Gesunder Schlaf

So beeinflusst Einsamkeit unsere Schlafqualität

So beeinflusst Einsamkeit unsere Schlafqualität

Aktuelle Studien sehen Einsamkeit und soziale Isolation als Ursache für Schlafstörungen. Demnach sollen einsame Menschen häufiger unter Schlafunterbrechungen und genereller Unruhe während der Nacht leiden.

Einsamkeit kann die Schlafqualität junger Erwachsener beeinträchtigen. Bild: iStock

Stress, Sorgen oder zu viel Kaffee – das sind nur einige der Faktoren, die uns zu schlechtem Schlaf verleiten können. Studien deuten nun darauf hin, dass auch Einsamkeit dieser Aufzählung hinzugefügt werden kann. 

Was ist Einsamkeit?

Wir alle haben Momente, in denen wir uns einsam fühlen und das Gefühl haben, von den Menschen um uns herum abgekoppelt zu sein. Das kann in Situationen passieren, in denen man tatsächlich allein ist, aber auch, wenn man von Menschen umgeben ist. Chronische Einsamkeit kann jedoch erhebliche Auswirkungen auf unsere körperliche und geistige Gesundheit haben.

Definiert wird Einsamkeit als „eine wahrgenommene Diskrepanz zwischen den gewünschten und den tatsächlichen sozialen Beziehungen“. Dieses subjektive Gefühl des Mangels an Verbundenheit und Gesellschaft oder des Fehlens von Zugehörigkeit wird von den Betroffenen als sehr schmerzhaft empfunden. Einsamkeit kann aber auch Gefühle der Enttäuschung über die Qualität der Beziehungen zu Freunden und Familie umfassen. 

Einsamkeit und Alleinsein sind unterschiedliche Sachverhalte

Einsamkeit wird oft mit Alleinsein verwechselt, dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Sachverhalte. Während Einsamkeit durch das Gefühl der (unfreiwilligen) Isolation trotz des Wunsches nach sozialen Kontakten gekennzeichnet ist, ist Alleinsein hingegen freiwillig. 

Menschen, die gerne Zeit mit sich selbst verbringen, pflegen weiterhin soziale Beziehungen, auf die sie zurückgreifen, wenn sie sich nach Gesellschaft sehnen. Einsamkeit hingegen wird oft als unfreiwillige Trennung, Ablehnung oder Verlassenheit durch andere Menschen empfunden.

Chronische Einsamkeit als Gesundheitsrisiko erkannt

In den letzten Jahren, insbesondere in der Corona-Pandemie, wurden chronische Einsamkeit und soziale Isolation als ernsthaftes Problem der öffentlichen Gesundheit erkannt und als ein Gesundheitsrisiko bezeichnet. Soziale Isolation als auch wahrgenommene Einsamkeit können die Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Sie stehen im direkten Zusammenhang mit einer erhöhten depressiven Symptomatik, erhöhtem Blutdruck, ungesundem Schlafverhalten sowie einem schwächeren Immunsystem. Ein Bereich der Forschung hat sich speziell auf die Beziehung zwischen Einsamkeit und Schlaf konzentriert.

Studie: Einsamkeit wirkt sich auf Schlafqualität aus

Wissenschaftler des Londoner King’s College haben herausgefunden, dass junge Erwachsene, die angaben, sich einsam zu fühlen, häufiger unter schlechter Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Konzentrationsschwäche litten als ihre nicht einsamen Mitmenschen. Die Autoren der Studie, die in der Zeitschrift Psychological Medicine veröffentlicht wurde, untersuchten dafür die Schlafqualität von 2232 Zwillingen im Alter von 18 und 19 Jahren über einen Zeitraum von einem Monat. Gleichzeitig wollten die Forscher anhand von Interviews und Fragebögen wissen: Wie häufig fehlt dir Gesellschaft mit anderen? Wie oft fühlst du dich ausgegrenzt oder allein gelassen? Wie häufig von anderen isoliert? Und: Wie oft fühlst du dich allein?

Etwa 25 bis 30 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass sie sich manchmal einsam fühlten, während etwa fünf Prozent sagten, dass sie sich oft einsam fühlten.

Darüber hinaus ergab die Studie, dass die einsamen Zwillinge eine um zehn Prozent schlechtere Schlafqualität aufwiesen als die Zwillinge, die nicht von Einsamkeit berichteten. Weiterhin litten sie mit einer 24 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit unter Tagesmüdigkeit und Konzentrationsproblemen.

Warum beeinflusst Einsamkeit unsere Schlafqualität?

Der Zusammengang zwischen Einsamkeit und schlechter Schlafqualität liegt für die Wissenschaftler möglicherweise in der Erklärung, dass sich einsame Menschen weniger sicher fühlen. Aus dem Blickwinkel der evolutionären Verhaltensbiologie war die Gemeinschaft zum Schutz und für das Überleben unserer Vorfahren sehr wichtig. Denn wer in der Nacht von seiner sozialen Gruppe getrennt war, machte sich leichter angreifbar. Dieses empfundene Unbehagen kann wiederum zu einer Stressreaktion führen, die sich negativ auf die Nachtruhe auswirkt.

Weitere Studien weisen zudem darauf hin, dass Einsamkeit mit Veränderungen des zirkulierenden Cortisols verbunden ist. Cortisol ist ein Hormon, welches bei Anspannung im Körper ausgeschüttet wird. Es erhöht die Herzfrequenz, damit das Blut effizienter zu den lebenswichtigen Organen und Muskeln zirkulieren kann und macht uns wacher. Die Folge: Schlafstörungen.

Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass der Zusammenhang zwischen Einsamkeit und schlechter Schlafqualität bei jungen Erwachsenen, die in der Vergangenheit Gewalt ausgesetzt waren, am stärksten war.

Auch interessant: So wirkt sich Lärm auf deinen Schlaf aus

Autor Profilbild

Nele Jacobs

Online-Volontärin bei MeinSchlaf.de