Schlaflexikon

Albträume

Albträume

Wer aus einem schlechten Traum erwacht, ist froh, wenn er feststellt, dass die schlimmen Bilder nicht real sind. Meist dauert es auch nur kurz, bis sich das negative Gefühl abschütteln lässt. Doch woher kommen diese Albträume, die sich in unseren Kopf schleichen?

Wer aus einem schlechten Traum erwacht, ist froh, wenn er feststellt, dass die schlimmen Bilder nicht real sind. Meist dauert es auch nur kurz, bis sich das negative Gefühl abschütteln lässt. Doch woher kommen diese Albträume, die sich in unseren Kopf schleichen?
Albträume können unterschiedliche Ursachen haben. Bild: Pexels

Was sind Albträume?

Albträume sind Träume mit bedrohlichem und beängstigendem Inhalt“, fasst der Schlafmediziner Alfred Wiater kurz zusammen. Sie können in dir Wut, Trauer, Schuldgefühle, Ekel oder Scham auslösen und dauern von wenigen Minuten bis zu einer halben Stunde.

Fiktiv oder posttraumatisch?

Albträume stören die Schlafqualität erheblich und lassen sich in zwei Arten einteilen: idiopathisch und posttraumatisch. Bei idiopathischen Albträumen gibt es (auf den ersten Blick) keine erkennbare Ursache – sie sind rein fiktiv. Der posttraumatische Albtraum lässt sich hingegen auf ein Trauma zurückführen. „Wenn Albträume mit immer gleichem Inhalt wiederholt vorkommen, ist eine psychische Ursache zu vermuten, die abgeklärt werden sollte. Besonders intensive Behandlung brauchen Menschen mit Albträumen im Rahmen von posttraumatischen Belastungsstörungen“, rät Alfred Wiater.

Warum kommt es zu Albträumen?

Tagsüber reguliert dein Gehirn mögliche Angst- und Panikgefühle. Nachts hat dein Gehirn Pause – deine Emotionen können sich ungehindert ausleben und lassen möglicherweise Albträume entstehen. Die Gründe für deine Albträume sind deshalb in deinem Leben und auch deinem Lebensstil zu suchen. Aber auch die genetische Veranlagung spielt eine Rolle. Man kann Albträume sozusagen auch erben.

Wann treten Albträume auf?

Vor allem in den REM-Schlafphasen in der zweiten Hälfte schleichen sich die unerwünschten Albträume ein. Diese Schlafphasen zeichnen sich durch schnelle Augenbewegungen hinter geschlossenen Augenlidern (REM = Rapid eye movement) aus. Der Schlaf während einer REM-Phase ist zwar leichter, gleichzeitig handelt es sich um eine ausgeprägte Traumschlafphase, die zum Ende der Nachtruhe immer länger dauert.

Wachst du in dieser Phase aus einem Albtraum auf, kannst du dich meistens noch gut daran erinnern. Wachst du aus einer Tiefschlafphase auf, ist das Geträumte schon wieder vergessen.

Was tun gegen Albträume?

Hin und wieder schlecht zu träumen – das kennt fast jeder – bestätigt auch Experte Alfred Wiater. Doch was tun, wenn die schlechten Träume häufiger auftreten? Immerhin betrifft dies bis zu vier Prozent der Bevölkerung, wie Alfred Wiater weiß. Doch behaglich zu schlummern, ohne von Albträumen gequält zu werden, ist keine Glückssache. Du kannst viel tun, damit deine Träume wieder zum sanften Begleiter deines Schlafs werden.

Tipps bei Albträumen:

  • Kontrolliere Deinen Medienkonsum: Wer am Abend zuvor einen Horrorfilm gesehen hat, begünstigt solche Träume – wenngleich ein Albtraum nicht die logische Konsequenz sein muss. Vielleicht sind Psychothriller vor dem Schlafengehen einfach nichts für dich?
  • Stress reduzieren: Falls dein Leben gerade recht stressig ist, solltest du das Thema dringend angehen. Stress kann ein Auslöser für Albträume sein.
  • Rede über deinen Albtraum: Oft hilft es bereits, wenn du mit einer vertrauten Person über deinen Albtraum sprichst. Du erinnerst dich dabei an den Trauminhalt, befindest dich aber im Wachzustand und kannst abschätzen, wie bedrohlich in der gegenwärtigen Situation der Albtraum ist.
  • Traumtagebuch: Du notierst über zwei Wochen jedes Mal deinen Albtraum und überlegst, was die Situation weniger beängstigend machen könnte. Dadurch handelst du aktiv und fühlst dich nicht mehr so hilflos.
  • Selbsttherapie: Im Wachzustand erinnerst du dich an den Albtraum, veränderst aber den Verlauf in Gedanken. Träumst du also immer von einem Riesen mit Fangarmen, dann stellst du dir im Wachzustand vor, wie der Riese ganz klein, zahm und sanft wird und ihr als beste Freunde vom Platz zieht.
  • Verhaltenstherapie: Bei immer wiederkehrenden Albträumen empfiehlt sich eine Therapie. Liegt die Ursache in einem traumatischen Erlebnis, ist dies ohnehin der beste Weg zur Aufarbeitung. Die Kosten für kognitive Verhaltenstherapien werden von einigen Krankenkassen übernommen.
  • Luzides Träumen: Diese hilfreiche Fähigkeit, bei der der Träumende weiß, dass er träumt, kannst du dir aneignen. Stell dir dazu etwa zehnmal am Tag die Frage, ob du gerade wach bist oder träumst. Damit schärfst du dein Bewusstsein. Dann versuche dir am Ende eines Albtraums die Frage zu stellen, noch während du träumst. Das kann dem Albtraum seinen Schrecken nehmen.

Dr. med. Alfred Wiater ist Kinder- und Jugendarzt mit Zusatzbezeichnung Schlafmedizin sowie Vorstandsreferent der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) und Autor verschiedener Bücher, u. a. von „Praxishandbuch Kinderschlaf“ und „Ticken Sie richtig?“.

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