Gesunder Schlaf

Weißes Rauschen: Wie hilft es beim Einschlafen?

Weißes Rauschen: Wie hilft es beim Einschlafen?

Weißes Rauschen soll beim Einschlafen helfen, indem es Störgeräusche ausblendet. Vor allem bei Babys und Kleinkindern kann dieser spezielle Frequenzbereich hilfreich sein. Wir erklären, was es mit weißem Rauschen auf sich hat und wieso es tatsächlich bei Tinnitus helfen kann.

Weißes Rauschen: Frau liegt mit Kopfhörern im Bett und schläft.
Kann weißes Rauschen das Einschlafen erleichtern? Bild: iStock

Weißes Rauschen ist mittlerweile überall zu finden. Es gibt Videos auf YouTube, Tonspuren auf Spotify, sowie ganze Apps und Podcasts zu dem Thema. Es soll Betroffenen von Schlafstörungen helfen, endlich zur Ruhe zu kommen und bei geplagten Eltern soll das monotone Rauschen das Einschlafen ihres Kindes unterstützen.

Wie kann das sein? Was passiert bei weißem Rauschen im Ohr von ausgewachsenen Menschen? Was macht das Geräusch mit der Stimmung von Kleinkindern und Babys? Und stimmt es, dass man durch weißes Rauschen sogar besser hören kann? All diese Fragen beantworten wir in diesem Artikel.

Was ist weißes Rauschen?

Weißes Rauschen – auch White Noise genannt – ist ein Signal, welches in einer ganz bestimmten Bandbreite von Frequenzen (hohe bis niedrige Frequenzen) enthalten ist. Diese Bandbreite von Frequenzen wird auch Leistungsdichtespektrum genannt. Vergleichbar ist es am ehesten mit dem Rauschgeräusch eines angeschalteten Fernsehers oder Radios, indem kein Sender ausgespielt wird.

Hier ein Hörbeispiel für weißes Rauschen (Achtung: Lautstärke runterdrehen):

Weißes Rauschen

Es gibt auch verschiedene andere Arten von Rauschen, zum Beispiel:

1. Lila Rauschen: Wie weißes Rauschen, es wird allerdings mit zunehmender Frequenzhöhe immer lauter.

2. Blaues Rauschen: Beim blauen Rauschen nimmt die Lautstärke mit zunehmender Frequenzhöhe ebenfalls zu, allerdings ist die Frequenz nicht so hoch, wie beim lila Rauschen.

3. Rosa Rauschen: Beim rosa Rauschen sind die hohen Frequenzen noch weiter reduziert. Zusätzlich nimmt die Lautstärke ab, je höher die Frequenz ist und zu, je niedriger die Frequenz ist.

4. Braunes Rauschen: Spielt sich in noch niedrigerem Bereich ab. Hochfrequente Töne sind fast komplett ausgeschaltet.

Warum ist unser Gehör so einzigartig?

Das Gehör ist der einzige Sinn, der während des Schlafs vollständig aktiv bleibt. Anders als viele andere Sinne, die während des Schlafs teilweise (Tastsinn) oder gar vollständig (Sehsinn) ausgeschaltet werden, kriegt unser Ohr auch im tiefsten Schlaf alles mit. Dies ist natürlich unserem Überlebensinstinkt geschuldet. Der Hörsinn hat uns in grauer Vorzeit vor möglichen Gefahren gewarnt.

Was früher eine wichtige Funktion hatte, kann sich in unserer modernen Gesellschaft als echte Bürde herausstellen. Etwa, wenn wir häufiger in der Nacht wach werden, weil ein Auto an unserem Haus oder unserer Wohnung vorbei fährt. Generell kann Lärm unserem Körper während des Schlafs erheblich schaden, wie unser Artikel „Mit offenem Fenster schlafen? Diese Gründe sprechen dagegen“ zeigt.

Weißes Rauschen bei Erwachsenen

Weißes Rauschen kann empfindlichen Menschen helfen, die für sie störenden Umgebungsgeräusche auszublenden. Personen, die beispielsweise an einer vielbefahrenen Straße wohnen oder von anderen Geräuschen regelmäßig aus dem Schlaf gerissen werden, können mit diesem Rauschen erholsamer schlafen.

Neben einem erholsameren Schlaf kann das weiße Rauschen aber noch etwas bewirken: Wie eine Studie der Universität Basel mit Mäusen zeigte, kann der Frequenzbereich ebenfalls die auditive Wahrnehmung verbessern. Das Gehör der Versuchstiere zeigte eine sensiblere Unterscheidung von Tonunterschieden, sobald zur stillen Umgebung weißes Rauschen hinzukam.

Rauschen drosselt Nervenzellen

Das Forscherteam der Universität Basel fand heraus, dass das monotone Geräusch die Aktivität der Nervenzellen im Gehirn hemmte. Docht statt einer unpräziseren Wahrnehmung während der „Hemm-Phase“, erleichterte das Rauschen die auditive Wahrnehmung.

Grund dafür ist die geringere Überschneidung zwischen den genutzten Neuronen. Mit anderen Worten: Je weniger Nervenzellen im Gehirn damit beschäftigt sind zu hören, desto deutlicher wird die Tondarstellung.

