Schlaflexikon

Schichtarbeitersyndrom

Schichtarbeitersyndrom

Das Schichtarbeitersyndrom bezeichnet eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus’ durch die Folgen von ständig wechselnden Arbeitszeiten. Unser Artikel betrachtet die Ursachen des Schichtarbeitersyndroms, erklärt die Symptome und nennt verschiedene Behandlungsmethoden.

Schichtarbeitersyndrom: Mann liegt wach im Bett.
90 Prozent aller Schichtarbeitenden sind irgendwann vom Schichtarbeitersyndrom betroffen. Bild: iStock

Bevor wir zum Schichtarbeitersyndrom kommen, müssen wir erst von unserer inneren Uhr sprechen. Wenn wir von innerer Uhr sprechen, meinen wir damit meist unseren zirkadianen Rhythmus, unseren Schlaf-Wach-Rhythmus. Er bestimmt, wann wir müde werden und wann wir aufwachen. Dafür nutzt unser Körper ein ausgeklügeltes System aus Hormonen – eines der wichtigsten dabei ist das Hormon Melatonin, welcher häufig auch Schlafhormon genannt wird.

Wird es dunkel, beginnt unser Körper mit der Ausschüttung des Botenstoffs Melatonin. Melatonin signalisiert, dass wir müde werden. Wird es dagegen hell und es dringt Licht in unser Schlafzimmer (auch andere Faktoren spielen eine Rolle) stellt unser Körper die Melatoninproduktion wieder ein – wir wachen (im besten Fall) erholt auf. Obwohl jeder Menschen seinen ganz eigenen zirkadianen Rhythmus hat, lassen wir uns doch grob in drei Kategorien einteilen:

  • Der späte Zubettgeher und Langschläfer (Eule)
  • Der frühe Zubettgeher und Frühaufsteher (Lerche)
  • Der Normaltyp, der zwischen den beiden anderen Kategorien liegt.

Was ist das Schichtarbeitersyndrom?

Beim Schichtarbeitersyndrom handelt es sich um eine zirkadiane Rhythmusstörung – also eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus – ausgelöst durch die häufige Verschiebung der Schlafzeiten. Die innere Uhr der Betroffenen gerät durcheinander, es treten Schlafstörungen auf.

Statistisch gesehen sind rund 90 Prozent aller Schichtarbeitenden im Laufe ihres Arbeitslebens mindestens einmal von Schlafstörungen durch eine zirkadiane Rhythmusstörung betroffen. Unserem Staat sind die Probleme durch Schichtarbeit durchaus bewusst, weswegen es spezielle Abschnitte im Arbeitszeitengesetz nur für Nacht- und Schichtarbeit gibt.

Welche Symptome äußern sich?

Beim Schichtarbeitersyndrom finden sich ähnliche Symptome wie bei vielen Leiden, die Schlafstörungen verursachen. Dazu gehören beispielsweise:

Folgende Symptome sind für das Schichtarbeitersyndrom typisch:

Die Schwere der Symptome kann stark schwanken. Meist steht sie proportional zur

  • Größe der Schichtänderung,
  • Länge der Schichten,
  • Häufigkeit der Schichtänderungen gegen den Uhrzeigersinn,
  • Häufigkeit der Schichtwechsel generell und
  • Anzahl der aufeinanderfolgenden Nächte, in denen im Schichtdienst gearbeitet wird.

Die Symptome sind also umso schwerer, je mehr und/oder stärker einer oder mehrere der oben genannten Punkte auftreten.

Was kann ich gegen die Schlafstörungen tun?

Sind die Beschwerden durch das Schichtarbeitersyndrom zu stark, solltest du dich auf jeden Fall in Behandlung begeben. Mehr dazu findest du im nächsten Abschnitt. Sind die gesundheitlichen Probleme allerdings noch nicht so stark, gibt es zahlreiche Hilfen, Tipps und Tricks, wie du deinen Schlaf verbessern kannst.

