Schlaflexikon

Schlafapnoe

Schlafapnoe

Damit wir uns rundum wohlfühlen und unser vollständiges Leistungspotenzial entfalten können, benötigen wir ausreichend Schlaf. Dabei kommt es jedoch nicht nur auf die Anzahl der Stunden an, die wir schlummernd verbringen. Ebenso entscheidend ist die Qualität der Nachtruhe. Und genau die leidet bei einer Schlafapnoe erheblich.

Als Schlafapnoe bezeichnet man eine abnormale Atmung während des Schlafs. Wie gefährlich sind Atemaussetzer und was kann man tun?
Diese Frau trägt aufgrund ihrer Schlafapnoe ein CPAP-Gerät. Bild: iStock

Was ist Schlafapnoe?

Der Begriff Apnoe stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „ohne Atmung“. Das heißt natürlich nicht, dass wir während des gesamten Schlafs kein einziges Mal Luft holen. Vielmehr handelt es sich um ständig wiederkehrende Atemaussetzer, die jeweils mehrere Sekunden dauern. Je länger und intensiver diese Atempausen ausfallen, desto schwerwiegender sind auch die Folgen.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Arten: der zentralen (ZSA) und der obstruktiven Schlafapnoe (OSA). Bei der ZSA, die nur zehn Prozent aller Schlafapnoe-Patienten betrifft, sind die Atemwege im Prinzip frei. Hier sendet das Gehirn kurzzeitig keine Signale an die Atemmuskulatur, sodass diese ihre Arbeit einstellt. Sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut zu stark, setzt sie wieder ein. Möglich ist auch eine Mischform aus OSA und ZSA.

Obstruktive Schlafapnoe (OSA)

Bei dieser weitaus häufigeren Form setzt die Luftzufuhr zeitweise aus, weil die oberen Atemwege zu eng sind. Das wiederum kann mehrere Ursachen haben, wie die Deutsche Lungenstiftung und der Verband pneumologischer Kliniken ausführen.

Ursachen für Schlafapnoe

„Bei einem Schlafapnoe-Syndrom verschließen sich die oberen Atemwege beim Einatmen, zum Beispiel durch Zurücksinken der Zunge“, erklärt Nicolas Bauer, Hals-Nasen-Ohren-Arzt mit Zusatzausbildung Schlafdiagnostik. „Übergewicht ist daher einer der größten Risikofaktoren für ein Schlafapnoe-Syndrom.“ Hinzu kommen noch weitere mögliche Ursachen. Die wichtigsten davon im Überblick:

Anatomische Verengung

Gekrümmte Nasenscheidewände, vergrößerte Polypen oder Rachenmandeln sowie Kieferfehlstellungen können die Luftzufuhr vermindern.

Übergewicht

Übergewichtige Menschen sind überdurchschnittlich oft von OSA betroffen, weil Fettablagerungen die Atemwege blockieren können.

Infektionen und Allergien

Schwellen die Nasenschleimhäute an, verursachen sie engere Atemwege. Auslöser können allergische Reaktionen oder Erkältungen sein.

Rückenlage

Beim Liegen auf dem Rücken kann die Muskelentspannung während des Schlafs dazu führen, dass die erschlaffte Zunge nach hinten rutscht und dadurch vorübergehend die Luftröhre verdeckt.

Eingenommene Substanzen

Verschiedene Medikamente (vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel), Alkohol und auch Drogen lassen die Muskeln von Gaumensegel und Zunge erschlaffen.

Symptome, die du kennen solltest

Bei Symptomen sprechen wir von Anzeichen, die auf eine Schlafapnoe hindeuten. Wenn du mehrere davon an dir feststellst, ist die Wahrscheinlichkeit für nächtliche Atemaussetzer ziemlich hoch. Ob du wirklich davon betroffen bist, klärt am besten ein Arzt.

Mögliche Hinweise:

  • Schnarchen
  • Tagesmüdigkeit, eventuell mit Sekundenschlaf
  • Konzentrationsstörungen
  • Restless-Legs-Syndrom
  • Trockene Kehle am Morgen
  • Kopfschmerzen beim Aufwachen
  • Schwitzen in der Nacht
  • Nächtlicher Blasendrang
  • Abruptes Aufwachen in der Nacht

Mehr zu diesen Anzeichen und wie sie sich im Detail zeigen, erfährst du in unserem Artikel Schlafapnoe – Symptome.

