Schlaflexikon

Chronisches Fatigue-Syndrom ME / CFS

Chronisches Fatigue-Syndrom ME / CFS

Das Chronische Fatigue-Syndrom / die Myalgische Enzephalomyelitis gehört zu den letzten großen Rätseln der Medizin. Viel ist über das starke Erschöpfungsgefühl nicht bekannt. Wir haben alle Informationen in diesem Artikel gesammelt.

Fatigue-Syndrom: Frau sitzt erschöpft auf der Couch und schaut an die Decke.
Beim Chronischen Fatigue-Syndrom leiden betroffene unter ständiger Erschöpfung. Bild: iStock

Das Chronische Fatigue-Syndrom ist eine relativ weit verbreitete neurologische Erkrankung. Weltweit leiden circa 17 Millionen Menschen an diesem Syndrom. In Deutschland sind es bis zu 250.000 Betroffene, darunter rund 40.000 Kinder und Jugendliche.

Ungefähr 60 Prozent der Betroffenen sind arbeitsunfähig, ein hoher Anteil der Erkrankten leidet im späteren Verlauf der Erkrankung an körperlichen Behinderungen. Über das Chronische Fatigue-Syndrom ist so wenig bekannt, dass sogar der Name der Krankheit umstritten ist.

Die vielen Namen des Chronischen Fatigue-Syndroms

Chronisches Fatigue-Syndrom (CFS) und Myalgische Enzephalomyelitis (ME) sind nicht die einzigen Bezeichnungen für die neuroimmunologische Erkrankung. Weitere Bezeichnungen sind Systemic Exertion Intolerance Disease (SEID) und Chronic Fatigue Immune Dysfunction Syndrome (CFIDS). Die beiden letzten Bezeichnungen gelten als veraltet und werden von der Forschung kaum noch genutzt.

Was ist das Chronische Fatigue-Syndrom?

Die Frage lässt sich nicht leicht beantworten. Fest steht, dass das Chronische Fatigue-Syndrom (CFS) oder auch die Myalgische Enzephalomyelitis (ME) eine neuroimmunologische Erkrankung ist, die eine enorme körperliche Schwäche auslöst, die viele körperliche Arbeiten oder andere Aktivitäten wie Sport (später aber auch einfache Tätigkeiten wie Kochen, Zähneputzen oder Einkaufen) nahezu unmöglich macht.

Für Schwerstbetroffene von CFS kann im Endstadium schon das Umdrehen im Bett zur Tortur werden. Besonders charakteristisch ist die Post-Exertional Malaise, eine Verstärkung aller Symptome der Erkrankung nach geringer körperlicher oder geistiger Tätigkeiten. Post-Exertional Malaise beschreibt dabei eine Belastungsintoleranz, die durch ME / CFS ausgelöst wird.

Was sind die Symptome des CFS / ME?

Neben der oben erwähnten stark ausgeprägten körperlichen Schwäche sind unter anderem auch folgende Symptome bei CFS / ME bekannt:

  • Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen
  • grippale Symptome wie Glieder- und Kopfschmerzen
  • Benommenheit
  • Herzrasen
  • Schwindel
  • Blutdruckschwankungen
  • Halsschmerzen
  • Muskelzuckungen
  • massive Schlafstörungen
  • Merk- und Wortfindungsstörungen
  • Überempfindlichkeit der Sinnesreize

Zudem leiden Betroffene unter geschwollenen Lymphknoten und einer erhöhten Infektanfälligkeit. Die Lebenserwartung von Erkrankten liegt unter der von Betroffenen von Multiple Sklerose und Schlaganfällen.

Welche Ursachen liegen der Erkrankung zugrunde?