  1. Achte auf deine Schlafhygiene
    Normalerweise gehört eine regelmäßige Schlafenszeit zur Schlafhygiene. Da diese bei Schichtarbeitenden nicht gegeben ist, solltest du verstärkt auf andere Dinge achten. Dazu gehören unter anderem ein aufgeräumtes Schlafzimmer, die richtige Schlaftemperatur, keine elektrischen Geräte im Bett zu benutzen, leicht zu essen und regelmäßige Abendrituale zu entwickeln. Mehr zu diesem Thema findest in unserem Artikel über Schlafhygiene.
  2. Nutze verschiedene Hilfsmittel
    Von der Schlafmaske über die Tageslichtlampe bis hin zur Gewichtsdecke: Es gibt viele kleine und große Helfer, die deinen Schlaf unterstützen können. So kann dich die richtige Schlafmaske (beispielsweise die Schlafmaske von Zerkar mit integrierten Bluetooth-Kopfhörern) vor der (tagsüber) lauten und hellen Außenwelt abschirmen. Eine Gewichtsdecke (wie die Gewichtsdecke von Cura of Sweden) wiederum kann zur Serotonin-Ausschüttung beitragen. Auch das Glückshormon ist für einen erholsamen Schlaf sehr wichtig. Eine Tageslichtlampe (hier eine Tageslichtlampe von Soulcker) hilft vor allem während Nachtschichten, da sie die Bildung von Melatonin verhindern kann.
  3. Verdunkle dein Schlafzimmer
    Sehr wichtig, um die Melatoninausschüttung anzukurbeln: Nutze Verdunkelungsgardinen. Diese speziellen Vorhänge sind nicht nur lichtundurchlässig, sie mildern auch Lärm, der von draußen durch die Fenster dringt und wirken klimaregulierend – besonders hilfreich im Sommer, wenn es tagsüber sehr warm werden kann. Gute Verdunkelungsgardinen gibt es beispielsweise von Pony Dance.
  4. Nimm künstliches Melatonin ein
    Das Schlafhormon gibt es mittlerweile in Tablettenform und als Melatonin-Spray für Nase und Mund. Doch Vorsicht: Melatonin-Tabletten sind meist verschreibungspflichtig. Generell solltest du künstliches Melatonin nur nach Absprache mit deinem Hausarzt oder deiner Hausärztin einnehmen. Zudem solltest du dir bewusst sein, dass zugeführtes Melatonin nicht unbedingt wirkt. In unserem Artikel „Schlafstörungen: Bei wem Melatonin nicht wirkt“ gehen wir genauer auf die verschiedenen Personengruppen ein.
  5. Nutze die Kraft der Pflanzen
    Egal ob als Tee, Tabletten, Raumdüften oder Kissendüften: Baldrian, Lavendel, Hopfen und viele andere Pflanzen können dir beim Einschlafen helfen. Sie besitzen ganz natürliche Stoffe, die unsere Melatonin- und Serotonin-Ausschüttung unterstützen und so zu einem erholsamen und natürlichen Schlaf beitragen können. Auch hier gilt aber: Es kann, muss aber nicht helfen. Bekanntlich geht probieren über studieren.

Spezielle Schlafmittel sind an dieser Stelle extra nicht aufgeführt. Zum einen sind die meisten Schlafmittel verschreibungspflichtig und sollten ausschließlich in Absprache mit deinem Arzt oder deiner Ärztin eingenommen werden. Zum anderen sollten Medikamente das letzte Mittel der Wahl sein, da sie (falsch eingenommen) Abhängig machen und schwere Nebenwirkungen auslösen können.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Neben verschiedenen Medikamenten und Schlafmitteln können auch Therapien und andere Behandlungsmethoden bei Schlafstörungen durch das Schichtarbeitersyndrom helfen.

