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Warum sich nicht jeder an seine Träume erinnern kann

Warum sich nicht jeder an seine Träume erinnern kann

Ob wir uns nun daran erinnern oder nicht, wir träumen jede Nacht. Aber wie kommt es, dass manche Menschen behaupten, sie würden selten oder nie träumen, während andere sich anscheinend fast jede Nacht an ihre Träume erinnern können? Unser Artikel klärt auf. 

Warum sich nicht jeder an seine Träume erinnern kann: Frau schläft im Bett.
Viele von uns haben Schwierigkeiten, sich an die Einzelheiten ihrer Träume zu erinnern. Bild: iStock

Was sind Träume?

Träume sind visuelle Bilder, Gedanken, Empfindungen oder Gefühle, die Menschen im Schlaf erleben. Sie entstehen in erster Linie durch die Gehirnaktivität in der Großhirnrinde, der äußeren Schicht des Gehirns. Träume können in jeder Schlafphase auftreten, in der REM-Phase sind sie jedoch am häufigsten und intensivsten. REM steht dabei für Rapid Eye Movement, was übersetzt „schnelle Augenbewegung“ bedeutet. Der Begriff resultiert aus der Beobachtung, dass sich unsere Augen während der Traumphase stark unter den Augenlidern bewegen. Zudem nimmt in dieser Schlafphase unsere Gehirnaktivität wieder zu. Die Herzfrequenz, die Atmung und der Blutdruck beschleunigen sich und steigen auf Werte, die unserem Wach-Zustand ähneln. Damit wir unsere Träume jedoch nicht in die Tat umsetzen, sind die Muskeln vorübergehend gelähmt.

In der REM-Phase verarbeiten wir unsere Ängste und Hoffnungen sowie unsere Erlebnisse vom Tag und der nahen Vergangenheit. Träume können viele verschiedene Formen annehmen und sich beängstigend, sinnlich, emotional oder so real anfühlen, dass man den Traum nicht von der Realität unterscheiden kann. Luzide Träume treten auf, wenn sich eine Person in einem Traum befindet, während sie sich aktiv bewusst ist, dass sie träumt. Wie Träume zu deuten sind und ob sie überhaupt eine Bedeutung haben, ist sehr umstritten. In unserem Artikel Die Bedeutung von Träumen und warum wir sie brauchen gehen wir der Traumdeutung auf den Grund.

Warum kann sich nicht jeder an seine Träume erinnern?

Zeitpunkt des Aufwachens ist entscheidend

Während wir schlafen, durchläuft unser Gehirn vier Schlafphasen. Der gesamte Schlafzyklus wiederholt sich mehrmals pro Nacht und dauert zwischen 90 und 120 Minuten an. In der letzten Schlafphase, der REM-Phase oder auch Traumphase, kommt zu einer hohen Aktivität des Gehirns und zu intensiven Träumen. Laut Forschen fallen wir alle 90 Minuten in diese REM-Phase und erleben deshalb nicht nur einen, sondern mehrere Träume pro Nacht. Diese Traumphasen werden jedoch im Laufe der Nacht und bis zum Morgen immer länger, da der Körper sich auf das Aufwachen vorbereitet und wir uns nicht mehr im Tiefschlaf befinden. Somit träumen wir in der Zeit vor dem Aufwachen besonders lebhaft und können uns meistens gut an die Erlebnisse des zuletzt Geträumten erinnern.

Ob wir uns die nächtlichen Traumreisen merken können, hängt also damit zusammen, in welcher Phase wir erwachen — während oder direkt nach einer REM-Phase erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, den Traum im Nachhinein wahrzunehmen.

Wenn du mehr über die verschiedenen Schlafphasen wissen möchtest, dann lies unseren Artikel über Schlafphasen.

Die Schlafdauer ist ein wichtiger Faktor 

Auch die durchschnittliche Schlafdauer ist ein wichtiger Faktor im Zusammenhang mit der Traumerinnerung. Wenn jemand ständig zu wenig schläft, nimmt die Anzahl der REM-Schlafphasen ab, sodass es für diese Person schwieriger wird, sich am nächsten Morgen an die Träume zu erinnern können. Aus diesem Grund berichten manche Menschen, dass sie sich am Wochenende häufiger an Träume erinnern, wenn sie die Möglichkeit haben, länger zu schlafen.

Die Gehirnstruktur eines Menschen hat Einfluss auf seine Träume

Forscher vom Forschungszentrum für Neurowissenschaften in Lyon haben die Gehirnaktivität von Schlafenden untersucht, um herauszufinden, warum sich manche Menschen an ihre Träume erinnern, während andere sie vergessen. 

Die Studie, die in der Zeitschrift Neuropsychopharmacology veröffentlichte wurde, fand heraus, dass der Bereich des Gehirns, der Informationen und Emotionen verarbeitet, bei Menschen, die sich regelmäßig an ihre Träume erinnern, viel aktiver ist. Menschen, die sich häufiger an ihre Träume erinnern, zeigten stärkere Hirn-Aktivitäten im medialen präfrontalen Cortex und zwischen den Temporal-und Parietallappen auf. Sind diese Bereiche aktiver, können sie dazu beitragen, dass Schlafende externen Reizen mehr Aufmerksamkeit schenken.

Nach Ansicht der Forscher führe dies zu häufigen Wachzuständen während des Schlafverlaufs. Menschen mit hoher Traumerinnerung reagieren intensiver auf Umweltreize und erwachen demnach doppelt so häufig als Menschen mit niedriger Traumerinnerung. In diesen kaum merklichen Wachphasen werden die Erinnerungen an das Geträumte dann ins Gedächtnis abgespeichert.

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Nele Jacobs

Online-Volontärin bei MeinSchlaf.de