Schlaflexikon

Kleine-Levin-Syndrom

Kleine-Levin-Syndrom

Das Kleine-Levin-Syndrom – auch Dornröschen-Syndrom genannt – ist eine seltene Schlafkrankheit, die fast ausschließlich bei jugendlichen Jungen und jungen Männern meistens während des zweiten Lebensjahrzehnts auftritt. Wir klären über das Syndrom auf.

Kleine-Levin-Syndrom: Jugendlicher liegt im Bett und schläft.
Das Kleine-Levin-Syndrom kann ganz plötzlich auftreten. Bild: Pexels

Während der Pubertät schlafen viele Jugendliche gerne lang und sind lange wach. Aus den ehemaligen frühaufstehenden Lerchen, werden nachtaktive Eulen. Diese Wandlung gilt generell als völlig normal. Wenn Tagesschläfrigkeit allerdings exzessiv wird, kann eine Erkrankung vorliegen.

Neben einer Narkolepsie kann auch das Kleine-Levin-Syndrom Schuld für eine übersteigerte Müdigkeit sein. Während die Narkolepsie eine Krankheit ist, die für den Rest des Lebens bleibt, tritt das Kleine-Levin-Syndrom nur in einem begrenzten Zeitraum auf. Während dieser Zeit besteht bei den Jugendlichen allerdings ein erheblicher Leidensdruck.

Du willst wissen, ob du Eule oder Lerche bist? Dann lies in unserem Artikel, zu welchem Schlaftyp du gehörst.

Was ist das Kleine-Levin-Syndrom?

Bei dem Kleine-Levin-Syndrom schlafen Betroffene ohne Unterbrechung mehrere Tage, Wochen oder sogar Monate. Solche Schlafphasen werden auch Episoden genannt. Während den Episoden werden die Betroffenen nur zum Essen, Trinken und um die Notdurft zu verrichten wach. Zwischen den Episoden verhalten sie sich wiederum völlig normal.

Die einzelnen Episoden können mehrmals im Jahr auftreten und dann auch recht plötzlich über einen sehr kurzen Zeitraum. Etwa ein bis zwei Menschen von einer Millionen sind von der Krankheit betroffen. Die Ursachen sind noch nicht geklärt. Wissenschaftler haben zur Zeit zwei mögliche Vermutungen:

  • Eine genetische Veranlagung: Das Immunsystem der Betroffenen löst das „Dornröschen-Syndrom“ aus.
  • Eine Autoimmunreaktion: Da das Syndrom sehr häufig nur im Zusammenhang mit einer Infektion auftritt, könnte es von Entzündungen im Gehirn ausgelöst werden.

Welche Symptome treten beim Kleine-Levin-Syndrom auf?

Das Kleine-Levin-Syndrom weist eine Vielzahl von Symptomen auf. Nicht alle müssen bei den Betroffenen auftreten. Und auch nicht alle gleich stark. Ein Symptom tritt allerdings bei jedem Erkrankten auf: Hypersomnie.

Weitere Symptome können sein:

  • Hyperphagie (übermäßiges Essverhalten)
  • Hypersexualität (extrem gesteigertes Sexualverhalten)
  • Apathie
  • Verwirrung
  • Amnesie
  • Derealisation (Betroffene verwechseln Traum und Wirklichkeit)
  • Psychosen
  • Depressionen

Des Weiteren reagieren die meisten Erkrankten sehr aggressiv, wenn man sie während einer Schlaf-Phase weckt.

Was ist eine Hypersomnie?

Eine Hypersomnie – oder Idiopathische Hypersomnie – ist eine exzessive Tagesschläfrigkeit mit Schlafzeiten am Tag von mindestens zehn Stunden bei normalen Schlafzeiten in der Nacht.

Der Unterschied der Hypersomnie zur Narkolepsie ist das Fehlen einer Kataplexie (Verlust des Muskeltonus), Schlafparalyse (Schlaflähmung) und Halluzinationen. Auch wenn es sich bei einer Hypersomnie nicht um eine Narkolepsie handelt, helfen in den meisten Fällen die gleichen Medikamente.

Ist das Kleine-Levin-Syndrom gefährlich?

Glücklicherweise besteht für Betroffene keine Gefahr von längerfristigen Schäden. Da die Krankheit sehr selten ist, bleibt auch der Kreis der Erkrankten überschaubar. An ihnen konnte man keine langfristigen Erkrankungen feststellen. Im Laufe der Zeit werden die Schlaf-Episoden kürzer und liegen weiter auseinander, bis sie im Alter zwischen 30 und 35 Jahren völlig verschwinden.

Gefährlich können dagegen Psychosen und Depressionen werden. Hier haben Beobachtungen gezeigt, dass die psychische Belastung der Betroffenen wesentlich geringer ist, wenn sie sich in einem behütetem Umfeld aufhalten können – also beispielsweise im elterlichen Haus oder bei der Partnerin oder dem Partner.

Kann man dem Syndrom vorbeugen?

Da die Krankheit unerwartet und plötzlich erscheint, ist es fast unmöglich, der ersten Episode vorzubeugen. Um weitere Episoden zu vermeiden, empfiehlt sich eine Lithium-Therapie. Bei vielen Betroffenen kann sie das Kleine-Levin-Syndrom stoppen oder zumindest die Häufigkeit und die Dauer der einzelnen Episoden verringern.

Abseits dessen, haben folgende Maßnahmen Erfolge gezeigt:

  • Verzicht auf Alkohol
  • einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Vermeiden von Infektionen
  • eine Behandlung mit hochdosiertem Kortison

Das Kleine-Levin-Syndrom behandeln

Ebenso wie bei der Vorbeugung, hat eine Lithium-Therapie auch bei einer Behandlung einen positiven Effekt. Mit ihr kann nicht nur zukünftige Schlaf-Episoden erfolgreich begegnet, sondern auch akute Phasen bekämpft werden. Das Gleiche trifft auch auf die Kortison-Behandlung zu. Auch können verschiedene Stimulanzien (beispielsweise Amphetamine) die exzessive Tagesschläfrigkeit kurzfristig bremsen.

Kurz und knapp

Was ist das Kleine-Levin-Syndrom?

Das Kleine-Levin-Syndrom ist eine Schlafkrankheit, die fast ausschließlich junge Männer betrifft. Erkrankte schlafen bis zu 21 Stunden täglich.

Welche Symptome treten beim Kleine-Levin-Syndrom auf?

Symptome können sein: Hyperphagie, Hypersexualität, Apathie, Verwirrung, Amnesie, Derealisation, Psychosen, Depressionen

Was ist eine Hypersomnie

Bei einer Hypersomnie handelt es sich um eine exzessive Tagschläfrigkeit, ohne dass die gleichen Symptome wie bei einer Narkolepsie auftreten.

Ist das Kleine-Levin-Syndrom gefährlich?

Nein, bisher sind keine Langzeitschäden bekannt.

Kann man dem Syndrom vorbeugen?

Ja, Erfolge konnte man beispielsweise mit einer Lithium-Therapie verzeichnen. Zukünftige Schlaf-Episoden konnten so verhindert oder verkürzt werden.

Das Kleine-Levin-Syndrom behandeln

Auch eine Behandlung mit Lithium zeigt eine gute Wirksamkeit.

Quellen:

MSD Manual: Narkolepsie.
Springer: Das Kleine-Levin-Syndrom.

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Alexander Scherb

Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de