Schlafprobleme

Elektrosmog: Wie gefährlich ist er für unseren Schlaf?

Elektrosmog: Wie gefährlich ist er für unseren Schlaf?

Immer wieder hört man, dass Elektrosmog gefährlich sein soll. Und in unserem Schlafzimmer haben die elektrischen Geräte im Laufe der Jahre zugenommen. Stört Elektrosmog etwa einen erholsamen Schlaf? Wir suchen nach Antworten.

Elektrosmog: Junge Frau liegt mit Kopfschmerzen im Bett.
Hat Elektrosmog Auswirkungen auf unseren Schlaf? Bild: iStock

Zwar ist der Begriff Elektrosmog erst einige Jahrzehnte alt, die Diskussion, ob elektromagnetische Strahlung für den Menschen gefährlich ist, wird allerdings schon seit Ende des 19. Jahrhunderts geführt. Mit Einführung des 5G-Netzes in Deutschland hat die Debatte einen neuen Höhepunkt erreicht.

Dabei muss man für ein diskussionswürdiges Thema die eigenen Wände überhaupt nicht verlassen. Gerade im Schlafzimmer sammeln sich immer mehr elektrische Geräte. Laptops, Tablets und Smartphones – sie alle werden zum Binge-Watching, Spielen oder als Wecker genutzt. Ist das noch gesund?

Was versteht man unter Elektrosmog?

Elektrosmog ist in erster Linie ein Kunstwort (ähnlich wie der Begriff Superfood), welcher die angebliche Belastung des Menschen und der Umwelt durch elektrische und elektromagnetische Felder bezeichnet. Der Begriff setzt sich aus den Begriffen „Elektromagnetische Strahlung“ und dem Begriff „Smog“ zusammen. Smog ist dabei wiederum selbst ein Kunstbegriff und setzt sich aus den englischen Wörtern „Smoke“ (Rauch) und „Fog“ (Nebel) zusammen.

Mit dem Begriff Smog wurde zu Beginn die starke Luftverschmutzung Londons Anfang des 20. Jahrhundert bezeichnet. Später beschrieb dieser Begriff generell die innerstädtische Belastung der Luft durch Abgase. Heutzutage ist mit Smog allgemein die Ansammlung von Schadstoffen in der Luft gemeint. Allerdings müssen die Schadstoffe von der Luft getragen werden. Elektromagnetische Felder gehören nicht dazu.

Wo kommen elektromagnetische Felder vor?

Elektromagnetische Felder kommen überall in der Natur vor. Beispielsweise bei Gewitter oder auch das Magnetfeld der Erde, welches uns vor der kosmischen Strahlung schützt. Deswegen sind elektromagnetische Felder auch nicht per se schädlich für uns. Im Gegenteil. Gäbe es das Magnetfeld der Erde nicht, würden wir innerhalb kürzester Zeit durch die Strahlung der Sonne sterben. Künstliche elektromagnetische Felder kommen überall vor, wo Strom fließt. Dabei treten sowohl hoch- als auch niederfrequente Felder auf.

Was ist der Unterschied zwischen den Feldern?

Dafür muss man zunächst zwischen elektromagnetischen Gleichfeldern und elektromagnetischen Wechselfeldern unterscheiden. Gleichfelder besitzen immer eine Frequenz von Null und können nur sehr nahe der Quelle gemessen werden. Warum besitzen Gleichfelder immer eine Frequenz von Null?

Als Frequenz bezeichnet man die regelmäßige Änderung der Stromspannung. Die Anzahl der Änderungen pro Sekunde wird in der Maßeinheit Hertz (Hz) gemessen. Deswegen haben Gleichfelder eine Frequenz von Null. Wechselfelder mit einer Stromspannungsänderung (Schwingungsbereich) von bis zu 30.000 Hertz (30 kHz) werden niederfrequente Felder genannt. Wechselfelder mit einem Schwingungsbereich bis 300 GHz (300 Milliarden Hertz) werden als hochfrequente Felder bezeichnet.

Wichtig: Die Frequenz sagt nichts über die Auswirkung eines elektromagnetischen Feldes auf den menschlichen Körper aus!

Kann man elektromagnetische Felder messen?

Im Gegensatz zum Smog, den man häufig als dichte Dunstglocke über Städten sehen kann, ist „Elektrosmog“ unsichtbar. Kann man elektromagnetische Strahlung messen? Ja, das geht. Dabei muss man allerdings darauf achten, ob es sich um die oben genannten niederfrequenten oder hochfrequenten Felder handelt.

1. Hochfrequente elektromagnetische Felder

Hochfrequente elektromagnetische Felder liegen in einem Schwingungsbereich bis 300 Gigahertz. In diesem Bereich senden beispielsweise:

  • Mobilfunksendemasten
  • Radio- und Fernsehsender
  • Mikrowellen
  • das heimische WLAN

Felder in diesem Schwingungsbereich durchdringen dünne Mauern, Fenster und Dachziegel. Lehm oder Stahlbeton reflektieren die Strahlung (in Teilen oder ganz).

2. Niederfrequente elektromagnetische Felder

Niederfrequente Felder liegen in einem Schwingungsbereich bis 30 Kilohertz und treten überall auf, wo Strom verteilt oder verbraucht wird, beispielsweise an Hochspannungsleitungen. Ab einer Entfernung von 50 Metern lassen sich diese Felder kaum noch messen. Sie können Wände und Fenster nicht durchdringen, allerdings haben wir zahlreiche kleine elektromagnetische Felder in unserer Wohnung, da jede Steckdose, jeder Trafo und Elektromotor solch ein Feld ausstrahlt.

