Gesunder Schlaf

Co-Sleeping: Ein Pro und Kontra

Co-Sleeping: Ein Pro und Kontra

Manche Eltern sind dagegen, andere sind glühende Verfechter. Co-Sleeping spaltet die Elternschaft. Was ist Co-Sleeping überhaupt und was sind die Vor- und Nachteile eines Familienbetts? In diesem Artikel schauen wir uns das Thema genauer an.

Co-Sleeping: Familie liegt gemeinsam schlafend im Bett.
Beim Co-Sleeping schläft die ganze Familie in einem Bett. Bild: iStock

Direkt nach der Geburt und am Anfang der Elternschaft liegt das Kind wahrscheinlich ganz logischerweise nah bei Mama. Viele Eltern nutzen dafür ein Beistellbett, in welches das Baby nachts gelegt wird und wenn es nötig wird, schnell angelegt werden kann.

Nun lieben es Babys auch nach der Anfangszeit so nah wie möglich bei Mama und Papa zu sein. Doch ist es sinnvoll, das Kind auch dann noch im elterlichen Bett zu haben, wenn es schon alt genug für ein eigenes Bett ist? Co-Sleeping nennt sich diese Art des Zusammenschlafens und spaltet die Elternschaft wohl, wie kaum ein anderes Thema. Doch was sind die Vorteile von Co-Sleeping? Und was die Nachteile?

Woher stammt Co-Sleeping?

Wenn es darum geht, wann Co-Sleeping erfunden wurde, dann muss man wohl mit „vor Jahrtausenden“ antworten. Denn, dass die Familie gesammelt in einem Bett schläft, gibt es wohl schon so lange, wie feste Schlaflager existieren. Forscher fanden Jahrtausende alte Schlafstätten, an denen man erkennen konnte, dass die komplette Familie dort schlief.

Auch im Mittelalter, der frühen Neuzeit und während der industriellen Revolution hatte die „Durchschnittsfamilie“ wohl kaum Geld und Platz, dem Kind oder den Kindern eigene Betten zur Verfügung zu stellen. Geschadet hat das wohl keinem. Oder doch? Fakt ist, die Kindersterblichkeit hat im Laufe der Zeit abgenommen. Hängt das etwa mit dem Auslagern der Kinder aus dem elterlichen Bett zusammen?

Begünstigt das Familienbett den plötzlichen Kindstod?

Eine Frage, die bis heute die Gemüter erhitzt. Schuld daran ist eine Studie aus dem Jahr 2013, in der behauptet wird, Co-Sleeping würde das Risiko des plötzlichen Kindstods um das Dreifache erhöhen. Allerdings gilt mittlerweile als erwiesen, dass die Studie unter falschen Bedingungen und mit falschen Daten durchgeführt wurde.

Wirklich ernst nehmen sollte man das Ergebnis also nicht. Auch wenn das Familienbett also per se nicht für ein höheres Kindstod-Risiko verantwortlich gemacht werden kann, gibt es trotzdem ein paar Risiken für Kinder, im elterlichen Bett zu schlafen. Auf die gehen wir im Abschnitt „Die Nachteile von Co-Sleeping“ ein.

Die Vorteile von Co-Sleeping

Es gibt zahlreiche Vorteile, ein Familienbett zu haben. Welche das sind, wird jetzt genauer erläutert:

  1. Praktisch fürs Stillen
    Solange die Mutter ihr Kind stillt, ist Co-Sleeping ohnehin ungemein praktisch. Wenn das Baby wach wird und weint, weil es Hunger hat, ist Mama direkt da und kann das Kleine anlegen. Auch für die Elternteile ist das ein Vorteil. Immerhin müssen sie nicht aufstehen und zum Kind gehen oder das Kind holen. Dadurch schlafen alle schneller wieder ein und der Schlaf ist insgesamt erholsamer.
  2. Ruhigerer Schlaf
    Studien haben gezeigt, dass sowohl das Kind als auch die Eltern wesentlich ruhiger schlafen, wenn sie sich das Bett teilen. Mütter und Babys werden nachts ganz natürlich kurz wach und vergewissern sich im Halbschlaf, ob um sie herum alles in Ordnung ist und ob alle Familienmitglieder noch da sind. Schlafen alle gemeinsam in einem Bett, trägt also auch das zu einem erholsameren Schlaf bei.
  3. Stärkere Bindung
    Schlafen die Kinder von Anfang mit im Bett der Eltern, stärkt das die Bindung aller Familienmitglieder untereinander. Mutter und Kind fühlen den gegenseitigen Herzschlag und schlafen ruhiger. Das beruhigt auch den Partner. Studien haben sogar gezeigt, dass sich beim Co-Sleeping Herzschläge und Atmung von Mutter und Kind mit der Zeit angleichen.
  4. Besser für Geschwister
    Schläft das Baby bei den Eltern im Bett, kann schneller auf dessen Bedürfnisse eingegangen werden. Dadurch wird das ältere Geschwisterchen nicht geweckt und kann ruhig weiterschlafen.
  5. Längere Stillzeit
    Mütter, die mit ihrem Kind in einem Bett schlafen, stillen meist auch länger. Und Kinder, die länger gestillt wurden, sind später gesünder. So leiden sie beispielsweise weniger an Allergien. Die WHO empfiehlt übrigens Babys in den ersten sechsten Monaten ausschließlich zu stillen und anschließend noch bis zum zweiten Lebensjahr parallel zur normalen Ernährung zu stillen.

