Gesunder Schlaf

Mundpflaster: Sorgt Mund zukleben für besseren Schlaf?

Mundpflaster: Sorgt Mund zukleben für besseren Schlaf?

Beim sogenannten „Mouth Taping“ klebt man sich den Mund mit einem atmungsaktiven Klebeband zu. Kann man mit Mund zukleben tatsächlich die Schlafqualität und Mundgesundheit verbessern?

Mund zukleben: Mann mit zugeklebten Mund schaut in die Kamera.
Sorgt Mund zukleben wirklich für einen besseren Schlaf? Bild: iStock/AndreyPopov

Der US-Gesundheitscoach Coryl Rodriguez gab seinen Followern auf TikTok einen ungewöhnlichen Gesundheitstipp. Er klebe sich jede Nacht vor dem Schlafengehen den Mund mit Klebeband zu. Durch eine Atmung durch die Nase würde nicht nur das Schnarchen verhindert, sondern den Mund auch vor dem Austrocknen bewahren. Eignet sich „Mouth Taping“ tatsächlich für den Alltag?

Ein Mundpflaster verbessert die Mundhygiene

Zunächst einmal sorgt das atmungsaktive Klebeband nachts tatsächlich für weniger Schnarchen, durch einen offenen Mund. Und trocknet der Mund aus, können die Schleimhäute nicht mehr ihrer Funktion als Keimbarriere gerecht werden. Es besteht eine höhere Infektionsgefahr. Dieses Argument unterstrich auch eine Gruppe Forscher mit ihrer Studie über Mundhygiene.

Auch morgendlichem Mundgeruch wird so vorgebeugt. Denn der entsteht hauptsächlich durch das Atmen durch den Mund. Tatsächlich sorgt Mouth Taping also für eine bessere Mundhygiene. Wir haben in unserem Artikel „Schnarchen: 5 Tipps, die dagegen helfen“ noch weitere Tipps zusammengefasst, die gegen das nächtliche Sägen helfen.

Damit das Mund zukleben allerdings wirklich Sinn macht, muss zwischen verschiedenen Gründen, warum es zur Atmung durch den Mund kommt, unterschieden werden.

Unser Artikel „Mundgeruch: Darum müffelst du nach dem Aufstehen“ erklärt, wie es zum schlechten Atem am Morgen kommt.

Das soll das Mundpflaster noch verbessern

Neben einer besseren Mundhygiene soll Mund zukleben noch viele weitere positive Effekte haben, darunter:

  • Eine Verbesserung der Verdauung
  • Stärkung des Immunsystems
  • Eine Verbesserung der Konzentration und des Erinnerungsvermögens
  • Reduzierung von zu hohem Blutdruck
  • Angstzustände und Depressionen legen sich
  • Hilft beim Abnehmen
  • Verbesserung der Verdauung
  • Kopfschmerzen, Migräne und Rückenschmerzen wird vorgebeugt

All diese angeblich positiven Eigenschaften von Mouth Taping solltest du mit Vorsicht genießen. Es gibt dazu überhaupt keine Studien oder gar eine ernsthafte Forschung. Bisher handelt es sich dabei nur um persönliche „Erfahrungen“ von Anwendern.

Hier gibt es Tipps zum Einschlafen, die deinen Schlaf wirklich nachhaltig verbessern!

Nicht bei jedem Schnarchen eignet sich ein Mundpflaster

Gerade für Partner oder Partnerinnen von Schnarchenden klingt ein Mundpflaster natürlich besonders verlockend, kann damit doch das Schnarchen in der Nacht eliminiert oder zumindest gemildert werden. Doch auch dabei ist Vorsicht geboten, denn die Mundatmung gibt es von unserem Körper nicht ohne Grund. Statistisch schnarchen folgende Personen am häufigsten:

  • ältere Menschen
  • Übergewichtige
  • Raucher
  • Personen nach Alkoholgenuss

Bei älteren Menschen kann ein Mundpflaster tatsächlich die Mundatmung – und damit das Schnarchen – minimieren und die Nasenatmung fördern. Anders sieht es bei Übergewichtigen aus. Sie leiden nämlich häufig an Schlafapnoe und bekommen ohnehin schlechter Luft. Hier kann ein Pflaster die gestörte Mundatmung noch verschlimmern. Vor allem, wenn die Nase verstopft oder die Nasenscheidewände geschwollen sind und dadurch eine Nasenatmung schwerfällt.

