Schlaflexikon

Narkolepsie

Narkolepsie

Bei Narkolepsie – auch Schlafkrankheit genannt – handelt es sich um eine Schlaf-Wach-Störung, bei der Betroffene unter exzessiver Tagschläfrigkeit leiden. Narkolepsie hat bestimmte Ursachen und Symptome. Welche das sind, erklärt dieser Artikel.

Narkolepsie: Mann schläft vor seinem Computer
Narkolepsie ist für Betroffene ein schweres Leiden. Bild: iStock

Nicht jeder, der tagsüber (mal) einschläft oder müde ist, hat direkt Narkolepsie. Trotzdem: etwa einer von 2000 Menschen in Deutschland leidet unter dieser Krankheit. Damit liegen wir hier in Deutschland etwa auf dem Niveau, das auch andere Industrienationen wie den USA oder Japan aufweisen.

Dabei treten die Anfälle der Schlafkrankheit hauptsächlich bei eintönigen Situationen auf. Allerdings gibt es auch extreme Formen, bei denen Betroffenen während aktiver Momente, wie beispielsweise beim Essen, einschlafen.

Was ist Narkolepsie?

Hierbei handelt es sich um eine Schlaf-Wach-Störung, seit 2014 wird die Krankheit in drei verschiedene Typen klassifiziert:

  • Typ 1: Narkolepsie durch Hypocretin-Mangel mit Kataplexie.
  • Typ 2: Narkolepsie mit normalem Hypocretin-Wert und ohne Kataplexie.
  • Typ 3: Sekundäre Narkolepsie.

Meist zeigen sich die ersten Symptome zwischen dem 15. und dem 40. Lebensjahr. Die Beschwerden können plötzlich oder schleichend über Jahre auftreten. Von den ersten Anzeichen bis zur Diagnose vergehen durchschnittlich zehn Jahre. Die Lebenserwartung ist normal.

Typ 1: Narkolepsie durch Hypocretin-Mangel mit Kataplexie

Bei dieser Form leidet der Betroffene an einem Mangel an Hypocretin, einem Botenstoff, der im Hypothalamus hergestellt wird und das Wachsein am Tage reguliert. Zusätzlich tritt regelmäßig eine Kataplexie auf. Hierbei handelt es sich um den kurzzeitigen Verlust des Muskeltonus (Spannungszustand der Muskulatur).

Eine Kataplexie darf nicht mit einer Katalepsie (das unerwünschte Beibehalten der Körperhaltung) oder der Katatonie (das Verkrampfen des Körpers oder Körperpartien) verwechselt werden. Die meisten Betroffene leiden unter diesem Typ der Narkolepsie.

Typ 2: Narkolepsie mit normalem Hypocretin-Wert und ohne Kataplexie

Hier entwickelt sich die Krankheit losgelöst vom Hypocretin, beziehungsweise entspricht der Hypocretin-Wert dem eines gesunden Menschen. Auch eine Erschlaffung der Muskulatur tritt nicht auf.

Typ 3: Sekundäre Narkolepsie

Eine sekundäre Narkolepsie tritt ausschließlich als Reaktion auf eine Schädigung des Gehirns auf. Sei es durch Läsionen des Hypothalamus oder des oberen Hirnstammes durch eine Minderdurchblutung, durch einen Tumor oder eine neuronale Erkrankung des Bindegewebes. Dieser Artikel befasst sich ausschließlich mit den beiden ersten Typen.

Woran erkenne ich eine Narkolepsie?

Egal ob Narkolepsie des Typs 1 oder des Typs 2 – viele Symptome äußern sich bei beiden Formen. Darunter fallen:

  • exzessive Tagschläfrigkeit
  • Halluzinationen beim Einschlafen und/oder Aufwachen
  • Schlafparalyse (Schlaflähmung)
  • Schlafstörungen in der Nacht (beispielsweise durch Albträume)
  • automatisches Verhalten

Nur etwa zehn Prozent der Betroffenen leiden unter all den oben genannten Beschwerden, allerdings können die Symptome mit fortschreitendem Alter zunehmen. Alle Erkrankten leiden an übermäßiger Tagschläfrigkeit.

Exzessive Tagschläfrigkeit

Exzessive Tagschläfrigkeit (ETS) kann jederzeit auftreten. Oftmals handelt es sich um einen regelrechten Schlafanfall, der sich nicht unterdrücken lässt. Die Tagschläfrigkeit geht keinem Schlafmangel in der Vornacht voraus. Im Gegenteil, viele Betroffene haben lange Schlafphasen hinter sich. Nach einem Schlafanfall fühlen sich viele Betroffene erholt und ausgeschlafen und können trotzdem wenige Minuten später wieder einschlafen.

Schlafparalyse

Eine Schlafparalyse tritt in der Regel direkt nach dem Aufwachen oder kurz vor dem Einschlafen auf. Hierbei ist die Person zwar geistig schon (oder noch) wach, aber nicht imstande sich zu bewegen. Eine Schlaflähmung tritt bei rund einem Viertel der Betroffenen auf.

Halluzinationen

Beim Einschlafen oder seltener beim Aufwachen kann es bei den Erkrankten zu lebhaften Halluzinationen kommen. Sie werden wie Träume wahrgenommen, nur wesentlich intensiver. Es wird zwischen hypnagog (beim Einschlafen) und hypnopomp (beim Aufwachen) unterschieden. Rund ein Drittel der Betroffenen leiden unter Halluzinationen.

Gestörter Nachtschlaf

Schlafstörungen können sich durch einen leichten Schlaf, häufiges Aufwachen, sehr langes Wachliegen und Albträume bemerkbar machen. Folglich sind Betroffene tagsüber noch müder und erschöpfter. Folgen können eine schlechte Konzentration, niedrige Motivation, geringe Produktivität oder im schlimmsten Fall Depressionen sein.

