Gesunder Schlaf

Baby pucken zum Einschlafen: Vor- und Nachteile der Wickeltechnik

Baby pucken zum Einschlafen: Vor- und Nachteile der Wickeltechnik

Das Baby zu pucken zum Einschlafen ist eine streitbare Sache. Während die eine Seite auf die traditionelle Wickeltechnik schwört, hält es die andere Seite für Quälerei. Auch immer mehr Ärzte raten vom Pucken ab. Wir haben Vor- und Nachteile zusammengetragen.

Baby pucken: Ein gepucktes Baby ist auf dem Arm der Mutter.
Du möchtest dein Baby pucken, bist aber unsicher? Wir nennen Vor- und Nachteile. Bild: iStock

Viele Eltern kennen es: Man selbst ist schon hundemüde, aber das geliebte Baby will und will nicht schlafen und schreit in einer Tour. Was also tun? Mit dem Krümel auf dem Arm durch die Wohnung laufen, bis es endlich schläft? Oder das Kleine doch eher pucken zum Einschlafen?

Während einige Hebammen auf die traditionelle Wickeltechnik schwören, raten immer mehr Ärzte davon ab, sein Baby zu pucken. Doch warum? Wir haben uns die Vor- und Nachteile des Puckens angeschaut und zusammengetragen. Denn eine Sache ist wohl die wichtigste: Dass es dem kleinen Wesen so gut wie möglich geht.

Wie viel Schlaf braucht ein Kind eigentlich? Unser Artikel verrät es dir.

Was ist Pucken?

Das Pucken ist eine traditionelle Wickeltechnik, die schon seit Jahrhunderten in zahlreichen Kulturen angewandt wird. Dabei wird das Baby mehr oder weniger fest in Stofftücher oder Bänder gewickelt und seinen Bewegungen Grenzen gesetzt. Das Ziel dieser Technik ist die Beruhigung des Kindes. Das Baby pucken um das Einschlafen zu fördern, ist dabei besonders beliebt und verbreitet.

Wie feste das Baby beim Pucken gewickelt werden soll, ist umstritten und Teil des Austauschs von Verfechtern der Wickeltechnik. Mittlerweile gibt es auch Schlafsäcke, die das Einwickeln mit Stoffbändern oder -tüchern simulieren. Mit ihnen kann das Kind im Zweifelsfall schnell befreit werden.

Baby pucken: Die Vorteile

Befürworter der Wickeltechnik machen immer wieder deutlich, wie vorteilhaft Baby pucken sein kann. Gründe für das Pucken sind:

  • Manche Babys finden durch die Begrenzung besser in den Schlaf.
  • Kinder, die viel schreien, lassen sich mit Pucken leichter beruhigen.
  • Pucken soll auch bei Bauchschmerzen und Blähungen helfen.
  • Babys mit Hirnschäden weinen durch Pucken weniger.

Wichtig ist, dass das Pucken beim Baby auch gut ankommt. Weint dein Kleines schon beim Einwickeln, mag es die Enge nicht. Auch so etwas kommt vor. So oder so solltest du beide Augen offen halten, wenn du dein Baby pucken möchtest.

Es will und will bei deinem Kind mit dem Einschlafen nicht klappen? Lies doch einmal unseren Artikel, wie man ein Baby schlafen legt. Vielleicht machst du ja auch einen der häufigen Fehler.

Warum kann Pucken hilfreich sein?

Das wohl wichtigste Argument für das Pucken ist der sogenannte Moro-Reflex beim Baby. Dieser Klammerreflex wurde nach Ernst Moro benannt und beschreibt das ruckartige Strecken der Arme, spreizen der Finger und Öffnen des Mundes beim überraschenden Zurückneigen des Babys.

Dieser Reflex ist bei jungen Babys ganz normal und kein Grund zur Besorgnis. Manchmal kann es aber vorkommen, dass der Moro-Reflex im Liegen ausgelöst wird, wodurch das betroffene Baby beispielsweise aus dem Schlaf gerissen werden kann. Dann kann es hilfreich sein, das Baby zu pucken. Zumindest so lange der Klammerreflex auftritt.

Ab wann wird Pucken überflüssig?

So sinnvoll pucken in den ersten Wochen und Monaten sein kann, gibt es doch gewisse Anzeichen, wann es keinen Sinn mehr macht dein Baby zu pucken. Dies kann sein:

  • Wenn dein Baby einen starken Bewegungsdrang hat. Dann kann das Abwickeln der Arme und Beine für dein Baby zu einengend sein. Meistens merkt man dies aber schon zu Beginn des Puckens. Dein Baby weint und zappelt beim Einwickeln? Dann will es das Pucken wahrscheinlich nicht.
  • Wenn dein Kleines sich anfängt zu drehen. Ein gepucktes Baby ist durchaus in der Lage, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen. Andersherum werden aber die Arme benötigt, was nicht funktionieren kann, wenn die Arme eingewickelt sind. Dann besteht Erstickungsgefahr. Deswegen sollte beim Baby pucken vermieden werden, sobald es sich von alleine auf den Bauch drehen kann.
  • Wenn dein Kind anfängt, nach der Welt zu greifen. Das Ertasten seiner Umwelt ist ein wichtiger Entwicklungsschritt im Leben eines Babys. Wird das Baby dann gepuckt, wird dieser wichtige Entwicklungsschritt gehemmt.

