Gesunder Schlaf

Vorschlafen: Ist das möglich?

Vorschlafen: Ist das möglich?

Kann man eigentlich vorschlafen? Diese Frage haben wir uns vor Silvester oder eine anderen Party-Nacht wohl alle schon einmal gestellt. Um sie beantworten zu können, müssen wir erst einmal verstehen, was Schlaf überhaupt für unseren Körper bedeutet.

Vorschlafen: Feiernde Menschen werfen Konfetti.
Das wünscht sich jeder: Für eine Party-Nacht vorschlafen. Bild: iStock

Für eine Party-Nacht vorschlafen. Das haben wir uns doch schon alle irgendwann mal gewünscht. Und tatsächlich kann man nach einer langen Schlaf-Session schon einmal länger wachbleiben. Kann man also wirklich regelmäßig vorschlafen? Schauen wir doch mal!

Babys schlafen bis zu 18 Stunden täglich, Kleinkinder und Kinder immerhin noch 13 Stunden. Jugendliche und junge Erwachsene schlafen gut und gerne zehn Stunden und als Erwachsener braucht man zwischen sechs und neun Stunden Schlaf. Im Alter nimmt die benötigte Menge an Schlaf dann ab. Nur noch durchschnittlich sechs bis sieben Stunden Schlaf brauchen wir dann.

Warum schlafen wir?

Schlaf dient vor allem zur Erholung und Regeneration. Unser Hormonhaushalt reguliert sich, der Stoffwechsel fährt hoch und produziert die Hormone und Proteine, die wir für den nächsten Tag benötigen. Auch unser Immunsystem wird gestärkt. Unser Blutdruck sinkt und der Puls fährt runter.

Auch für unser Gehirn ist Schlaf sehr wichtig. Während der REM-Phase verarbeiten wir die Erlebnisse des Tages. Unser Gehirn unterscheidet jetzt zwischen Erlebnissen, die gelöscht werden können und Erlebnisse, die in unser Langzeitgedächtnis wandern.

Was ist normaler Schlaf?

Normaler Schlaf lässt sich nicht so einfach definieren, denn Schlaf ist von Mensch zu Mensch individuell. Manche Menschen schlafen gerne lange, andere stehen gerne früh auf und gehen auch gerne früh ins Bett. Der Eine schläft gerne von elf Uhr nachts bis acht Uhr morgens, ein anderer steht schon um sechs Uhr in der Früh auf.

Schlafrhythmus nennt man das. Dein Schlafrhythmus sagt etwas über deinen Schlaftyp. Bist du eine frühaufstehende Lerche oder eine nachtaktive Eule? So oder so, ein gesunder Schlaf setzt sich aus vier Schlafphasen zu einem Schlafzyklus zusammen. Die vier Schlafphasen sind:

  1. Die Einschlafphase: Nimmt fünf bis zehn Prozent des Schlafzyklus ein. Hier sind wir noch sehr leicht zu wecken. Unser Bewusstsein wechselt zwischen Wachsein und Schlafen.
  2. Die Leichtschlafphase: Nimmt etwa 45 bis 55 Prozent des Zyklus ein. Auch hier sind wir noch leicht zu wecken, unsere Gehirnfunktionen werden allerdings langsamer.
  3. Die Tiefschlafphase: Nimmt etwa 15 bis 20 Prozent des Zyklus ein. Wir sind nur noch schwer zu wecken. Unser Körper erholt sich von den Anstrengungen des Tages.
  4. Die REM-Phase: Benötigt rund 20 bis 25 Prozent des Schlafzyklus. Hier verarbeiten wir die Erlebnisse des vergangenen Tages. Wir schlafen nicht mehr ganz so fest wie in der Tiefschlafphase.

Schlafstörungen treten immer dann auf, wenn eine oder mehrere dieser Schlafphasen gestört oder gehemmt sind. Ein Schlafzyklus dauert zwischen 90 und 110 Minuten und wiederholt sich im Laufe der Nacht mehrmals. Wenn man Schlaf nachholen will, muss man also auch diese Phasen nachholen.

Was ist mein persönlicher Schlafrhythmus?

Deinen persönlichen Schlafrhythmus kannst du herausfinden, wenn du deine Zubettgeh- und Aufstehzeiten kennst. Denn sie werden vom zirkadianen Rhythmus – oder auch Schlaf-Wach-Rhythmus bestimmt, der deinen Chronotypen festlegt. Der zirkadiane Rhythmus steuert abends deine Melatonin- und morgens deine Cortisol-Produktion.

Die Wissenschaft ist sich bei der Einteilung der verschiedenen Chronotypen noch nicht ganz einig. Manche teilen die Menschen in drei Kategorien ein, manche in vier und wieder andere in sieben Schlaftypen. Deinen Schlafrhythmus erfährst du in unserem Lexikoneintrag über Chronotypen.

Kann ich verlorenen Schlaf nachholen?

Ja, das ist möglich. Zumindest in einem gewissen Umfang. Forscher fanden heraus, dass unser Körper bei Schlafmangel die Schlafzyklen zugunsten des Tiefschlafs verschiebt. Allerdings kannst du maximal nur zwei bis vier Stunden Schlaf nachholen. Es ist also nicht möglich, die eine Nacht überhaupt nicht zu schlafen und den verlorenen Schlaf in der nächsten Nacht komplett nachzuholen.

Generell ist es nicht gesund, seinen Schlafrhythmus regelmäßig zu stören. Für unseren Körper ist es am gesündesten, wenn wir regelmäßig zur gleichen Zeit ins Bett gehen und ohne Unterbrechung durchschlafen. Störst du regelmäßig und über einen längeren Zeitraum deinen zirkadianen Rhythmus, erhöhst du die Gefahr auf:

  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Depressionen
  • Schlaganfälle
  • Alzheimer
  • Diabetes Typ 2

Konntest du eine Nacht schlecht schlafen, beispielsweise, weil du zu schwer gegessen hast oder du aufgeregt vor einer Prüfung bist, kann dein Körper das problemlos verkraften. Dann kannst du auch bis zu einem gewissen Grad den Schlaf nachholen. Das kannst du allerdings nicht, wenn du dauerhaft unter Schlafstörungen leidest oder du dich dem Schlafmangel regelmäßig extra aussetzt. Deswegen sollten Störungen des Schlafrhythmus die Ausnahme bleiben.

Kann ich vorschlafen?

Wir sind fitter, wenn wir vor dem Durchmachen vorschlafen? Das stimmt leider nicht. Im Gegenteil: wer ständig für ein gewisses Ereignis vorschlafen will, schadet über kurz oder lang seinem eigenen Schlafrhythmus. Man kann aus einer Lerche keine Eule machen. Heißt: wenn du normalerweise früh ins Bett gehst, hilft es dir nichts, wenn du mittags für den Abend „vorschläfst“.

Du kannst also nicht vorschlafen. Der Mensch kommt eben nicht aus seiner Haut. Sei es mit seinen Vorlieben beim Essen oder eben beim Schlafen. Und außerdem: gesunder Schlaf ist so wichtig wie schön. Wir geben dir Tipps, wie du deinen Schlaf nachhaltig verbessern kannst.

Übrigens: Unser Artikel „Schlafen: 8 Schlafmythen und Wahrheiten“ nennt dir noch weitere urbanen Legenden rund ums Thema Schlafen.

Quellen:

Gesundheitsinformationen: Was ist „normaler“ Schlaf?
Max-Planck-Institut für Psychiatrie: Schlafstörungen.
Kindergesundheit-Info: Das Wichtigste zum Schlaf im ersten Lebensjahr.

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Alexander Scherb

Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de