Die Nachteile von Co-Sleeping

Es gibt aber auch Nachteile, wenn sich eine Familie das Bett teilt. Diese sind:

  1. Unbeabsichtigtes Wecken
    Bleibt ein Elternteil länger wach als das andere mit Kind, kann es passieren, dass beim Zubettgehen das Kind wach wird. Das sorgt nicht nur für Unmut, sondern vor allen Dingen für unruhigen Schlaf.
  2. Fehlende Zweisamkeit
    Mit einem kleinen Bündel in der Mitte oder an der Seite fällt es vielen Eltern schwer, Intimität zu zeigen. Das kann dann auch zulasten der Partnerschaft gehen. Immerhin kann man auch mal kurzfristig auf einen anderen Raum ausweichen.
  3. Schlafprobleme
    Bei Eltern mit einem leichten Schlaf kann es zu Einschlafproblemen kommen. Babys und Kleinkinder schlafen nämlich viel unruhiger als Erwachsene und bewegen sich viel. Das kann empfindliche Eltern vom Schlaf abhalten.
  4. Alkohol und Zigaretten
    Einmal davon abgesehen, dass Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum ohnehin schädlich für den Körper sind, sollte man beim Co-Sleeping beides lassen. Tatsächlich erhöht sich das Kindstod-Risiko eines Babys, wenn es neben einem Elternteil schläft, das Alkohol getrunken oder Zigaretten geraucht hat.

    Achtung: Dieser Umstand darf nicht mit dem weiter oben genannten Risiko des Co-Sleepings verwechselt werden! Schuld am erhöhten Kindstod-Risiko ist nicht das Schlafen des Babys im Familienbett, sondern der Alkohol- und / oder Zigarettenkonsum der Eltern.
  5. Medikamente
    Das, was auf Alkohol und Zigaretten zutrifft, gilt auch für Medikamente. Dabei sind es hier nicht die Ausdünstungen der Eltern, die das Kindstod-Risiko erhöhen, sondern die Gefahr, durch den Medikamentenmissbrauch nicht mitzubekommen, dass man sich auf das Kind rollt. Dies kann auch beim normalen Gebrauch von Schlafmitteln passieren. Der Schlaf ist dann so tief, dass Eltern nicht mitbekommen, wenn sie sich auf ihre Kinder legen (ebenfalls bei Drogenmissbrauch). Dann besteht Erstickungsgefahr.
  6. Schlechtere Umgewöhnung
    Es kann passieren, dass Kinder, die an Co-Sleeping gewöhnt sind, später Schwierigkeiten mit der Umgewöhnung haben. Das ist allerdings eher selten. Die meisten Kinder wollen irgendwann von ganz alleine ihr eigenes Bett und haben mit dem Alleineschlafen dann auch nicht zu kämpfen.

Mythen über Co-Sleeping

Es gibt ein paar urbane Legenden, die sich hartnäckig in den Köpfen mancher Eltern halten, die allerdings nicht der Wahrheit entsprechen.

Mythos 1: Eltern können im Schlaf ihr Kind überrollen

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Eltern ihr Kind im Schlaf überrollen. Dem ist nicht so! Wir passen von Natur aus ganz unterbewusst auch im Schlaf auf, dass wir unseren Nachwuchs nicht zerquetschen oder überrollen. Im Gegenteil: Es wurde beobachtet, dass Mütter eine natürliche Schutzhaltung beim Co-Sleeping einnehmen. Die Beine sind angewinkelt und der untere Arm liegt ausgebreitet über dem Kopf des Kindes. So entsteht eine kleine Nische, in dem das Baby geschützt liegen kann.

Allerdings kommt es – wenn auch sehr selten – immer mal wieder vor, dass Eltern ihre Kinder überrollen. Dies ist in allen Fällen allerdings auf exzessiven Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch zurückzuführen. Dann waren die Eltern so betäubt, dass sie nicht merkten, wie sie sich im Schlaf auf ihr Kind legten. Auch Schlaftabletten sollten beim Co-Sleeping nicht eingenommen werden.

Mythos 2: Das Kind kann unter der Decke ersticken

Eine weitere Legende ist, dass ein Kind unter der Decke oder dem Kissen der Eltern ersticken kann. Immer wieder kann man von solchen Geschichten hören oder lesen. Tatsächlich kommen diese Unfälle – zwar sehr selten – aber immer mal wieder vor. Hier ist ebenfalls Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch der Grund für die Unfälle. Im Normalfall sind wir selbst im Tiefschlaf viel zu aufmerksam (und bewegen uns auch viel zu oft), um unser Kind zu ersticken.

Vorsicht: Das Ersticken unter der elterlichen Decke darf nicht mit dem Ersticken unter der eigenen Bettdecke gleichgesetzt werden. Kinder, die im eigenen Bettchen schlafen, aber noch zu klein zum Drehen sind, sollten keinesfalls unter einer Decke liegen. Es kann passieren, dass die Decke über das Köpfchen rutscht und Nase und Mund verdeckt. Dann besitzen Babys nicht die Kraft, sich wegzudrehen oder die Decke abzuschütteln. Es droht akute Erstickungsgefahr!

Mythos 3: Das Kind kann aus dem Bett fallen

Dieser Mythos des Co-Sleeping stimmt sogar. Kinder können aus dem Bett fallen. Zwar weniger, weil sie von den Eltern raus geschubst werden, als dass sie sich selber aus dem Bett manövrieren, aber das macht die Gefahr ja nicht weniger akut. Abhilfe schafft ein Gitter oder ein Netz, welches an der Seite des Familienbettes angebracht werden kann. Immerhin würdest du ja auch ein Gitter am Kinderbett anbringen, oder?

Quelle:

Kinderärzte im Netz: Plötzlicher Kindstod & anscheinend lebensbedrohliches Ereignis.

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Alexander Scherb

Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de