Beide Feld-Typen sind mit speziellen Messgeräten messbar. In Deutschland gibt es Richtwerte für elektromagnetische Felder, die nicht überschritten werden dürfen. Die Grenzwerte für elektromagnetische Felder – sowohl hochfrequente als auch niederfrequente – findest du auf der Webseite des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS). Die Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes findest du auf der Webseite des Bundesministeriums für Justiz.

Gibt ein Smartphone ein elektromagnetisches Feld ab?

Ja, dein Smartphone gibt ein hochfrequentes elektromagnetisches Feld zwischen 390 Megahertz und 5,8 Gigahertz ab. Nutzt du bereits die neue 5G-Technologie kann dieses Feld sogar bis 26 Gigahertz betragen. Auch, wenn dein Smartphone mit dem WLAN deiner Wohnung verbunden ist, gibt es dieses Feld ab. Mehr dazu findest du auf der Webseite des BfS unter „Tipps für Nutzer*innen von Smartphones und Tablets“.

Elektrosmog: Wie gefährlich sind die elektromagnetischen Felder?

Versteht man unter Elektrosmog die Verbreitung von elektromagnetischen Feldern, dann hat diese in den letzten Jahrzehnten extrem zugenommen. Mittlerweile laufen wir alle mit hochfrequenten Feldern in der Hosentasche herum. Wie gefährlich ist das?

Da diese Frage auch seit geraumer Zeit Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Forschungen ist, untersuchte das Umweltbundesamt die Auswirkung von niederfrequenten Feldern auf den Menschen. Folgende Erkrankungen und Beschwerden wurden im Zusammenhang mit Elektrosmog untersucht:

  • Bei Kindern: Leukämie
  • neurodegenerative Erkrankungen (Erkrankungen des Nervensystems)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Verschlechterung des Blutbilds und des Immunsystems
  • Abnahme der Fruchtbarkeit
  • Brustkrebs
  • Hirntumore
  • Eine direkte Schädigung unserer DNS

Das Umweltbundesamt

Das Umweltbundesamt kam zu dem Ergebnis, dass niederfrequente elektromagnetische Felder keine der genannten Erkrankungen und Beschwerden auslösen, weshalb diese Felder innerhalb der Grenzwerte als unbedenklich angesehen werden.

Die Weltgesundheitsorganisation

Die WHO ging sogar noch einen Schritt weiter und untersuchte 25.000 veröffentlichte wissenschaftliche Artikel zum Thema Gefährlichkeit von hoch- und niederfrequenten elektromagnetischen Feldern. Auch sie kam zu dem Schluss, dass nach heutigem Wissensstand keine Gefahr von elektromagnetischen Feldern ausgeht.

Allerdings geben beide Institutionen zu, dass noch weitere Forschung nötig sind. Beide Berichte findest du unten in unserer Quellenangabe.

Übrigens: Bekannt ist, dass bestimmt niederfrequente Felder Herzflimmern und Muskelverkrampfungen auslösen können.

Elektrosmog und Schlaf: Gibt es Auswirkungen?

Eine vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Naturschutz (BMUV) durchgeführte Studie konnte nachweisen, dass es keinen Hinweis auf gesundheitsschädigende Einflüsse hochfrequenter elektromagnetischer Feder gibt. Allerdings wurde auch festgestellt, dass eine subtile Auswirkung auf das Einschlafverhalten der Probanden möglich ist.

So verlängerte sich die Einschlafzeit bei neun Prozent aller Probanden, wurde der „Elektrosmog“ verringert. Wohingegen sich die Einschlafzeit verkürzte, wurde das hochfrequente elektromagnetische Feld verstärkt. Beachtenswert ist die Menge der Studienteilnehmer. Mit insgesamt 44 Personen ist die Studie keinesfalls repräsentativ.

Eine Studie der Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation des Schweizer Departement des Inneren (EDI) kommt ebenfalls zu den Ergebnis, dass die elektromagnetischen Felder von Smartphones zwar unsere Gehirnaktivität während des Schlafs beeinflussen, unsere Schlafqualität davon aber nicht betroffen ist.

Muss ich mich vor Elektrosmog schützen?

Laut sämtlichen öffentlichen Quellen ist ein Schutz vor Elektrosmog nach derzeitigem Wissensstand nicht nötig. Hältst du dich selbst allerdings für elektrosensibel, gibt es ein paar Tipps, wie du dich verhalten kannst.

  • Lasse Smartphone, Tablet und Co. aus dem Schlafzimmer.
  • Nutze die Geräte auch tagsüber so wenig wie möglich.
  • Halte beim Telefonieren das Smartphone oder das Funktelefon nicht direkt ans Ohr.
  • Nutze keine Bluetooth-Kopfhörer oder andere Funk-Geräte.

Eine Smartphone-Abstinenz im Schlafzimmer hat auch noch eine andere positive Auswirkung: Du kommst schneller zur Ruhe. Im Gegensatz zum Elektrosmog hat das Nutzen sozialer Medien vor dem Zubettgehen einen nachgewiesenen schlechten Einfluss auf unser Schlafverhalten.

Quellen:

Hamburg.de: Elektrosmog: Häufig gestellte Fragen.
Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz: Elektromagnetische Felder Grenzwerte, Empfehlungen und Messungen.
Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation: Gesundheit – Schlafverhalten.
PDF: WHO: Was sind elektromagnetische Felder?
PDF: Umweltbundesamt: Gesundheitliche Risiken durch die niederfrequenten Felder der Stromversorgung – Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse und offene Fragen.
PDF: BMVU: Untersuchung der Schlafqualität bei elektrosensiblen Anwohnern von Basisstationen unter häuslichen Bedingungen.
PDF: Bundesamt für Strahlenschutz: Strahlung und Strahlenschutz.

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Alexander Scherb

Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de