Die Ursachen für CFS sind bisher nicht abschließend geklärt. 80 Prozent der Betroffenen klagen über CFS nach einem Infekt. Besonders häufig wird dabei das Pfeiffersche Drüsenfieber genannt, welches vom Epstein-Barr-Virus ausgelöst wird. Weitere Auslöser können sein:

  • Herpesviren
  • Grippe- und Erkältungsviren
  • Borrelien
  • Chlamydien
  • Magen-Darm-Keime
  • das Coronavirus

Wichtig: Momentan stehen diese Infekte nur im Verdacht, CFS auszulösen. Ob die Erreger diese Erkrankung wirklich hervorrufen, ist zum derzeitigen Stand (August 2022) nicht klar.

Stand der Forschung

Manche Forschende vermuten, dass die Keime eine chronische aktive Infektion auslösen oder zumindest stetig reaktiviert werden. So ist es beispielsweise bei Herpesviren, die im Körper verbleiben und immer wieder aktiv werden (Lippenherpes). Allerdings lässt sich eine Infektion nur bei den wenigsten Betroffenen nachweisen.

Andere Wissenschaftler sind der Meinung, dass die Erschöpfungs-Erkrankung durch Viren oder Bakterien ausgelöst wird, welche die Zusammenarbeit zwischen Nerven, Immunsystem, Herz-Kreislauf-System und dem Energiestoffwechsel stören. Einige Studien geben zumindest Hinweise darauf, dass bei einem Teil der Erkrankten entzündliche Vorgänge im Gehirn ablaufen. Auch das körpereigene Abwehrsystem ist bei diesen Personen verändert.

CFS /ME und Fatigue-Syndrom nicht verwechseln

Fatigue bezeichnet in der Medizin den Zustand der Erschöpfung. Eine Erkrankung ist zunächst einmal damit nicht gemeint. Aus diesem Grund ist das Chronische Fatigue-Syndrom nicht mit dem Fatigue-Syndrom gleichzusetzen. Ein Fatigue-Syndrom hat eine andere Erkrankung als Auslöser und wird dementsprechend anders behandelt.

Fatigue-Syndrom bei einer Krebserkrankung

Das Fatigue-Syndrom kann nach Krebstherapien auftreten, wobei verschiedene Formen gelten.

  • Psychische Erschöpfung: Hierbei klagen Patienten von Antriebslosigkeit. Der normale Alltag erscheint als unüberwindbares Hindernis.
  • Physische Erschöpfung: Die Mehrzahl der Therapie-Patienten klagen allerdings über körperliche Erschöpfung nach einer Krebstherapie. Sie fühlen sich schwach und erschöpft.

Auch bei der Dauer muss unterschieden werden.

  • Erschöpfung direkt nach der Therapie: Bei den meisten Betroffenen tritt das Fatigue-Syndrom direkt nach der Krebsbehandlung auf. Nach Beendigung der Therapie verschwindet meist nach ein paar Wochen auch die Erschöpfung.
  • Erschöpfung lange nach der Therapie: Leider leiden wenige Patienten auch Monate und Jahre nach einer Behandlung an starken Erschöpfungssymptomen. Bei ihnen hat sich das Fatigue-Syndrom zu einem Chronischem Fatigue-Syndrom verwandelt.

Ärzte können bei Fatigue nur ganz individuell handeln. In erster Linie gilt es, die Schmerzen zu lindern. Danach sollte darauf geachtet werden, ob es andere Begleiterkrankungen gibt, wie Schilddrüsenerkrankungen oder Herzprobleme. Weitere Maßnahmen können sein: Eine Untersuchung des Schlafs, eine psychosoziale Unterstützung, Bewegungstraining und zuletzt Medikamente.

Fatigue-Syndrom bei Multipler Sklerose

80 Prozent der von Multipler Sklerose (MS) betroffene Personen leiden unter dem Fatigue-Syndrom. Warum so viele Betroffene unter Erschöpfungssymptomen leiden, ist bisher nicht abschließend geklärt. Ein Grund könnte sein, dass der Körper von MS-Betroffenen zusätzliche Arbeit leisten muss, etwa, wenn mit einer Sehstörung gelesen wird.