Folgen von Schlafapnoe

Die nächtlichen Atempausen setzen den Körper unter enormen Stress. Laut den Lungenärzten im Netz veranlasst das Atemzentrum eine Verstärkung der Atembemühungen, was zu einem Anstieg von Blutdruck, Herzfrequenz und Muskelspannung führt. Diese „Weckreaktion“ macht die Betroffenen nicht wirklich wach, lässt sie aber auch nicht ruhig schlafen.

Folgen sind zum einen die bereits erwähnte Tagesmüdigkeit und Konzentrationsschwächen. Vor allem, wenn diese auch zu Sekundenschlaf führen, steigt das Risiko für Unfälle. Sehr häufig kommt es auch zu Bluthochdruck, der wiederum zu Diabetes, Schlaganfall und Herzinfarkt führen kann.

Generell sorgt Schlafapnoe für einen erheblichen Verlust an Lebensqualität. Wer nie richtig erholsam schlafen kann, ist selten ausgeglichen.

Diagnose der Schlafapnoe

Wenn du den Verdacht auf eine Schlafapnoe hast, wendest du dich am besten an deinen Hausarzt. Du kannst aber auch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Lungenfacharzt aufsuchen. In einem Gespräch wird geklärt, ob du Vorerkrankungen hast und wie deine Lebens- und Schlafgewohnheiten aussehen. Nach einer körperlichen Untersuchung ergibt sich die weitere Vorgehensweise.

Ambulante Polygraphie

Besteht der Verdacht auf Schlafapnoe, erfolgt eine Messung verschiedener Werte wie Puls, Atemluftstrom und Sauerstoffsättigung im Blut. Das geschieht über ein kleines Gerät, das du über Nacht mit nach Hause bekommst. Während du ganz normal schläfst, zeichnet es die Werte auf.

Schlaflabor

Ergab die ambulante Polygraphie Atemaussetzer, kommst du in der Regel für ein bis drei Nächte in ein Schlaflabor. Dort verkabelt man dich und misst weitere Werte wie die einzelnen Schlafphasen, den Herzrhythmus sowie die Hirnströme. Dabei wird gleich getestet, wie effektiv eine Atemmaske ist.

Schlafapnoe – Behandlung

Je nachdem, welche Ursachen vorliegen und wie stark die gesundheitliche Beeinträchtigung ausfällt, bieten sich unterschiedliche Behandlungsmethoden an. Nicolas Bauer: „Bei einem leichten Schlafapnoe-Syndrom kann schon eine Gewichtsreduktion ausreichend sein. „Goldstandard ist jedoch eine Überdruckbeatmung mit einem sogenannten CPAP-Gerät, welches in einem Schlaflabor angepasst wird.“

Was tun bei Schlafapnoe?

„Bei manchen Betroffenen hilft es, einfach nur die Rückenlage zu vermeiden“, so Nicolas Bauer weiter. „Hier können spezielle Kissen im Rücken helfen, sich nicht in diese Position zu drehen.“ Übergewichtige sollten zudem daran arbeiten, ihr Gewicht zu reduzieren. Zudem lohnt es sich, die eigene Schlafhygiene auf den Prüfstand zu stellen.

Alternativen zur Atemmaske

In vielen Fällen kommen Atemmasken (die bereits erwähnten CPAP-Geräte) zum Einsatz. „Es gibt aber auch operative Maßnahmen, wenn zum Beispiel der Hals bereits durch sehr große Mandeln eingeengt ist“, erläutert Nicolas Bauer. „Bei massiv behinderter Nasenatmung kann gegebenenfalls auch hier ein operativer Eingriff helfen. Des Weiteren gibt es auch Schienen, die das Zurücksinken des Unterkiefers verhindern sollen. Für wen welche Maßnahme sinnvoll ist, kann man pauschal nicht beantworten, da man die individuelle Situation des Patienten unbedingt miteinbeziehen muss.“

Dr. med. Nicolas Felix Bauer ist niedergelassener Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde mit Zusatzqualifikation Schlafdiagnostik in Schwabach. Er berät regelmäßig Patienten mit Schlafstörungen und führt ambulante Polygraphien durch.

Quellen:

Autor Profilbild

MeinSchlaf.de