Gesunder Schlaf

Eule oder Lerche: Welcher Schlaftyp bist du?

Eule oder Lerche: Welcher Schlaftyp bist du?

Eule oder Lerche: Schlafforscher wenden die beiden Vögel auf Menschen mit den entsprechenden Schlafgewohnheiten an. Warum ist jemand eine nachtaktive Eule und der andere eine tagaktive Lerche? Schlafmedizinerin Kathrin Frank und Neurologe Wolf-Oliver Krohn überraschen mit interessanten Fakten über Lerchen und Eulen. Und wir sagen dir, welcher Schlaftyp du bist.

Eule oder Lerche? Zu welchem Schlaftyp gehörst du?
Eule oder Lerche? Zu welchem Schlaftyp gehörst du? Bild: Unsplash

Dein Partner oder deine Partnerin ist abends um 22:00 Uhr topfit, während du schon seit einer Stunde in den Seilen hängst? Das kann an der Theorie der Eule oder Lerche liegen. Eine Eule – in dem Fall deine Partnerin oder dein Partner – ist nämlich nachtaktiv und eine Lerche – also du – ist tagaktiv. Wahrscheinlich bist du schon längst wach, während deine bessere Hälfte noch die Federn hütet, dafür wirst du müde, sobald die Sonne untergeht.

Chronotypen nennt das die Wissenschaft. Mundartlich werden sie auch Schlaftypen genannt. Oder eben Eule und Lerche. Kann man also alle Menschen in zwei Kategorien einteilen? Ganz so einfach ist es nicht, schon alleine, weil sich die Schlafgewohnheiten im Laufe eines Lebens mehrmals ändern. Wenn du aber wissen willst, warum du beispielsweise so unterschiedlich zu deiner Partnerin oder deinem Partner tickst, ist der Vergleich Eule oder Lerche ein guter Indikator.

Eule oder Lerche: Welcher Schlaftyp bist du?

Um herauszufinden zu welchem Schlaftyp du gehörst, musst du natürlich erst einmal wissen, ab wann Forscher und Mediziner von einer Eule und ab wann von einer Lerche sprechen. Dazu gibt es ein paar Anhaltspunkte. Du wirst zum Schlaftyp der Lerche gezählt, wenn:

  1. Du morgens ab sechs Uhr wach und fit bist.
  2. Du deinen Leistungshöhepunkt zwischen neun und elf Uhr vormittags hast.
  3. Du am liebsten gegen zehn Uhr abends ins Bett gehst.

Zum Schlaftyp der Eule wirst du dann gezählt, wenn:

  1. Du lieber erst um neun Uhr morgens oder später aufstehst.
  2. Du deinen Leistungshöhepunkt zwischen vier Uhr nachmittags und neun Uhr abends erreichst.
  3. Du regelmäßig bis zwei Uhr nachts oder noch länger wach bist.

Ob du Eule oder Lerche bist, erkennst du übrigens schon am Essverhalten. Liegt dir das Frühstück wie ein Stein im Magen? Dann gehörst du höchstwahrscheinlich zur Gattung der Eulen, denn nachtaktive Menschen frühstücken nicht gerne. Für Lerchen ist das Frühstück (fast) die wichtigste Mahlzeit des Tages.

Willst du mehr über die verschiedenen Schlaftypen wissen? In unserem Lexikon findest du alles über deinen Chronotyp.

Welche Rolle spielen Genetik und Alter?

„Grundsätzlich ist der Schlaf- und Wach-Rhythmus des Menschen genetisch festgelegt und dadurch individuell verschieden“, erklärt die Medizinerin Kathrin Frank, warum die innere biologische Uhr bei jedem anders tickt. Allerdings: Dein Schlaftyp, also ob du Lerche oder Eule bist, verändert sich im Laufe des Lebens. Die meisten Kleinkinder sind bereits früh morgens sehr aktiv. Oftmals zum Leidwesen der Eltern, die am Wochenende gerne mal ausschlafen würden.

„Was auch klar ist: Jugendliche sind fast immer Eulen und die frühen Schulzeiten sind für sie oft eine Qual. Daher leiden viele Schülerinnen und Schüler unter chronischem Schlafmangel“, gibt Dr. Kathrin Frank zu bedenken. Je älter du wirst, desto eher entwickelst du dich wieder in Richtung Morgenmensch. Das heißt: Du gehst früh ins Bett und stehst auch wieder früh auf (lies dazu auch Ist früh schlafen gehen besser für die Gesundheit?).  

