Schlaflexikon

Somniloquie

Somniloquie

Somniloquie ist der Fachbegriff für Sprechen im Schlaf. Meist ungefährlich, kann Somniloquie auch einen ernsten Hintergrund haben. Was die Auslöser für Somniloquie sind, ob das Sprechen im Schlaf gefährlich ist und was man dagegen tun kann, erfährst du in diesem Artikel.

Somniloquie: Mann schläft und Frau schaut ihn amüsiert an.
Keine Sorge: Wer unter Somniloquie leidet, plaudert keine Geheimnisse aus. Bild: iStock/nd3000

Menschen die sagen, sie haben geschlafen wie ein Baby, meinen damit, dass sie besonders gut und erholsam geschlafen haben. Eigentlich könnte es aber bedeuten, dass diese Menschen besonders viel im Schlaf gesprochen haben, denn Babys und Kleinkinder brabbeln häufig im Schlaf.

Bei Kindern ist Somniloquie auch kein Grund zur Sorge. Bei erwachsenen Menschen sieht das anders aus. Tritt bei ihnen dieses Phänomen regelmäßig auf, kann es durchaus ein Zeichen einer Erkrankung sein. Ab wann Somniloquie gefährlich wird, was man dagegen tun kann und auf welche Krankheiten das Sprechen im Schlaf hinweisen kann, erläutern wir in diesem Artikel.

Was ist eine Somniloquie?

Somniloquie ist der medizinische Fachbegriff für das Reden im Schlaf. Per Definition muss keine deutliche Aussprache mit Sätzen stattfinden, damit eine Somniloquie vorliegt. Es reicht eine rudimentäre Vokalbildung oder einzelne Worte. Das Sprechen im Schlaf tritt im Kindesalter sehr häufig auf und ist auch im Erwachsenenalter nur selten ein Grund zur Sorge. Etwa 50 Prozent aller Kinder reden im Schlaf und immerhin noch fünf Prozent aller Erwachsenen geben Worte im Schlaf von sich.

Natürlich liegt nicht bei allen Betroffenen eine Erkrankung vor. Wer hin und wieder im Schlaf spricht, muss keine ernstzunehmende Krankheit befürchten. Allerdings kommt es auf die Häufigkeit des Phänomens an. Tritt eine Somniloquie nur unter bestimmten Umständen auf, ist das kein Problem. Ist sie aber eine über Jahre anhaltende Erscheinung (beispielsweise durch Schlafstörungen), sollte die betroffene Person einen Arzt aufsuchen, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Träume als Auslöser von Somniloquie

Schlafmediziner nehmen an, dass 90 Prozent aller Menschen schon einmal im Schlaf gesprochen haben oder in – mehr oder weniger langen – Abständen sprechen. Dies ist ganz normal. Zwar reden wir in allen Schlafphasen, außer der Tiefschlafphase, in der REM-Phase tritt dieses Phänomen aber besonders häufig auf, wenn wir träumen. Ebenso, wie wir unsere Erlebtes in Träumen verarbeiten, verarbeiten wir unsere Träume in dieser Schlafphase verbal.

Tatsächlich kommt es sogar sehr oft vor, dass wir während eines Traums fluchen. Treten diese Phasen selten und kurzfristig auf, ist daran nichts Ungewöhnliches. Problematisch wird es, wenn wir regelmäßig während Träumen reden. Die folgenden Ursachen kann das Sprechen im Schlaf dann haben:

Welche Ursachen kann eine Somniloquie haben?

Spricht eine Person im Schlaf, kann das ganz unterschiedliche Gründe haben. Manchmal ist das Phänomen periodisch und verschwindet nach einer Zeit wieder. Häufig tritt eine Somniloquie neben stressbedingten Schlafstörungen auf. Auch andere Gründe können vorliegen, beispielsweise, wenn die Person:

  • unter Fieber leidet.
  • Alkohol konsumiert hat.
  • Albträume erlebt

Dabei kann es vorkommen, dass die Person komplexe differenzierte Monologe mit ganzen Sätzen äußert. Das Benutzen von Worten im Schlaf kann aber auch schwerwiegendere Auslöser haben oder Teil einer Parasomnie sein. Beispielsweise bei:

Somniloquie ist bei all diesen Erkrankungen aber nicht das einzige Symptom. Personen, die im Schlaf sprechen, aber keinerlei andere Symptome zeigen, leiden höchstwahrscheinlich nicht unter einer der hier aufgeführten Erkrankungen, sondern unter einer „Sprech-Episode“.

Kann man das Sprechen im Schlaf behandeln?

Tritt eine Somniloquie nur kurzfristig auf, ist eine Behandlung nicht nötig. Als Symptom einer Parasomnie ist in erster Linie diese zu behandeln und nicht das Reden im Schlaf. Auch als Zeichen einer schwerwiegenderen Erkrankung sollte das Sprechen im Schlaf bei Patienten nur zweitrangig behandelt werden. Meist verschwindet es beim Patienten bei der Behandlung der auslösenden Krankheit.

