Gesunder Schlaf

Biphasischer Schlaf: Gesund oder schädlich?

Biphasischer Schlaf: Gesund oder schädlich?

Biphasischer Schlaf ist keine neumodische Erfindung. Forscher nehmen an, dass es bis zur industriellen Revolution normal war, biphasisch zu schlafen. Erst mit der Verbreitung des künstlichen Lichts habe sich unser bekanntes Schlafmuster durchgesetzt. Stimmt das? Unser Artikel klärt auf.

Biphasischer Schlaf: Frau liegt auf der Couch und schläft.
Biphasischer Schlaf war in der Antike ganz normal. Bild: Pexels/Jep Gambardella

Der bekannte Sozialhistoriker und Schlafforscher Roger Ekirch ist überzeugt, dass biphasischer Schlaf für die Menschen bis zur Industrialisierung völlig normal war. Hinweise darauf findet er in antiken und mittelalterlichen Schriften und Romanen, wie beispielsweise im weltberühmten Don Quijote oder Homers Odyssee. Auch in römischen Schriften sind Hinweise auf einen „gesplitteten Nachtschlaf“ mit mehreren Wachphasen enthalten.

Grund für die Umstellung der Menschen von biphasisch auf monophasischen Nachtschlaf sieht Ekirch in der Industrialisierung und zwei damit einhergehenden Errungenschaften. Zum einen der Entwicklung des künstlichen Lichts und mit ihr die Möglichkeit, auch im Dunkeln zu arbeiten und zum anderen der Erfindung des Weckers. Doch beginnen wir von vorne. Was ist biphasischer Schlaf?

Was ist biphasischer Schlaf?

Biphasischer Schlaf lässt sich allgemein als Schlaf bezeichnen, bei dem die Person zweimal innerhalb von 24 Stunden über einen längeren Zeitraum schläft. Bei Erwachsenen liegen diese beiden Schlafphasen meist dicht beieinander in der Nacht, mit einer Wachphase dazwischen.

Dies muss aber nicht unbedingt notwendig sein, um den Begriff des biphasischen Schlafs zu erfüllen. Auch ein kurzes Nickerchen von wenigen Minuten in der Nacht im Bett und ein längerer Mittagsschlaf von einigen Stunden am Tag auf der Couch würde als biphasischer Schlaf zählen.

Des Weiteren teilen Wissenschaftler unsere Schlafgewohnheiten grob in drei Muster ein:

1. Den monophasischen Schlaf

Unter monophasischem Nachtschlaf versteht Ekirch – aber auch andere Wissenschaftler, wie beispielsweise der US-amerikanische Psychiater Thomas Wehr – unseren heutigen Schlafrhythmus mit sechs bis acht Stunden Schlaf pro Nacht. Man schläft die Nacht durch bis zum Morgen.

2. Den biphasischen Schlaf

Biphasischer Schlaf teilte sich laut Ekirch früher in zwei Schlafphasen auf. Die erste Schlafphase ging von circa 21 Uhr abends bis Mitternacht. Dann folgte eine Wachphase von einigen Stunden, während es im „Morgenschlaf“ in die zweite Schlafphase ging. Diese dauerte dann so lange, bis die Sonne aufging. Biphasischer Schlaf ist auch heutzutage bei Kleinkindern und älteren Menschen üblich. Beispielsweise, wenn man sich tagsüber für einen Mittagsschlaf oder kurzes Nickerchen hinlegt. Auch in verschiedenen religiösen Einrichtungen ist das Schlafmuster des biphasischen Schlafs weit verbreitet. Etwa, um den Schlaf für eine Gebet oder eine Meditation zu unterbrechen.

Übrigens: Die Schlafphasen (auch Schlafmuster genannt) von Ekirch sind nicht mit den Schlafphasen unseres Schlafes zu verwechseln. Während Ekirch mit Schlafphasen den Rhythmus zwischen den Wachphasen meint, sind unter dem bekannten Begriff Schlafphasen meist die verschiedenen Stadien unseres Schlafs gemeint. Mehr dazu findest du in unserem Artikel über Schlafphasen.

3. Den polyphasischen Schlaf

Unter polyphasischem Schlaf verstehen Forscher jede Art von Schlaf mit einem Schlafmuster von mehr als zwei Schlafphasen. Man unterscheidet zwischen Triphasischem Schlaf, Everyman-Schlaf, Dymaxion-Schlaf und Uberman-Schlaf. Alle polyphasischen Schlafmuster haben gemeinsam, dass die Person dreimal oder noch öfter über einen Zeitraum von 24 Stunden schläft. Polyphasischer Schlaf ist auch heute bei Neugeborenen und Kleinkindern ein völlig normaler Rhythmus. Mehr dazu findest du in unserem Artikel: „So viel Schlaf braucht dein Kind“.

Die unterschiedlichen Arten des polyphasischen Schlafs

Es gibt verschiedene Arten des polyphasischen Schlafs, mit ganz verschiedenen Haupt- und Nebenschlafphasen. Wir haben hier einmal die verschiedenen Schlafmuster zusammengefasst.

SchlafmusterSchlafzeit insgesamtAnzahl SchlafphasenErklärung
Triphasischetwa 4,5 Stunden3 Schlafphasen
Polyphasischer Schlaf mit 3 Nickerchen am Tag über jeweils 90 Minuten
Everymanzwischen 3 und 5 Stunden5 bis 6 Schlafphasen
Eine Hauptschlafphase in der Nacht und zwischen 3 und 5 Nickerchen am Tag von jeweils 20 Minuten
Dymaxion2 Stunden4 Schlafphasen
Polyphasischer Schlaf mit 4 kurzen Nickerchen verteilt über den Tag von jeweils 30 Minuten
Uberman2 Stunden6 Schlafphasen
Polyphasischer Schlaf mit 6 Nickerchen verteilt über den Tag von jeweils 20 Minuten

Die oben genannten Formen des polyphasischen Schlafs (gerade Uberman) sind unter Experten umstritten. Generell sind heutige Schlafforscher der Ansicht, dass langanhaltender Schlaf mit möglichst vielen REM-Schlafphasen für unseren Körper am gesündesten ist.

