Schlaflexikon

REM-Schlaf-Verhaltensstörung

REM-Schlaf-Verhaltensstörung

Wer nachts im Bett regelmäßig laut redet und um sich schlägt und tritt, kann unter einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung leiden. Bei dieser Parasomnie sind die Muskeln der betroffenen Person während der Traumphase nicht im vollständigen Ruhezustand.

Mann hat eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung und Frau liegt wach.
Eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist nicht nur für Betroffene eine Belastung. Bild: iStock

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung hat ihren Namen vom US-amerikanischen Psychiater und Somnologen Carlos H. Schenck, weshalb sie auch häufig als Schenck-Syndrom bezeichnet wird. Im Englischen heißt diese seltene Parasomnie auch „REM sleep behavior disorder“oder kurz RBD. RBD wurde 1986 das erste Mal von Carlos H. Schenck beschrieben.

In Deutschland leiden rund 0,5 Prozent der Menschen an einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung. RBD ist nicht mit einer Somniloquie zu verwechseln. Während es bei RBD durchaus auch „nur“ zu Sprechen im Schlaf kommen kann, ist Treten und Schlagen bei einer Somniloquie ausgeschlossen. Beide Erkrankungen fallen allerdings unter den Oberbegriff der Parasomnie.

Was ist die REM-Schlaf-Verhaltensstörung?

Bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung schreien, reden, treten und schlagen Betroffene im Schlaf. Die Körperbewegungen können sehr ausladend und mit voller Kraft geschehen. Dies kann soweit gehen, dass sogar nach Dingen gegriffen wird, weshalb empfohlen wird, dass neben dem Bett von Erkrankten keine Gegenstände liegen. Partner oder Partnerinnen von Betroffenen wollen häufig aus Angst in einem eigenen Bett schlafen.

Meist handelt es sich bei RBD um sehr aggressives Verhalten. Das trifft auch bei Menschen zu, die im normalen Alltag völlig friedlich und gelassen sind. Häufig wird während einer Episode ein Traum ausgelebt. Eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung tritt hauptsächlich während der Traumschlafphase der zweiten Nachthälfte auf (daher der Name). Von den rund 400.000 Erkrankten in Deutschland sind etwa 90 Prozent männlichen Geschlechts. Und circa 80 Prozent der Betroffenen sind über 60 Jahre.

Was ist eine Parasomnie?

Das Schenck-Syndrom fällt unter das Phänomen der Parasomnie. Eine Parasomnie ist eine ungewollte Verhaltensweise im Schlaf, beim Einschlafen oder beim Aufwachen. Es gibt viele weitere Parasomnien, darunter:

  • Albträume: Gelegentlich schlecht zu träumen, ist völlig normal. Treten Albträume aber regelmäßig über einen langen Zeitraum hin auf, kann es sich um eine Parasomnie handeln. Kinder bis zur Pubertät sind davon ausgenommen. Da ihre Gehirne noch nicht voll entwickelt sind, können bei ihnen Albträume häufiger auftreten, ohne dass eine Erkrankung vorliegt.
  • Schlafwandeln: Diese Parasomnie tritt während des Tiefschlafs auf und beinhaltet das einfache Bewegen der Arme, bis hin zu komplexen Bewegungen und richtigem Herumwandern. Auch hier sind Kinder ausgenommen. Übrigens: Schlafwandeln ist kein Ausleben eines Traums.
  • Pavor Nocturnus: Mit Pavor Nocturnus – oder auch Nachtschreck – ist das plötzliche Aufschrecken aus dem Tiefschlaf gemeint. Betroffene wachen meist mit einem lauten Schrei auf, ohne aber etwas geträumt zu haben. Es handelt sich hierbei also wie auch beim Schlafwandeln um eine Aufwachstörung. Während der Schlafwandler das Bett verlässt, bleibt die betroffene Person beim Nachtschreck im Bett.
  • Schlafparalyse: Wird auch Schlaflähmung genannt. Bei der Schlafparalyse kommt es zur ungewollten Bewegungsunfähigkeit während der Einschlafens oder Aufwachens. Weil Betroffene währenddessen bei Bewusstsein sind, geraten sie meist in Panik, obwohl die Schlaflähmung eigentlich ungefährlich ist. Bei der Schlafparalyse kommen die Schlafphasen durcheinander.
  • Bruxismus: Bei Bruxismus handelt es sich um nächtliches Zähneknirschen. Dies kann so stark sein, dass Betroffenen die Zähne abbrechen. Deswegen ist eine Zahnschiene dringend zu empfehlen. Ebenso wie die REM-Schlaf-Verhaltensstörung tritt Bruxismus während der REM-Phase auf.
  • Somniloquie: Eine weitere Parasomnie, die während des REM-Schlafs auftritt. Bei der Somniloquie reden Betroffene im Schlaf. Dies kann von unverständlichem Gebrabbel bis hin zu voll ausformulierten, komplexen Sätzen mit Sinnzusammenhang alles sein. Somniloquie ist bei Kindern bis zur Pubertät ebenfalls völlig normal und wird nicht als auffällig angesehen.