Was bedeutet das für die Forschung?

Die Erkenntnis der Forschenden könnte ein Durchbruch in der Herstellung von Hörprothesen bedeuten. Würde man diese mit einem ähnlichen Geräusch wie dem weißen Rauschen ausstatten, könnte damit ein bessere Hörerlebnis für Trägerinnen und Träger erzielt werden.

Monotonie für leichteres Einschlafen

Weißes Rauschen kann auch für leichteres Einschlafen sorgen. Wer zum Beispiel auch bei Wellengeräuschen besser einschläft, kann sein Glück ja mal mit weißem Rauschen versuchen. Wichtig ist, dass die Lautstärke auf einem Niveau ist, bei dem du einschlafen kannst und dass sich der Ton nach einer Weile von alleine abschaltet. Dauerhaftes Beschallen im Schlaf hat negative Auswirkungen auf unseren Schlaf, wie unser Artikel „Musik zum Einschlafen: Erholsam oder schädlich?“ schon darlegt.

Weißes Rauschen bei Babys

Für Babys hat weißes Rauschen eine ganz andere Bedeutung. Und die geht weit zurück in den Mutterleib. Denn im Bauch der Mutter ist es alles andere als ruhig oder leise. Der Herzschlag der Mutter, das Rauschen des Blutes und Darmaktivitäten: Dies alles kriegt ein ungeborenes Baby im Bauch der Mutter ungefiltert mit.

Dementsprechend sind diese Geräusche die ersten Erinnerungen, die ein Baby hat. Weißes Rauschen ähnelt stark der hörbaren Blutzirkulation der Mutter. Das konstante, monotone Brausen kann deshalb das Baby beruhigen und ihm beim Einschlafen helfen, da es sich an die (für das Baby) sichere Zeit im Mutterleib erinnert fühlt. Übrigens gibt es noch andere Geräusche, die Babys beruhigen können, beispielsweise:

  • Das Rauschen eines Staubsaugers.
  • Das Geräusch einer Dunstabzugshaube.
  • Das Rotieren der laufenden Waschmaschine.
  • Das Brausen eines Haartrockners.

Unser Artikel „5 Einschlaf-Tipps für dein Baby“ nennt verschiedene Tricks, wie dein Baby garantiert schnell einschläft.

Kann weißes Rauschen bei Tinnitus helfen?

Ja, das kann es. Beim Tinnitus nimmt man im Stillen ein Geräusch im Ohr wahr. Dies kann ein Klingeln, Pfeifen, Brummen oder Klopfen sein. Auslöser sind häufig Beschädigungen der Sinneszellen im Ohr durch Lärm oder laute Umgebungsgeräusche. Weitere Ursachen für einen Tinnitus können sein:

  • Verstopfung des Gehörgangs
  • Mittelohrentzündung
  • Ein geplatztes Trommelfell
  • Kiefergelenk-Beschwerden
  • Verschiedene Erkrankungen des Ohrs
  • Bluthochdruck

Meist verschwindet ein Tinnitus nach einem gewissen Zeitraum wieder. Manchmal kann er allerdings auch dauerhaft bestehen bleiben. Besteht ein Tinnitus länger als drei Monate, wird er als chronisch bezeichnet. Ein Tinnitus kann gerade beim Einschlafen für erhebliche Schlafprobleme sorgen.

So hilft weißes Rauschen bei Tinnitus

Weißes Rauschen kann das Geräusch des Tinnitus überdecken. Zudem bewirkt es eine Beruhigung des Hörzentrums, da es das Gehirn stimuliert. Menschen, die dauerhaft unter einem Tinnitus leiden, können so endlich wieder erholsam schlafen.

Wichtig: Auch hier sollte das Rauschen nach einer gewissen Zeit abgeschaltet werden, damit es nicht die Nacht über durchläuft. Für einen erholsamen Schlaf ist es wichtig, dass während des Tiefschlafs kein Geräusch ins Ohr dringt.

Mittlerweile gibt es für Tinnitus auch ein Kissen, dass beim Einschlafen helfen soll. Es funktioniert mit ähnlichen Elementen.

Kann weißes Rauschen schädlich sein?

Es gibt momentan keine Hinweise, dass weißes Rauschen für den menschlichen Körper schädlich ist. Wie bei allen Tönen und Geräuschen sollte es nicht zu laut gehört werden, da es sonst zu Tinnitus kommen kann. Dabei soll das Rauschen ja eigentlich dabei helfen, den Tinnitus auszuschalten. Und egal ob YouTube, Spotify oder App: Achte darauf, dass du eine Timer-Funktion nutzt, da auch das Rauschen nicht die ganze Nacht in dein Ohr dringen sollte.

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Quellen:

Gesundheitsinformation: Ohrgeräusche (Tinnitus).
Science Direct: White Noise Background Improves Tone Discrimination by Suppressing Cortical Tuning Curves.
Informationsdienst Wissenschaft: Guter Lärm, schlechter Lärm: Weisses Rauschen schärft das Gehör.

Autor Profilbild

Alexander Scherb

Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de