Der Schlaf-Wach-Rhythmus des Menschen ist tatsächlich stark altersabhängig“, bestätigt auch der Neurologe Wolf-Oliver Krohn. „Neugeborene schlafen bis zu 20 Stunden täglich, Kinder zehn bis zwölf Stunden. Erwachsene liegen meistens sieben bis acht Stunden im Bett, während ältere Menschen oft mit weniger als sechs Stunden Schlaf in 24 Stunden auskommen ohne am Tag müde zu sein“, so Dr. Wolf-Oliver Krohn.

Was kennzeichnet eine Eule?

Abseits der schon genannten Unterschiede im Schlafrhythmus haben die beiden Vogelarten weitere, ganz unterschiedliche Eigenschaften. So schläft die Eule nicht nur gerne länger und ist dafür bis in die Nacht wach, sie unterscheidet sich auch in anderen Merkmalen zur Lerche:

  • Eine Eule gilt als wesentlich kontaktfreudiger.
  • Ebenso soll sie risikobereiter sein, als die Lerche.
  • Die Eule gilt als weniger treu und sexuell aktiver.

Gesundheitlich sollten Eulen wohl eher aufpassen, denn:

  • Eulen gelten generell als schmerzempfindlicher.
  • Eulen neigen angeblich zu stärkerem Übergewicht.
  • Eulen sollen wohl anfälliger für Depressionen sein.

Vorsicht mit solchen Aussagen

Zwar gibt es einige Studien, die die oben genannten Thesen vordergründig bestätigen, trotzdem solltest du solche Aussagen mit Vorsicht genießen. Wie schon erwähnt, ändern die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens mehrmals ihren Chronotyp. Werden aus untreuen, risikobereiten und schmerzempfindlichen Eulen so in kurzer Zeit treue, gesetzte, schmerzunempfindliche Lerchen? Ganz sicher nicht.

Manche Forscher geben in ihren Untersuchungen auch ganz offen zu, dass noch andere Faktoren wie Erziehung, Charakter oder Ernährung mit in ihren Studien berücksichtigt wurden. Zudem wird oft eine große Anzahl von Menschen einer gewissen Gruppe untersucht. Hieraus ergibt sich ein Mittelwert. Dieser sagt allerdings nur etwas über die Masse, nicht aber etwas über den Einzelnen aus. Weiterhin wurde bisher keine der Studien bestätigt. Jede Eule oder Lerche ist also ganz unabhängig von ihrem Chronotypen individuell verschieden.

Was kennzeichnet die Lerche?

Die Lerche gilt als der geborene Frühaufsteher. Zu Zeiten in denen die Eule noch in tiefsten Träumen steckt, beginnt für die Lerche schon die allmorgendliche Routine. Meist erreicht sie ihren Leistungshöhepunkt zwischen neun und elf Uhr morgens. Natürlich besitzt auch die Lerche laut einiger Forscher markante Eigenschaften. Beispielsweise:

  • Lerchen lernen leichter als Eulen.
  • Lerchen sind treuer und haben weniger Sex.
  • Selbstkontrolle ist bei Lerchen stärker ausgeprägt.
  • Das Krebsrisiko ist bei Lerchen erhöht.

Wie schon oben bei den Eulen, solltest du diese Aussagen nicht allzu ernst nehmen, auch wenn ihnen Studien zugrunde liegen. Beispiel Lernen: Hier kamen zwei Deutsche Universitäten zu zwei unterschiedlichen Ergebnissen. Während bei der Universität Trier laut Studie beim Lernen die Eulen klar die Nase vorn haben, bescheinigt die Universität Heidelberg den Lerchen einen Vorteil beim Lernen.

Eule oder Lerche – individuell verschieden

„Das Schlafbedürfnis zeigt eine große Streuung zwischen einzelnen Menschen und wird durch genetische Faktoren, frühkindlich erworbene Gewohnheiten, körperliche Aktivität und psychische Faktoren beeinflusst“, fasst Wolf-Oliver Krohn die Hintergründe des unterschiedlichen Schlafbedürfnisses zusammen.