Automatisches Verhalten

Hierbei handelt es sich um Bewegungsabläufe oder alltägliche Handlungen, die unterbewusst beim Einschlafen weiter ausgeführt werden, wie beispielsweise Schreiben oder Essen. Besonders gefährlich kann dies bei Tätigkeiten im Haushalt sein, wie Essen schneiden oder Treppensteigen.

Sonderfall Kataplexie

Eine Kataplexie tritt nur bei Erkrankten mit Typ-1-Narkolepsie auf. Hierbei handelt es sich um einen Verlust des Muskeltonus. Diese Erschlaffung der Muskulatur wird durch plötzliche emotionale Reaktionen wie Angst, Freude, Ärger oder Überraschung ausgelöst. Betroffene sind dabei in wachem Zustand und lassen oft etwas fallen oder den Kopf sinken. Auch das Erschlaffen der Gesichtsmuskeln ist keine Seltenheit. Ebenso können unscharfes Sehen und undeutliches Sprechen auftreten. Ungefähr ein Fünftel der Erkrankten leiden an Kataplexien.

Was sind die Ursachen?

Auch hier muss man zwischen Typs 1 und Typs 2 unterscheiden. Über die Typ-2-Narkolepsie gibt es bisher leider nur sehr wenig Erkenntnisse. Eine Typ-1-Narkolepsie allerdings entsteht durch den allmählichen Verlust der Nervenzellen im Hypothalamus, die für die Produktion des Botenstoffs Hypocretin verantwortlich sind.

Wodurch ein Verlust der Nervenzellen ausgelöst wird, ist zwar geklärt, steckt bisher aber noch in den Anfängen. Bekannt ist, dass sowohl eine bestimmt genetische Veranlagung, als auch Umweltfaktoren, wie beispielsweise Infektionen, auftreten müssen, um eine Narkolepsie auszulösen.

Kann eine Narkolepsie behandelt werden?

Eine Behandlung ist bisher ausschließlich symptomatisch, Ursachen können nicht bekämpft werden. Mit anderen Worten: Narkolepsie ist nicht heilbar. Allerdings ist es möglich, die Symptome zu mildern. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

1. Nichtmedikamentöse Therapien

  • Eine Schlaftherapie: Es empfiehlt sich dringend individuell notwendige Schlafzeiten einzuplanen und einzuhalten. Auch kurze Schlafpausen am Tag gilt es, gezielt einzusetzen.
  • Ernährungsumstellung: Die Ernährung sollte ausgeglichen sein. Patienten sollten schwere Mahlzeiten (fett- und ballaststoffreich) vermeiden. Koffein dagegen kann hilfreich sein.
  • Sportliche Betätigung: Sport fördert die allgemeine Leistungsfähigkeit und wirkt Müdigkeit entgegen. Auch kann Sport der Tendenz zur Gewichtszunahme entgegenwirken, unter der viele Narkolepsie-Erkrankte leiden.
  • Auseinandersetzung mit der Krankheit: Wahrscheinlich einer der wichtigsten Punkte. Erkrankte müssen lernen, die Krankheit zu akzeptieren. Ein ständiges Ankämpfen gegen die Müdigkeit ist sowieso erfolglos und führt im schlimmsten Fall zu Frustration.

2. Medikamentöse Therapien

Antidepressiva, Aufputschmittel, aber auch Schlafmittel, um ein Durchschlafen in der Nacht zu gewährleisten, können im Rahmen einer Therapie eingesetzt werden. Die Patienten stehen dabei unter strenger Beobachtung durch ihren behandelnden Arzt. Zudem muss berücksichtigt werden, dass sich etwaige Nebenwirkungen der einzelnen Medikamente addieren können.

Leider fehlen bis heute stichhaltige Untersuchungen zu medikamentösen Therapien. Deshalb sollte der behandelnde Arzt seine Patienten und deren Angehörige über die Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente aufklären. Zudem sollten die Medikamente nicht dauerhaft, sondern individuell nach Bedarf eingenommen werden, um eine Abhängigkeit zu vermeiden.

Eine weitere medikamentöse Therapie für Typ-1-Erkrankte wird zur Zeit noch erforscht. 2018 deckten Forscher die Ursachen der seltenen Schlafkrankheit Narkolepsie auf. Die Wissenschaftler der Universität Witten/Herdecke entdeckten den Mechanismus, der zur Zerstörung der Nervenzellen im Hypothalamus führt. Daraus kann sich in Zukunft eine neue Therapiemöglichkeit ergeben.

Kurz und knapp

Was ist Narkolepsie?

Bei Narkolepsie handelt es sich um eine Schlaf-Wach-Störung, die sich durch eine extreme Tagesschläfrigkeit auszeichnet.

Woran erkenne ich eine Narkolepsie?

Es gibt verschiedene Anzeichen, woran man eine Narkolepsie erkennen kann, darunter fallen unter anderem Halluzinationen, Schlafparalysen und Durchschlafstörungen.

Was sind die Ursachen?

Meist entsteht eine Narkolepsie durch den allmählichen Verlust der Nervenzellen im Hypothalamus, die für die Produktion des Botenstoffs Hypocretin verantwortlich sind.

Kann eine Narkolepsie behandelt werden?

Nein, momentan ist eine Narkolepsie noch unheilbar. Es können allerdings die Symptome bekämpft oder gemildert werden.

Quellen:

PDF: Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) – Patientenratgeber: Narkolepsie

MSD Manual: Narkolepsie

Ärzteblatt: Narkolepsie: Diagnose und Therapie

Patienteninformation: Narkolepsie – mehr als nur müde

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Alexander Scherb

Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de