Beispiel Lichttherapie

Vor allem für Nachtschichtarbeitende ist eine spezielle Lichttherapie möglich. Dabei wird die betroffene Person während der Arbeitszeit Tageslicht durch eine Tageslichtlampe ausgesetzt. Sie verhindert die Ausschüttung von Melatonin. Dadurch wird Müdigkeit vorgebeugt.

Beispiel Schichtplanoptimierung

Hierbei erarbeitet die betroffene Person zusammen mit der vorgesetzten Person und einem Arzt oder Ärztin einen schonenden Schichtplan. Es wird besonders darauf geachtet, die Schichten möglichst im Uhrzeigersinn zu legen (von Tag- zu Spät- zu Nachtschicht), um den zirkadianen Rhythmus so wenig wie möglich zu stören. Zudem werden möglichst ausreichend Ruhetage zwischen größeren Schichtwechseln gelegt.

Beispiel Schlafmittel

Sollten alle Versuche scheitern, die durch das Schichtarbeitersyndrom ausgelöste Schlafstörung zu kurieren, können im letzten Schritt Schlafmittel helfen. Die Einnahme sollte allerdings stets mit einem Arzt oder einer Ärztin abgesprochen werden. Auch die Einnahmemenge und -zeit sollte nicht vom erarbeiteten Plan abweichen.

Viele der Behandlungsmethoden wirken vielversprechend, hängen aber auch davon ab, welcher Schlaftyp die betroffene Person ist und wie gut der Körper auf die Behandlung reagiert.

Ist die Lebenserwartung von Schichtarbeitenden geringer?

Leider ja. Studien haben gezeigt, dass 50 Prozent der Schichtarbeitenden durchschnittlich weniger als fünf Stunden schlafen. Und zu wenig schlaf führt auf die Dauer zu erheblichen Erkrankungen wie:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Adipositas
  • Diabetes Typ II
  • Depressionen
  • Alzheimer
  • Parkinson-Krankheit

Insgesamt haben Schichtarbeitende durchschnittlich eine bis zu acht Jahren verkürzte Lebenserwartung. Sie sterben im Durchschnitt mit 63 Jahren. Das geht aus Studien hervor.

Übrigens: Das Schichtarbeitersyndrom fällt laut Deutscher Gesellschaft für Schlafmedizin unter die Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus und ist in den internationalen Krankheitskatalog mit dem Code ICD-10 G47.2 aufgenommen. ICD steht für „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“, was mit „Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ übersetzt wird.

Schlafstörungen ausgelöst durch das Schichtarbeitersyndrom werden demnach von Krankenkassen und Gesundheitswesen als Krankheit oder Gesundheitsproblem anerkannt.

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Kurz und knapp

Was ist das Schichtarbeitersyndrom?

Bei dem Schichtarbeitersyndrom handelt es sich um eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus, die durch ständig wechselnde Arbeitszeiten hervorgerufen wird.

Welche Symptome äußern sich?

Auch beim Schichtarbeitersyndrom treten die typischen Symptome von Schlafstörungen auf: Tagesschläfrigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Erschöpfung sind nur einige der Symptome.

Was kann ich gegen das Schichtarbeitersyndrom tun?

Eine gute Schlafhygiene, ein verdunkeltes Schlafzimmer und verschiedene Hilfsmittel wie Schlafmaske oder Ohrenstöpsel können helfen. Auch Melatonin-Spray kann helfen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt einige Therapiemöglichkeiten, beispielsweise eine Lichttherapie oder eine Optimierung des Arbeitsplans.

Ist die Lebenserwartung von Schichtarbeitenden geringer?

Leider ja. Durchschnittlich acht Jahre leben Schichtarbeitende kürzer. Das durchschnittliche Sterbealter liegt bei 63 Jahren.

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Quellen:

Gesundheitsinformation: Wie wird der Schlaf gesteuert?
MSD Manual: Untersuchung des Patienten mit Schlafstörungen oder Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus.
Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung: Schlaf und Arbeit.
Deutschlandfunk: Schicht im Schacht für die Gesundheit?

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Alexander Scherb

Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de