Er weiß auch: „Der Schlaf-Rhythmus mit einer langen Wachphase am Tage und einer langen Schlafphase in der Nacht entwickelt sich über die ersten Lebensjahre. Im fortgeschrittenen Erwachsenenalter häufen sich die nächtlichen Aufwachphasen und auch die Wachphase am Tage wird durch kurzzeitige Schlafphasen (Sekunden bis Minuten) unterbrochen. Ab dem 35. Lebensjahr schlafen Frauen etwas mehr als Männer. Ein wichtiger Hinweis auf einen mangelhaften Nachtschlaf ist eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit.“ 

Unser Artikel: „Schlafapnoe – Symptome, auf die du achten solltest“ geht näher auf einen Grund für Tagesmüdigkeit ein.

Eule oder Lerche oder keins von beidem?

Tatsächlich gibt es noch einen dritten Chronotypen. Den sogenannten Normaltyp. Rund 60 Prozent der Bevölkerung macht diesen Typen aus. Sie schlafen am besten zwischen null und acht Uhr und haben ihr Leistungshoch am späten Vormittag. Hast du dich also bisher weder mit einer Eule noch einer Lerche identifizieren können, gehörst du wahrscheinlich zur der großen Gruppe des Normaltyp.

Es ist übrigens egal, ob du Eule oder Lerche bist oder zur Gruppe des Normaltypen zählst, für deine Gesundheit ist hauptsächlich wichtig, dass dein zirkadianer Rhythmus nicht aus dem Tritt gerät. Der zirkadiane Rhythmus beschreibt die Fähigkeit unseres Körpers sich auf den 24-Stunden-Tag zu synchronisieren. Forscher gehen davon aus, dass der Chronotyp (und damit der persönliche zirkadiane Rhythmus) vererbt wird.

Ist „umtrainieren“ eine gute Lösung?

„Problematisch wird es, wenn man durch äußere Zeitgeber wie Arbeit und familiäre Verpflichtungen permanent gegen den eigenen Rhythmus schlafen oder wach sein muss“, so Schlafmedizinerin Kathrin Frank. 

„Ob es möglich ist, den zirkadianen Rhythmus auszutricksen, ist letztlich von den oben genannten Faktoren abhängig. Sinnvoller ist es in jedem Fall, sich dem Schlafbedürfnis und Rhythmus individuell anzupassen und Schlaf als individuelle Notwendigkeit anzuerkennen“, unterstreicht Wolf-Oliver Krohn.

Grundsätzlich gilt: Du kannst dir deinen natürlichen Rhythmus, ob Eule oder Lerche, nicht abgewöhnen oder umtrainieren. Du kannst dich aber sehr wohl dazu motivieren, gegen deinen eigenen Rhythmus aktiv zu sein. Besonders Eulen haben nämlich im Alltag damit zu kämpfen, dass sie ihren natürlichen Rhythmus kaum ausleben können. Denn Schule und Arbeit beginnen meist früh am Morgen.

Allerdings: Auf Dauer kann das sogar ungesund sein, es wird sehr viel geistiges und körperliches Potenzial verschenkt, weil Abendmenschen während der Arbeitszeiten gar nicht richtig zur Höchstform auflaufen können. Lies dazu unseren Artikel „Welche Folgen hat ein Schlafdefizit?

„Die wenigsten Menschen sind extreme Lerchen oder extreme Eulen – die meisten sind Mischtypen“, macht die Expertin Kathrin Frank Mut.

Dr. Kathrin Frank ist Fachärztin unter anderem für Schlafmedizin und Leiterin eines Schlaflabors in Karlsruhe (www.schlaflabor-durlach.de).

Der Neurologe Dr. Wolf-Oliver Krohn engagiert sich als Patientenberater für die Deutsche Hirnstiftung (www.hirnstiftung.org) – das ist eine gemeinnützige Organisation, die über neurologische Erkrankungen aufklärt und Patienten bei medizinischen Fragestellungen weiterhilft.

Quellen:

Science Direct: How many diurnal types are there? A search for two further “bird species”.
Building Healthy Academic Communities Journal: The Influence of Chronotype and Grit on Lifestyle and Physical Activity.
Stiftung Gesundheitswissen: Schlaf: Warum wir ihn brauchen.
Ärzteblatt: Frühe Aufsteher erkranken seltener an Depressionen.

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Alexander Scherb

Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de