Eine wirkliche Abhilfe gibt es nicht. Erkrankte müssen in erster Linie versuchen, ihren Alltag neu zu organisieren und an die neuen Umstände anzupassen. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Multipler Sklerose die Möglichkeit haben, die Erschöpfung zu lindern, indem sie die beispielsweise Wohnung besonders kühl halten, sich mehr bewegen (gegen die Erschöpfung angehen) oder sich leicht ernähren.

Fatigue-Syndrom bei Morbus Parkinson

Fast ein Drittel aller an der Parkinson-Krankheit Erkrankten leidet am Fatigue-Syndrom. Die Wissenschaft verbindet den hohen Anteil an Betroffenen mit dem vermehrten Auftreten von Depressionen und Schlafstörungen. Auffällig ist, dass sich die Symptome des Syndroms verstärken, je länger Morbus Parkinson vorliegt.

Da die Ursache des Fatigue-Syndroms bei der Parkinson-Krankheit noch nicht geklärt ist, bleibt auch die Therapie unklar. Bisher zeigten nur verschiedene Medikamente Wirkung, darunter die Arzneistoffe Doxepin (Antidepressiva) und Rasaglin – ein Anti-Parkinson-Medikament.

Welche Therapien gibt es bei CFS / ME?

Allgemeine Therapieansätze gibt es nicht. Eine Therapie muss ganz individuell erfolgen. Ebenso ist die Erkrankung zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht heilbar. Therapien zielen deshalb darauf ab, die Symptome von CFS zu lindern.

So können Paracetamol oder Ibuprofen gegen Kopf- und Gliederschmerzen helfen. Da Betroffene häufig auch unter Schlafstörungen leiden, führt die Verbesserung des Schlafs häufig ebenfalls zur Linderung der Symptome. Auch eine frühzeitige Diagnose kann hilfreich sein, da Betroffene dann gezielt an das Leben mit CFS herangeführt werden können.

Es empfiehlt sich für Betroffene zudem, verschiedene Selbsthilfegruppen aufzusuchen. Hier können Erfahrungen mit der Erkrankung ausgetauscht werden. Die Berliner Charité bietet Versicherten verschiedener Krankenkassen die Teilnahme an einer Studie an. Mehr dazu findest du in unseren Quellenangaben.

Das Fatigue-Syndrom und Corona

Tritt ein Erschöpfungsgefühl direkt nach einem Infekt mit Corona oder als Long-Covid-Symptom auf, handelt es sich auch hier um das Fatigue-Syndrom und nicht um das Chronische Fatigue-Syndrom / die Myalgische Enzephalomyelitis. Viel ist auch hier noch nicht über das Leiden bekannt. Sicher ist nur, dass Fatigue ein Symptom von Post-Covid sein kann.

Bisherige Behandlungen haben gezeigt, dass Ruhe und Entspannung in den allermeisten Fällen zum Auskurieren von Fatigue führt. Vermeide körperliche und geistige Stresssituationen, treibe keinen Sport und versuche ausreichend zu schlafen. Dann zeigt sich häufig eine schnelle Genesung. Leicht Yoga– oder andere Entspannungsübungen (Meditation, Atemübungen) können ebenfalls helfen.

Du möchtest noch mehr rund um das Thema Schlaf erfahren? Dann folge uns auf Instagram, Facebook und Pinterest.

Das wird dich auch interessieren:

Quellen:

PDF: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V.: Müdigkeit.
Deutsche Gesellschaft für ME / CFS e.V.: Was ist ME/CFS?
Charité – Universitätsmedizin Berlin: Versorgungsmodell für Patientinnen und Patienten mit Chronischem Fatigue Syndrom (ME/CFS).
Deutsches Krebsforschungszentrum: Fatigue bei Krebspatienten: Was tun bei Müdigkeit und Erschöpfung?
Cochrane: Behandlung von Erschöpfung bei Personen mit Parkinson.
National Health Service: Myalgic encephalomyelitis or chronic fatigue syndrome.

Autor Profilbild

Alexander Scherb

Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de