Erscheint das Sprechen im Schlaf regelmäßig und kann keine Erkrankung festgestellt werden oder wird trotz Behandlung keine Besserung erreicht, kann beim Patienten der Einsatz von Medikamenten oder Schlafmitteln helfen. Doch Vorsicht, dieser sollte nur mit Absprache eines Arztes oder einer Ärztin geschehen. Auch der Aufenthalt in einem Schlaflabor ist ratsam. Dort können Mediziner genauer auf die Erscheinung des Patienten eingehen. Abseits dessen kannst du auch persönlich etwas gegen Somniloquie tun:

  1. Sorge für eine gute Schlafhygiene
    Regelmäßiges Zubettgehen, bestimmte Abendrituale und keine elektronischen Geräte sind ideale Bedingungen, um den Geist zu beruhigen. Schlafhygiene hilft nicht nur gegen Schlafstörungen, häufig verschwinden dann auch die nächtlichen Sprecheinlagen.
  2. Achte auf eine gute Schlafumgebung
    Ist dein Schlafzimmer leise? Hast du eine bequeme Matratze? Ist deine Bettdecke nicht zu warm? All diese Dinge können nicht nur Schlafstörungen beseitigen, sondern auch einer Somniloquie entgegenwirken.
  3. Power dich aus
    Egal ob mit Sport, Yoga oder einer anderen körperlichen Betätigung: Ein erschöpfter Körper schläft ruhiger und erholsamer. Achte aber darauf, dass du dich nicht später als zwei Stunden vor dem Zubettgehen körperlich betätigst. Auch dieses Mittel hilft ebenfalls gegen Schlafstörungen.

Somniloquie bei einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung

Bei einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung treten neben sprachlichen Äußerungen im Schlaf auch aggressive Bewegungen des Patienten auf (beispielsweise Wedeln mit den Armen, Treten und Boxen). Bei dieser Erkrankung sind die Muskeln der betroffenen Person nicht schlaff, wie es für die REM-Phase typisch ist, sondern werden vom zentralen Nervensystem angesteuert.

Eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung kann ein frühes Anzeichen einer Parkinson-Krankheit sein. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie fand heraus, dass 80 Prozent der Betroffenen einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung im Laufe der Zeit eine Parkinson-Krankheit entwickeln. Eine Behandlung des Patienten kann mit einem krampflösenden Medikamenten geschehen. Beispielsweise mit Clonazepam.

Reden im Schlaf als Symptom der Parkinson-Krankheit

Leidet der betroffene Patient bereits unter der Parkinson-Krankheit und fängt an im Schlaf Sätze zu sprechen, ist dies ein Zeichen des Fortschreitens der Erkrankung (gilt nur, wenn die Person vor der Parkinson-Erkrankung nicht im Schlaf gesprochen hat). Selten bleibt es dann bei einer Somniloquie. Da auch bei der Parkinson-Krankheit die Paralyse in der REM-Phase fehlt, kommt es hier häufig neben Sprechen zu Tritten und Schlägen des Patienten im Schlaf.

Aktuelle Studien haben gezeigt, dass dieses Schlafverhalten, neben einem Risiko für eine Verschlechterung der Parkinson-Krankheit, auch ein erhöhtes Risiko für eine Demenz anzeigt. Von einer gesonderten Behandlung der Verhaltensstörung beim Patienten sehen viele Ärzte in diesem Zusammenhang ab, da in den meisten Fällen eine Behandlung der Parkinson-Krankheit ausreicht, um auch die Verhaltensstörung zu reduzieren.

Somniloquie und Schlafwandeln

Bei Schlafwandeln handelt es sich um eine Parasomnie, bei der als Nebeneffekt auch eine Somniloquie auftreten kann. Generell ist Schlafwandeln nicht gefährlich. Allerdings kann es neben der Verletzungsgefahr beim Schlafwandeln durch die fehlende Nachtruhe auch zu folgenden Beschwerden kommen:

  • Tagesschläfrigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Antriebslosigkeit

Ist das Schlafwandeln ein andauerndes Phänomen, sollten ein Arzt oder eine Ärztin andere Erkrankungen ausschließen. Dazu gehören in diesem Zusammenhang auch die oben genannten Parkinson-Krankheit, REM-Schlaf-Verhaltensstörung, aber auch Epilepsie und andere psychische Störungen.

Schlafwandelnde Personen sollten niemals geweckt werden. Dies könnte sie verstören und in Panik versetzen. Auch kann es zu aggressivem Verhalten kommen. Schlafwandler sollten möglichst behutsam ins Bett zurückgebracht werden.

Somniloquie bei Kindern

Das Sprechen im Schlaf kommt bei Kindern wesentlich häufiger vor als bei Erwachsenen und ist nichts Ungewöhnliches. Fast die Hälfte aller Kinder redet im Schlaf. Das Phänomen verschwindet meist spätestens während der Pubertät. Es besteht keine Gefahr auf eine Erkrankung. Das kindliche Gehirn befindet sich noch in der Entwicklung, wodurch es zu Schlafwandeln, Somniloquie und ähnlichen Ereignissen kommen kann.

Bei Kindern gilt das Gleiche, wie bei Erwachsenen. So lange keine Gefahr besteht: das Kind einfach reden lassen. Sollte es in diesem Zusammenhang auch noch schlafwandeln, sollte es behutsam wieder ins Bett geführt werden, ohne dass es geweckt wird.

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Quellen:

MSD Manual: Parasomnien
Ärzteblatt: Parasomnien im Erwachsenenalter
Gesundheitsinformationen: Epilepsie

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Alexander Scherb

Senior Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de