Schlafprobleme

Hormon-Präparate: Bei wem Melatonin nicht wirkt

Hormon-Präparate: Bei wem Melatonin nicht wirkt

Hormon-Präparate wie Melatonin genießen den Ruf bei Einschlafproblemen helfen zu können. Doch das muss nicht sein. Nicht jeder Mensch reagiert auf das künstliche Hormon gleich. Wir sagen dir, wer von Melatonin-Präparaten profitiert, und wer nicht.

Hormon-Präparate: Tabletten liegen auf einem Tisch vor blauem Hintergrund.
Viele Hormon-Präparate wie Melatonin versprechen schnelle Hilfe. Bild: AdobeStock/Novohatskiy Stanislav

Melatonin gilt als probates Mittel bei Schlafstörungen. Das Hormon kommt in unserem Körper ganz natürlich vor und macht uns schläfrig. Mehr zum Schlafhormon findest du in unserem Artikel über Melatonin.

Allerdings gibt es Melatonin auch in künstlicher Form als Tabletten oder Spray. Solche Hormon-Präparate können sinnvoll sein, wenn Menschen unter einem Mangel an Melatonin leiden. Beispielsweise produziert unser Körper im Alter nicht mehr so viel Melatonin, weshalb ältere Menschen auch weniger und schlechter schlafen.

Bei wem die Hormon-Präparate wirken und bei wem nicht

Der natürliche Gegenspieler von Melatonin heißt Cortisol. Das sogenannte „Stresshormon“ spielt beim Aufwachen eine Rolle. Es aktiviert unseren Stoffwechsel und startet unseren Kreislauf. Allerdings wird unser Schlaf-Wach-Rhythmus (zirkadiane Rhythmus) von viel mehr beeinflusst, als von diesen beiden Hormonen. Deshalb können Melatonin oder andere Hormon-Präparate nicht per se als Einschlafhilfe genommen werden.

Wissenschaftler raten folgenden Personen zu einer vorsichtigen Nutzung von Melatonin:

  • Personen ab dem 55. Lebensjahr, die ohne erkenntliche Ursache Probleme mit dem Einschlafen haben.
  • Schichtarbeitern, da sie oft im Hellen einschlafen müssen und zu dieser Zeit kein Melatonin vom Körper produziert wird.

Unnötig hingegen wird die Nutzung von Melatonin bei folgenden Personen gesehen:

  • Menschen, die unter Stress leiden.
  • Personen, die unter Schlafstörungen aufgrund von Alkoholkonsum oder falscher Ernährung leiden.
  • Menschen, die noch spät abends Sport treiben.
  • Personen, die aufgrund von Schmerzen nicht schlafen können. Hier sollte die Ursache bekämpft werden.
  • Personen, die jünger als 55 Jahre sind.

Frei erhältliches und rezeptpflichtiges Melatonin

Wenn du unter Schlafproblemen leidest und die Hormon-Präparate vernünftig anwenden willst, achte darauf keine rezeptfreien Melatonin-Präparate zu kaufen. In Deutschland sind die frei käufliche Hormon-Präparate so niedrig dosiert, dass sie keine Wirkung zeigen.

So zeigen Studien, dass die Wirkung von rezeptfreiem Melatonin die eines Placebos nicht übersteigen. Gehe bei anhaltenden Einschlafproblemen deswegen lieber zu einem Arzt oder einer Ärztin und lasse dir künstliches Melatonin verschreiben. Verschreibungspflichtiges Melatonin ist höher dosiert.

Wenn du mehr über Melatonin-Präparate wissen willst, lies unseren Artikel: „Melatonin zum Einschlafen: Wie gut sind Melatonin-Präparate?“ Dort steht uns zu diesem Thema Psychotherapeut und Somnologe Dr. Hans Günter Weeß Rede und Antwort.

Melatonin wird nicht von Krankenkassen übernommen

Am 13. Juni 2022 trat der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in Kraft, nachdem Hormon-Präparate mit Melatonin nicht von den Krankenkassen übernommen werden müssen. Damit müssen auch rezeptpflichtige Medikamente mit Melatonin vom Patienten selbst übernommen werden. Der Grund: Es gibt keine ausreichenden evidenzbasierten Daten, dass Melatonin oral eingenommen einen Effekt bei Schlafstörungen hat.

Ausgenommen sind die Präparate Circadin® und Slenyto®, die bereits in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen wurde.

Beratung zu Melatonin gibt es in der Apotheke

Seit Oktober 2020 sind Krankenkassen dazu verpflichtet, Beratungen von Apotheken-Mitarbeitern zu vergüten. Durch diesen Schritt wird die Apotheke vor Ort erheblich gestärkt. Solltest du also unsicher beim Kauf eines frei erhältlichen Melatonin-Präparats (oder andere Hormon-Präparate) sein, scheue dich nicht den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin der Apotheke zu fragen. Sie stehen dir mit Rat und Tat zur Seite.

„Gezielt können jetzt Apothekerinnen und Apotheker Erkrankte mit einer Reihe wichtiger gesundheitsbegleitender Maßnahmen noch besser unterstützen. So zum Beispiel durch Einübung von Inhalationstechniken […]“, sagt Patrick Heinz, Geschäftsführer der Deutschen Gesundheitshilfe DGH e.V. Die Selbstmedikation erlangt in der Bevölkerung einen immer höheren Stellenwert. Neben der Verpflichtung zur Beratung obliegt den Apotheken damit eben auch eine hohe Verantwortung.

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Alexander Scherb

Senior Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de