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Wahr oder falsch: Essen wir wirklich Spinnen im Schlaf?

Wahr oder falsch: Essen wir wirklich Spinnen im Schlaf?

Die Zahlen reichen von acht Spinnen im Jahr bis zu 70 Spinnen im Leben. Kann das sein? Essen wir wirklich Spinnen im Schlaf? Wir haben uns die moderne Sage mal näher angeschaut und klären auf.

Spinnen im Schlaf essen: Spinne krabbelt über den Fußboden.
Essen wir wirklich Spinnen im Schlaf oder handelt es sich um eine moderne Sage? Bild: iStock

Laut Mythos essen wir alle nicht nur Spinnen im Schlaf. Auch andere Insekten finden den Weg in unseren Mund. Manche Zahlen reichen sogar bis über 200 Insekten, die wir so Jahr für Jahr in unserem Leben versehentlich verschlucken sollen. Ist an der modernen Sage etwas dran? Immerhin heißt es ja auch, dass in jeder Sage ein wahrer Kern steckt. Ist das hier etwa auch so?

3 Gründe, warum wir KEINE Spinnen im Schlaf essen

Die Gute Nachricht gleich vorab. Wir essen KEINE Spinnen oder andere Insekten versehentlich im Schlaf. Hierbei handelt es sich um eine hartnäckige moderne Sage, die alle paar Jahre mal wieder in unserer Gesellschaft auftaucht. Drei Gründe, warum wir keine Spinnen im Schlaf verschlucken.

1. Unser Tastsinn

Wir können so tief schlafen, wie wir wollen – krabbelt ein Tier über unser Gesicht, wischen wir es automatisch (auch im Tiefschlaf) weg. Diese Reaktion ist evolutionär genau für diesen Grund von unserem Körper erschaffen worden: Damit nichts über uns kriechen und uns stechen, beißen oder kratzen kann. Oder in unseren Mund krabbeln kann.

2. Unser Würgereflex

Gehen wir einmal davon aus, die Spinne würde sich direkt über deinem Mund abseilen (was schon sehr unwahrscheinlich ist, aber dazu mehr im dritten Punkt), so dass du nichts ertasten kannst. Könntest du sie dann nicht im Schlaf verschlucken? Nein, denn wir alle besitzen auch noch den Würgereflex, der uns aufwachen und husten lässt, sobald sich ein Fremdkörper unwillentlich in unserem Mund befindet.

3. Unser Mund ist geschlossen

Gehen wir weiter davon aus, dass Tastsinn und Würgereflex ausgeschaltet wären. Die Gute Nachricht: Während des Schlafs ist unser Mund die meiste Zeit geschlossen. Allerdings schnarchen wir ja auch mal ab und zu, beispielsweise, wenn wir auf dem Rücken liegen. Könnte dann nicht eine Spinne oder ein anderes Insekt in unseren Mund krabbeln? Nein, denn ein Insekt würde niemals in solch eine krachmachende Öffnung kriechen.

Also: selbst wenn du völlig betrunken, schnarchend im Bett liegst und nichts mehr mitbekommst, kannst du immer noch mit der Vernunft der Spinne rechnen, die niemals in eine laut schnarchende, nach Alkohol (für die Spinne wahrscheinlich tödliche) riechende Öffnung krabbeln würde.

Kleiner Exkurs: Moderne Sagen

Ob Spinnen im Schlaf essen, die AIDS-Spritze, mit der Fremde Jugendliche im Club stechen oder das Hundefutter, welches im chinesischen Essen verarbeitet wurde: Moderne Sagen sind häufig vorurteilsbehaftet. In den genannten Beispielen etwa, weil man Jugendlichen Angst vor Clubs und Diskotheken machen will (AIDS-Spritze) oder weil man schlicht und ergreifend Angst vor unbekannten Kulturen hat (Hundefutter im chinesischen Essen).

Die moderne Sage, dass wir Spinnen im Schlaf essen, ist tatsächlich harmloser. Sie entstand 1993 in einer Kolumne für ein Magazin, bei der die Verfasserin beweisen wollte, wie leichtgläubig Menschen sind. Oder handelt es sich bei dieser Erklärung etwa auch um eine moderne Sage?

Übrigens: Du kannst eine moderne Sage häufig leicht identifizieren. Sie wurde nämlich fast nie persönlich von der erzählenden Person erlebt. Meist stammt die Geschichte vom besten Freund eines Bekannten des Schwagers (oder einer ähnlichen Kombination).

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Alexander Scherb

Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de