Baby pucken: Die Nachteile

Mittlerweile mehren sich die Stimmen, die das Baby pucken ablehnen. Diese Stimmen kommen hauptsächlich aus der Ärzteschaft. Sie geben zu bedenken, dass:

  • gerade im Sommer beim Pucken die Gefahr eines Hitzschlags besteht. Babys reagieren auf Hitze wesentlich empfindlicher und ein eingewickelter Körper kann die Hitze schlechter abgeben.
  • die Gefahr einer Dehydrierung besteht. Wie beim Hitzschlag ist hier die Gefahr im Sommer noch erhöht.
  • die Gefahr besteht, dass wichtige Nerven und Arterien abgeklemmt werden.
  • Pucken die natürliche Reifung der Hüfte beeinträchtigen kann. Da beim klassischen Pucken die Beine in Streckstellung aneinander gebunden werden, kann sich bei häufigem und langanhaltendem Pucken eine Hüftdysplasie entwickeln. Bei einer Hüftdysplasie befindet sich die Hüftgelenkpfanne in Fehlstellung. Dadurch liegt der Hüftkopf des Oberschenkels nicht mehr in der Pfanne.

Man muss allerdings anmerken, dass solche Problematiken nur bei Kindern sehr selten und auch nur dann auftraten, wenn sie extrem eng und über einen langen Zeitraum gepuckt wurden. Oftmals waren die Babys auch unsachgemäß eingewickelt. Deshalb empfehlen immer mehr Hebammen und Experten sogenannte Pucksäcke. In ihnen besitzen die Babys eine große Beinfreiheit.

Übrigens: In Deutschland wird die Hüfte des Babys spätestens bei der U3 geprüft. Etwaige Komplikationen fallen dann bereits auf.

Brauchst du Hilfe beim Einschlafen deines Babys? Unser Artikel über Einschlaf-Tipps, greift dir mit ein paar Tricks unter die Arme.

Alternativen zum Pucken

Spätestens, wenn sich dein Kleines drehen kann, solltest du mit dem Pucken aufhören. Denn dann ist die Gefahr zu groß, dass es sich auf den Bauch dreht, aber nicht mehr aus eigener Kraft zurückrollen kann. Reagiert dein Baby aber nach wie vor positiv auf das Einwickeln – beispielsweise, weil es dann besser und ruhiger schläft – gibt es auch noch Alternativen, die du weiterhin nutzen kannst.

  1. Tragetuch: In einem Tragetuch werden die Beine des Babys hüftfreundlich gespreizt und gleichzeitig bekommt es ganz viel und enge Nähe von Mama oder Papa. Und dadurch, dass du dein Kind ganz nah bei dir hast, kannst du auch direkt auf die Bedürfnisse deines Krümels eingehen.
  2. Pucksack: Ein Pucksack gibt dem Baby an den Armen die Begrenzung, die es braucht, um friedlich zu schlummern und gleichzeitig werden durch die Beinfreiheit keine wichtigen Nerven abgeklemmt. Auch eine Hüftdysplasie wird so umgangen.

Pucken stirbt in Deutschland aus

Wenn du dein Baby pucken möchtest, dann gehörst du zu einer aussterbenden Art, denn immer weniger Eltern wickeln ihr Baby noch in ein Pucktuch. Kein Wunder, mit Therapiedecken, Tragetüchern, Babytragen und Pucksäcken gibt es genügend Alternativen, sein Baby ganz nah und eng bei sich zu tragen und das Kleine keinem Risiko auszusetzen. Und ganz ehrlich: Am liebsten sind Babys sowieso ganz nah bei Mama oder Papa.

Quellen:
Ärzteblatt: Hüft-Fehlstellungen: Trend zum „Baby-Pucken“ gefährdet Entwicklung.
Informationsdienst Wissenschaft: DEGUM: „Baby-Pucken“ gefährdet gesunde Entwicklung der Hüfte.
Kinder und Jugendärzte im Netz: Kinder- und Jugendärzte warnen vor Pucken: „Pucken ist überflüssig und gefährlich für Säuglinge“.
BMJ Journals: Randomised controlled trial of swaddling versus massage in the management of excessive crying in infants with cerebral injuries.

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Alexander Scherb

Online-Redakteur bei MeinSchlaf.de