Wenn du mehr über Parasomnien wissen möchtest, lies dir unseren Artikel über Parasomnien durch. Hier wird genauer auf die Hintergründe eingegangen.

Gibt es unterschiedliche REM-Schlaf-Verhaltensstörungen?

Ja, die gibt es. In der Medizin wird zwischen drei Verhaltensstörungen unterschieden, der idiopathischen, der symptomatischen und der akuten REM-Schlaf-Verhaltensstörung.

  1. Die idiopathische REM-Schlaf-Verhaltensstörung
    Liegt zum Zeitpunkt des Auftretens keine Vorerkrankung vor, sprechen Mediziner von einer idiopathischen Verhaltensstörung.
  2. Die symptomatische REM-Schlaf-Verhaltensstörung
    Bei dieser Form der Verhaltensstörung liegt zum Zeitpunkt des ersten Auftretens eine Vorerkrankung vor. Meist ist diese Erkrankung die Ursache für RBD. Bei den Vorerkrankungen handelt es sich in den meisten Fällen um neurodegenerative Erkrankungen.
  3. Die akute REM-Schlaf-Verhaltensstörung
    Die akute Verhaltensstörung tritt vor allem bei Gebrauch oder beim Entzug von Drogen oder Alkohol auf. Auch verschiedene Medikamente können diese Form des Schenck-Syndroms auslösen. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um eine kurze Episode.

Was sind die Symptome des Schenck-Syndroms?

Während des REM-Schlafs sind unsere Muskeln normalerweise ausgeschaltet. Während sich unsere Augen sehr schnell unter den Augenlidern bewegen und unser Gehirn Höchstleistungen vollbringt, liegen wir unbeweglich im Bett. Zu den Symptomen einer RBD zählen:

  • Das Ausführen von Trauminhalten, teilweise mit aggressiven Bewegungen und komplexem motorischem Verhalten.
  • Lautes Sprechen, Weinen, Schreien, Stöhnen, Lachen oder Murmeln.
  • Die erkrankte Person hat keine Erinnerung an die Vorkommnisse.
  • Aber eine gute Erinnerung an den auslösenden Traum.

Die häufigsten Verletzungen durch das aggressive Verhalten im Schlaf sind blaue Flecken, herausgerissene Haare und Knochenbrüche.

Welche Ursachen hat eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung?

Wie oben schon erwähnt, muss man zwischen einer idiopathischen, symptomatischen und akuten Verhaltensstörung unterscheiden. Je nach Fall differenzieren sich auch die Ursachen:

  • Bei der akuten Verhaltensstörung ist meist massiver Alkohol- oder Drogenkonsum die Ursache für die Episode. Auch die falsche oder übermäßige Anwendung von Antidepressiva kann RBD auslösen. Ebenso wie der Entzug der genannten Stoffe.
  • Bei der symptomatischen Verhaltensstörung sind meist andere neurodegenerative Erkrankungen die Ursache für das Schenck-Syndrom. Darunter fallen die Parkinson-Krankheit, Multisystematrophie oder das PANS-Syndrom.

