSD Manual: Parasomnien.
Springer Link: REM-Schlaf-Verhaltensstörung zeigt beginnende Neurodegeneration.
Ärzteblatt: Parasomnien im Erwachsenenalter.
PDF: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V.: Schlafwandeln: Wie kann ich damit umgehen?.

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Alexander Scherb

Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de