Gesunder Schlaf

Spät ins Bett: 4 Anzeichen der „Bedtime Procrastination“

Spät ins Bett: 4 Anzeichen der „Bedtime Procrastination“

Kommt dir das bekannt vor? Du bist eigentlich todmüde, aber trotzdem schaust du bis tief in die Nacht deine Lieblingsserie oder scrollst bei Instagram durch deinen Feed. Dieses vermeintlich grundlose Aufschieben des Zubettgehens nennt man auch „Bedtime Procrastination“. Was es damit auf sich hat und an welchen weiteren Anzeichen sich diese Schlafstörung bemerkbar macht, erfährt du hier.

Bedtime Procrastination: Mann liegt im Bett und schaut auf sein Handy
„Bedtime Procrastination“ bezeichnet die abendliche Zeitverschwendung bis tief in die Nacht. Bild: iStock

„Bedtime Procrastination“ oder auch „Revenge Bedtime Procrastination“ bezeichnet ein Phänomen, bei dem Menschen das Zubettgehen aufschieben, um Aktivitäten nachzugehen, für die sie tagsüber keine Zeit haben. Die Folgen: Schlafentzug, Müdigkeit, schlechte Laune und Stress. Anstatt jedoch daraus zu lernen und den nächsten Tag früher ins Bett zu gehen, wiederholt sich das Spiel Abend für Abend.

Der Begriff „Bedtime Procrastination“ wurde 2014 das erste Mal von niederländischen Forscherinnen der Universität Utrecht untersucht und beschrieben. Ursprünglich stammt das Konzept jedoch aus China, wo Überstunden die Norm sind und Urlaub als Luxusgut angesehen wird. Das Hinzufügen des Wortes „Revenge“ (Rache) bezieht sich auf die Frustration über lange, stressige Arbeitszeiten, die wenig Zeit für das persönliche Vergnügen lassen. Betroffene versuchen also, sich „aus Rache“ das zurückzuholen, wofür sie am Tag keine Zeit hatten – auf Kosten des Schlafs. Die Prokrastination ins Bett zu gehen wird demnach häufig als eine Möglichkeit angesehen, ein paar Stunden Entspannung, Unterhaltung und Freizeit in einem stressigen Alltag zu finden. 

Obwohl das Aufschieben im ersten Moment verlockend klingen mag, kann es zu ernsthaftem Schlafentzug führen. Schlafmangel wiederum kann erhebliche negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben und zu einer geringeren Leistungsfähigkeit und einem Anstieg des Stresshormons Cortisol führen.

Anzeichen der „Bedtime Procrastination“

Langes Aufbleiben muss nicht unbedingt direkt ein Anzeichen einer Schlafprokrastination sein. Forscher gehen davon aus, dass mindestens drei Hauptmerkmale zutreffen müssen, um von einer „Bedtime Procrastination“ zu sprechen:

  1. Das Aufschieben des Einschlafens muss die Gesamtschlafzeit einer Person pro Nacht verringern.
  2. Die Verzögerung des Einschlafens ist nicht auf einen anderen Grund zurückzuführen, wie beispielsweise auf eine Krankheit oder eine den Schlaf störende Umweltbedingung.
  3. Die betroffenen Personen sind sich voll und ganz bewusst, dass es zu negativen Konsequenzen und Schlafentzug führen kann, aber sie entscheiden sich trotzdem dafür, es zu tun.
  4. Die betroffenen Personen geben an, dass sie Zeit benötigen, um zu entspannen. Häufig wird versucht, sich die Freizeit und Entspannung, die man am Tag nicht hatte, selbstbestimmt am Abend zurückzuholen.   

Die Psychologie hinter der Prokrastination

Schlafprokrastination ist in der Schlafforschung noch ein relativ junges Konzept, weshalb die Ursachen und Hintergründe noch nicht endgültig erforscht wurden. 

Eine Erklärung für das Aufschieben des Zubettgehens hängt möglicherweise mit dem Gefühl, nicht genug Freizeit zu haben, oder dem Gefühl, generell keine Kontrolle über das eigene Leben zu haben, zusammen. Unser Alltag und unsere Zeit ist in den meisten Fällen stark von der Arbeit, der Familie oder der Schule kontrolliert. Manche Menschen sehen daher das Aufschieben des Schlafs als ihre eigene Zeit an, in der sie endlich das tun können, was sie wollen und in der sie die Kontrolle über ihr eigenes Leben zurückgewinnen. 

Darüber hinaus leiden auch Menschen, die grundsätzlich eine geringere Selbstkontrolle haben, häufiger unter „Bedtime Procrastiation“. Zudem sinkt unsere Fähigkeit zur Selbstregulierung im Laufe des Tages immer weiter, was dann das Aufschieben des Schlafs weiter fördern kann. 

Wer ohnehin eher zum Aufschieben von Aufgaben neigt, ist auch vor dem Zubettgehen für ein solches Verhalten anfälliger. Aber auch Menschen, die von Natur aus Nachteulen sind und sich später wach fühlen und länger aufbleiben, sind häufiger betroffen. 

Tipps gegen das Aufschieben des Schlafs

Solltest du Symptome, Ursachen und Folgen der Schlafprokrastination bei dir wiedererkennen, kannst du Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass das Aufschieben des Zubettgehens zu unzureichendem Schlaf führt.

  • Verzichte auf die Nutzung elektronischer Geräte mindestens eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen
  • Plane Zeit für dich selbst ein
  • Räume dem Schlaf höchste Priorität ein
  • Entwickle eine gesunde Schlafroutine
  • Verzichte auf Alkohol und Kaffee am späten Nachmittag und Abend

Du möchtest mehr erfahren? Wir verraten dir Tricks, wie du es schaffst, früher zu schlafen.

Quellen: nationalgeographic.de, cnn.com

Autor Profilbild

Nele Jacobs

Online-Volontärin bei MeinSchlaf.de