Die Ursache bei der idiopathischen Verhaltensstörung

Bei der idiopathischen Verhaltensstörung scheinen zunächst keine Auslöser für eine Episode vorzuliegen. Allerdings ist sich die Forschung mittlerweile sicher, dass das Schenck-Syndrom durch das falsch gefaltete Protein Alpha-Synuclein (α-Syn) ausgelöst wird. Alpha-Synuclein ist für unsere Dopamin-Bildung verantwortlich.

Bei RBD-Erkrankten kommt es zu einer Fehlfaltung des Proteins Alpha-Synuclein wodurch es von verschiedenen Eiweißkomplexen zerstört wird. Dies führt zu einer fatalen Kettenreaktion. Zum einen wird daraufhin weniger Dopamin gebildet und zum anderen setzt sich das Alpha-Synuclein auf den Nervenzellen des Hirnstamms ab. Dies blockiert Prozesse, die für die Hemmung der Motorik während des REM-Schlafs verantwortlich sind. Dadurch leben Betroffene ihre Träume lebhaft aus.

REM-Schlaf-Verhaltensstörung und die Parkinson-Krankheit

Mittlerweile ist erwiesen, dass am Schenck-Syndrom Erkrankte zu 80 Prozent im weiteren Verlauf die Parkinson-Krankheit entwickeln. Tatsächlich ähneln sich beide Krankheiten in einigen Punkten deutlich. So kommt es auch bei der Parkinson-Krankheit zu einer Fehlfaltung von Alpha-Synuclein.

Kann man RBD behandeln?

Mittlerweile gibt es glücklicherweise zahlreiche Medikamente, mit denen die REM-Schlaf-Verhaltensstörung behandelt werden kann. Meist werden die Präparate kurz vor dem Schlafengehen eingenommen. Um Rückfälle zu vermeiden, müssen Erkrankte die Mittel unbegrenzt zu sich nehmen. Manchmal kann auch die Einnahme von drei bis zwölf Milligramm Melatonin helfen. Dazu gibt es allerdings noch keine ausreichenden Studien.

Aus Scham über ihre Erkrankung suchen viele Betroffene keinen Arzt auf. Dies kann fatale Folgen haben. Es drohen Verletzungen sowohl für die betroffene Person, als auch für ihren Partner oder Partnerin. Die genannten Behandlungsmethoden ermöglichen mittlerweile einen ruhigen und erholsamen Schlaf.

Das Schenck-Syndrom bei Kindern

RBD tritt bei Kindern so gut wie nie auf. Die Krankheit tritt fast ausschließlich zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr auf. Über 80 Prozent der Betroffenen, bei denen die REM-Schlaf-Verhaltensstörung erstmalig auftritt, sind über 60 Jahre. Nur sehr selten sind Erkrankte jünger als 40.

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Kurz und knapp

Was ist die REM-Schlaf-Verhaltensstörung?

Dabei handelt es sich um eine Parasomnie, bei der Betroffene ihre Träume ausleben. Die natürliche Blockade der Gliedmaßen während der REM-Phase ist ausgeschaltet. Betroffene können ihre Gliedmaßen teils sehr aggressiv bewegen.

Gibt es unterschiedliche REM-Schlaf-Verhaltensstörungen?

Ja, man unterscheidet zwischen der idiopathischen REM-Schlaf-Verhaltensstörung, der symptomatischen REM-Schlaf-Verhaltensstörung und der akuten REM-Schlaf-Verhaltensstörung

Was sind die Symptome des Schenck-Syndroms?

Das lebhafte Ausleben der Träume, aber auch Sprechen, Weinen, Schreien und lautes Stöhnen im Schlaf.

Kann man RBD behandeln?

Ja, eine Behandlung ist mit verschiedenen Medikamenten möglich.

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Quellen:

MSD Manual: Parasomnien.
Informationsdienst Wissenschaft: REM-Schlafverhaltensstörung häufig fehlinterpretiert.
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: 80% aller Betroffenen mit einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung entwickeln eine Parkinson-Krankheit.
Bundesministerium für Forschung und Bildung: Einfluss der Darmflora auf die Entwicklung der Synucleinopathie in Nagetiermodellen des Morbus Parkinson.

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Alexander Scherb

Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de