Polyphasischer Schlaf und die REM-Phase

Während biphasischer Schlaf die bekannten Schlafzeiten noch einhält, werden die Schlafzeiten beim polyphasischen Schlaf auf den Kopf gestellt. Viele Interessierte, die sich das erste Mal mit den unterschiedlichen Schlafmustern auseinandersetzen, fragen sich zurecht, wie sechs 20-minütige Nickerchen dafür sorgen können, die für uns so wichtige REM-Phase zu erreichen.

Tatsächlich ist es möglich, die Traumschlaf innerhalb der vorgegebenen Zeit (beispielsweise 20 Minuten beim Schlafmuster von Uberman und Everyman) zu erreichen, allerdings benötigt es dafür eine erhebliche Disziplin und eine Eingewöhnungszeit von rund zehn Tagen.

Ist biphasischer Schlaf gesund?

Die Geschichte zeigt, dass biphasischer Schlaf in früheren Zeiten zur Normalität gehörte. In Zeiten, in denen kein künstliches Licht für eine lichtreiche Umgebung sorgte, schliefen die Menschen zwischen die sechs und acht Stunden sehr häufig in zwei Schlafphasen. Auch, weil wahrscheinlich die sogenannte Wolfsstunde dafür sorgte, dass die Menschen nachts im Bett ganz natürlich aufwachten.

Auch eine Studie des US-amerikanischen Psychiaters Thomas Wehr legt nahe, dass der biphasische Schlaf eher unserem natürlichen Schlafmuster entspricht als der monophasische Schlaf. In seiner Studie reduzierte der Forscher bei einer Gruppe Menschen das Licht täglich auf maximal zehn Stunden. Nach drei Wochen fingen die Probanden an, biphasisch zu schlafen. Wirklich aussagekräftig ist die Studie allerdings nicht. Zum einen entsprach das Licht der Versuchsumgebung nicht den natürlichen Lichtverhältnissen und zum anderen war die Personenzahl zu klein für eine allgemeingültige Aussage.

Birgt biphasischer Schlaf Risiken?

Auch wenn alle wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht darauf schließen lassen, dass biphasischer Schlaf für den Menschen Risiken birgt, so kann es doch durch unsere Sozialisation zu Problemen kommen. Heutzutage sind die Menschen gewohnt mehrer Stunden die Nacht im Bett durchzuschlafen. Nächtliches Aufwachen könnte dazu führen, dass Betroffene denken, sie leiden unter Schlafstörungen. Dieses Gedankenkarussell kann dann zu tatsächlicher Schlaflosigkeit führen.

Untersuchungen an Menschen, die gewollt biphasisch schlafen, haben gezeigt, dass keine Nachteile für die Gesundheit oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Gegen bekannten Erwartungen löst der biphasische Schlaf keine Tagesmüdigkeit aus. Allerdings warnen Experten davor, biphasischen Schlaf zu forcieren. Wer mit seinem monophasischem Schlafrhythmus und den bekannten sechs bis acht Stunden Schlaf in der Vergangenheit gut ausgekommen hat, muss diesen Rhythmus auch nicht ändern. Vor allem deshalb nicht, da unsere gesamte Gesellschaft auf das Schlafmuster des monophasischen Nachtschlafs ausgerichtet ist.

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Kurz und knapp

Was ist biphasischer Schlaf?

Beim biphasischen Schlaf ist der Schlafrhythmus ganz anders als bei monophasischen Schlaf. So schläft man mindestens zweimal täglich. Ein bekanntes Beispiel für biphasischen Schlaf ist der Mittagsschlaf oder Powernap.

Welche Arten des biphasischen Schlafs gibt es?

Neben dem normalen biphasischen Schlaf gibt es auch noch den triphasischen Schlaf, den Everyman, den Dymaxion und den Uberman. All diese Schlafrhythmen werden unter dem Begriff „polyphasischer Schlaf“ zusammengefasst. Wie genau diese verschiedenen Schlafrhythmen funktionieren, kannst du oben beim zugehörigen Punkt lesen.

Beeinflusst polyphasischer Schlaf die REM-Phase?

Nein, unser Körper wird nicht vom polyphasischen Schlaf beeinflusst. Voraussetzung ist, dass du auch wirklich so schlafen möchtest. Du solltest deinen Schlafrhythmus nicht ändern, wenn du bisher keine Probleme damit hattest.

Ist biphasischer Schlaf gesund?

Anders herum: Biphasischer Schlaf ist für unseren Körper zumindest nicht ungesund. Bisher konnten Forscher zumindest keine negativen Auswirkungen auf unseren Körper ausmachen. Allerdings solltest du dir eine Übergangsphase von zehn Tagen einräumen.

Birgt biphasischer Schlaf Risiken?

Nein, bisher konnte in zahlreichen Studien kein erhöhtes Risiko für unseren Körper ausgemacht werden.

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Quellen:

National Library of Medicine: In short photoperiods, human sleep is biphasic.
A. Roger Ekirch: Sleep We Have Lost: Pre-industrial Slumber in the British Isles.
Deutschlandfunk Kultur: „Wir sollten wieder in zwei Phasen schlafen“.

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Alexander Scherb

Senior Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de