Bei Rauchern sind häufig die Schleimhäute im Rachen gereizt, wodurch eine Mundatmung stattfindet und dann Luft bei Entspannung des Gaumenzäpfchens geräuschvoll eingeatmet wird. Hier wird ein Pflaster kaum helfen, da es ja nicht die Spannung des Zäpfchens verbessert.

Das Gleiche gilt für Menschen, die nach Alkoholgenuss schnarchen. Auch hier fließt die Luft mit einem Schnarchen am Zäpfchen vorbei. Mund zukleben hilft hier ebenfalls nicht, da auch hier die Nasenatmung durch ein Anschwellen der Schleimhäute eingeschränkt ist.

Mund zukleben mit dem Arzt absprechen

Zwar mag Mund zukleben bei Schnarchen helfen, allerdings solltest du ein Pflaster niemals ohne das Einverständnis deinen Arztes nutzen. Es kann beispielsweise passieren, dass du unter einer Schlafapnoe leidest, ohne es zu wissen. Bei einer Schlafapnoe können unter anderem die Atemwege verengt sein, wodurch das Atmen sowieso schon schwerfällt. Sich dann einem Mouth Taping zu unterziehen, sich das Atmen weiter zu erschweren.

Auch eine Allergie gegen Bettmilben kann dazu führen, dass sich deine Nase nachts verschließt. Auch dann kannst du Probleme beim Atmen bekommen und das ist alles andere als erholsam. Möchtest du solch ein Mundpflaster unbedingt ausprobieren? Bei Amazon gibt es die Pflaster relativ günstig.

Vorsicht bei Parasomnien

Den Mund zukleben kann bei einem normalen Schlafverhalten vielleicht hilfreich sein, bei Erkrankungen wie einer Schlafapnoe gilt jedoch Vorsicht. Das Zusammenspiel zwischen dem Klebeband und einer Erkrankung ist nicht erforscht. Wer kann sagen, ob man mit Mouth Taping nicht sogar das Leiden verschlimmert?

Wer beispielsweise unter Nachtschreck oder unter einer anderen Parasomnie leidet, kann mit Mouth Taping für Irritationen oder im schlimmsten Fall sogar Panik beim Aufwachen sorgen. Oftmals sind Betroffene durch den nächtlichen Vorfall schon verstört genug. Ein Tape über dem Mund kann die Situation verschlimmern.

Nasenatmung: Die natürliche Atmung im Schlaf

Der Mensch atmet von Natur aus beim Einschlafen und im Schlaf durch die Nase. Wenn du nachts also den Mund zukleben willst und leidest nicht an einer der oben genannten Krankheiten, legst du dir vielleicht sogar völlig umsonst solch ein Tape zu.

Kontrolliere also erst einmal, ob du den Mund zukleben musst, bevor du dir ein Mundpflaster besorgst. Übrigens: Die Nasenatmung hat einen evolutionären Sinn. Die Schleimhäute der Nase filtern Bakterien und Staubpartikel nämlich viel besser als der Mund.

Mundpflaster und verstopfte Nase: Was tun?

Möchtest du dir den Mund zukleben und leidest aber an einer verstopften Nase, solltest auf das Tape verzichten. Zwar ist es ausgeschlossen, dass du im Schlaf erstickst, da du vorher aufwachst. Durch die schlechtere Atmung durch die Nase, kann es aber trotzdem zu dem unangenehmen Gefühl kommen, nicht genug Luft zu bekommen.

Ist ein Mundpflaster gefährlich?

Wirklich gefährlich ist solch ein Pflaster nach heutigem Kenntnisstand nicht. Die meisten Menschen sind auch nachts viel zu sensibel und aufmerksam, um einzuschlafen, wenn irgendwas ihre Atemwege blockiert und sie keine richtige Luft kriegen. Alleine aus diesem Grund kannst du es mit Mouth Taping mal probieren. Merkst du aber, dass dich das Pflaster beim Atmen stört, höre auf deinen Körper und entferne es.

Solltest du nachts unter Schlafproblemen leiden, suche dir lieber Hilfe bei einem Arzt. Ein Arzt kann dir nachhaltige und hilfreiche Tipps zum Einschlafen geben und dir notfalls auch mit Medikamenten helfen oder dich an einen Spezialisten überweisen. Übrigens, auch wir können dir effektive Tipps für einen erholsamen Schlaf geben.

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Alexander Scherb

Senior Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de